„Verwurzelt in Wermelskirchen“

Stadt und Bürger pflanzen 35.000 Bäume

Stadtförster Stefan Springer und Regionalförsterin Christina Amling begrüßen die Baumpflanzaktionen. Foto: Anja Carolina Siebel
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Stadtförster Stefan Springer und Regionalförsterin Christina Amling begrüßen die Baumpflanzaktionen.

Eine Aktion von Verwaltung, Sparkasse und Gemeinde Neuenhaus soll dem Fichtensterben entgegenwirken.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Für jeden Einwohner Wermelskirchens ein 50 bis 80 Zentimeter großer Baum. Das ist das Ziel von Stadtverwaltung, Stadtsparkasse und der Stephanus-Gemeinde in Hilgen-Neuenhaus. Unter dem Motto „Verwurzelt in Wermelskirchen – damit die Wälder wieder rauschen“ haben sie sich zusammengetan, um in den nächsten Monaten insgesamt 35.000 Bäume im Stadtgebiet zu pflanzen. „Das ist eine Aufforstungsaktion, die sich sehen lassen kann“, unterstreicht Bürgermeisterin Marion Lück. „Da werden bestimmt auch einige Großstädte auf uns neidisch sein.“

Mit 3500 Bäumen soll es kommenden Mittwoch im Wald an der Coenenmühle in Dabringhausen losgehen. Neben Tiefbauamtsleiter Harald Drescher, der die Aktion mit betreut, und Bürgermeisterin Marion Lück werden auch Rainer Jahnke von der Sparkasse und Dorothee Hoffrogge von der Gemeinde Hilgen-Neuenhaus dabei sein – und einige Schüler der Dhünntalschule in Dabringhausen, die Schippe und Gummistiefel bereits parat liegen haben.

Marion Lück betont: „Baumpflanzungen sind ja nur während einiger Monate im Jahr möglich. Im Sommer ist es dafür zu trocken. Deshalb machen wir jetzt den Auftakt, pausieren dann und pflanzen im Herbst mit Nachdruck weiter.“

Den Sommer will die Verwaltung dazu nutzen, eine Internetseite zu erstellen, auf der die Bürger sich über Baumschutz und die geplanten Pflanzaktionen informieren können. Angedacht sei, bestimmte Areale in Wäldern bereits zu präparieren, dass auch Privatleute sich dort zu Baumpflanzaktionen anmelden können. „Das soll ja eine Generationenaufgabe sein“, erklärt Rainer Jahnke. Er hat Erfahrung, weil er selbst fünf Kinder zu Hause hat. „Die mir und meiner Frau ordentlich die Leviten gelesen haben wegen Versäumnissen beim Klima- und Umweltschutz in den vergangenen Jahren“, erzählt der Sparkassenchef. Grund für ihn, mehr über Nachhaltigkeit nachzudenken, sich beispielsweise ein Elektroauto anzuschaffen. Und sich mit der Sparkasse an der Baumpflanzaktion der Stadt zu beteiligen. Finanzielle Unterstützung ist dafür auch nötig, denn immerhin kostet jeder der 35.000 Bäume um die 3 Euro.

Fachlich unterstützt werden die eifrigen Baum-Pflanzer von Stadtförster Stefan Springer. Dessen Ausführungen in den Sitzungen des Umweltausschusses waren es auch, die den Anstoß für die groß angelegte Kampagne „Verwurzelt in Wermelskirchen“ gegeben hatten. Denn was Springer aus dem Wald zu berichten hat, kann Naturfreunde schon bange machen.

Bürger können spenden oder selbst pflanzen

Die Hitze der vergangenen Sommer hat die Bäume geschwächt. Die Fichten, die ansonsten eine Menge Harz produzieren, harzten wegen der fehlenden Feuchtigkeit nicht mehr oder kaum noch. Und so waren den Schädlingen die Pforten geöffnet. Die Arbeit der Förster habe sich binnen fünf Jahren extrem verändert, berichtete Springer. „Wir machen Katastrophenmanagement. Anders kann man das nicht nennen. Wir müssen schauen, dass wir wenigstens etwas vom überschüssigen Holz verkauft bekommen.“

Das Problem: Durch die Vielzahl der maroden Bäume gibt es einen extremen Überschuss an Holz. Aber kaum noch Abnehmer. Das Preisniveau ist ganz unten angekommen. „Wir bekommen nur noch einen Bruchteil von dem, was wir noch vor ein paar Jahren bekommen haben“, erläuterte Springer.

Und auch das ungeschulte Auge erkennt an Stellen wie beispielsweise in Dortenhof oder an der K 18 zwischen Dabringhausen und Bechhausen: Die Einbußen des Waldes sind enorm. „Wir erwarten fürs nächste Jahr noch höhere Verluste“, zeichnete Springer eine düstere Prognose.

Um ein wenig entgegenzuwirken, will die Stadt Wermelskirchen jetzt pflanzen, was das Zeug hält. Marion Lück: „Und die Wermelskirchener können dafür entweder spenden oder eben selbst mithelfen.“

Hintergrund

Schon der Klima-Monitoringbericht, den die Bundesregierung Ende 2019 vorlegte, zeigte deutliche Zeichen eines Klimawandels. Demnach hat sich die mittlere Lufttemperatur von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht. Allein in den vergangenen fünf Jahren stieg diese um 0,3 Grad an. „Die meisten Szenarien für die kommenden Jahre überschreiten die 2-Grad-Marke deutlich“, sagt Christina Amling vom Regionalforstamt.

Standpunkt: Klotzen beim Pflanzen

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga.de

Wer regelmäßig durch die heimischen Wälder spaziert oder sich dort sportlich betätigt, dem wird es nicht entgangen sein: Das Bild ist vielfach erschreckend. Ganze Fichtenbestände sind abgestorben und verdorrt. Der Borkenkäfer hatte durch die heißen und regenarmen Monate der vergangenen Sommer leichtes Spiel und hat den Nadelbäumen so zugesetzt, dass fast die Hälfte des Fichtenbestandes nicht mehr zu retten ist. Eine Lösung wäre laut Aussage der erfahrenen Förster, die sukzessive abzuholzenden Flächen mit Mischbepflanzung zu bestücken. Vor allem Laubbäume würden sich anbieten. Die Stadt ergreift jetzt diese Chance und klotzt auch gleich statt zu kleckern. Denn 35.000 neue Bäume sind kein Pappenstiel. Mit der Sparkasse und der Kirchengemeinde Hilgen-Neuenhaus hat sie indes starke Partner zur Seite, die finanziell oder mit Manpower aushelfen, die Wermelskirchener Wälder wieder grün zu machen. Das ist auch der einzig richtige Weg, um den bergischen Wald noch dauerhaft zu retten. Aktiv werden und dabei noch Spaß haben, das ist wirklich eine sinnvolle Aktion.

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