Eventuelle Lockerungen

Stadt soll selbst an Inzidenzwert arbeiten

Oliver Platt und André Frowein sehen große Potenziale in Wermelskirchen. Archivfoto: Roland Keusch
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Oliver Platt und André Frowein sehen große Potenziale in Wermelskirchen.

Oliver Platt vom Bürgerforum hat für eine Idee schon einige Mitstreiter.

Von Anja Carolina Siebel

Zuerst war es der Sieben-Tage-Inzidenzwert von 50, den die Bundesregierung und die Länderchefs immer wieder ins Spiel brachten, wenn sie über eventuelle Lockerungen des zurzeit harten Lockdowns sprachen. Nun scheinen sie sich, auch bedingt durch die Zunahme der offenbar ansteckenderen Corona-Varianten, eher auf den Inzidenzwert von 35 festzulegen. Erst wenn es weniger als 35 Ansteckungen pro hunderttausend Einwohner und Woche geben würde, könne man darüber nachdenken, zum Beispiel den Handel und Sportstudios wieder zu öffnen, heißt es aus Berlin.

Oliver Platt vom Bürgerforum findet, dass eine Kommune wie Wermelskichen, wenn es denn so weit ist mit der magischen 35, viel dafür tun könne, die Inzidenz innerhalb dieser Kommune auch niedrig zu halten. „Das fängt bei guten, ausgefeilten Hygienekonzepten an, wie wir sie zum Teil ja auch schon im Sommer hatten“, sagt Platt.

Als Geschäftsführer der Bäckerei Evertzberg, die in Remscheid auch eine größere Produktionsstelle hat, weiß er, wie wichtig solche Vorsichtsmaßnahmen derzeit sind. „Wir tragen in der Produktion alle FFP2-Masken, wenn das auch nicht vorgeschrieben ist.“

Alle Bürger sollten Eigenverantwortung zeigen und ein Interesse daran haben, den Inzidenzwert möglichst niedrig zu halten und größere Ausbrüche zu verhindern, findet Platt. „Wenn es beispielsweise Veranstaltungen gibt, müssen alle kreativ sein, um auf der einen Seite etwas anbieten zu können, sich aber andererseits ganz strikt an Hygienekonzepte zu halten.“ Helfen könnte dabei auch die anrückende wärmere Jahreszeit. „Wir müssen einfach mit allem verstärkt nach draußen gehen“, sagt der Ortspolitiker, der künftig den Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit leiten wird. Er könne sich Kleiderbasare im Freien vorstellen, von denen die Händler profitieren könnten. Und die verstärkte Nutzung des Rhombus-Geländes für Freiluftveranstaltungen.

Viele Firmen würden sich noch nicht optimal an die Regeln halten

„Ich bin überzeugt, dass wir in Wermelskirchen das Potenzial haben deutliches Vorbild für die Region zu werden“, pflichtet André Frowein vom Stadtmarketingverein WiW dem Ortspolitiker bei. „An dem Statement vieler Einzelhändler ist deutlich zu spüren, dass die Grenze dessen, was die einzelnen Personengruppen mitmachen können, bereits erreicht oder deutlich überschritten ist. Hier sind jetzt Wertschätzung und Verständnis gefragt aber trotzdem muss weiteres Durchhalten vermittelt werden“, sagt Frowein weiter.

Auch Henning Rehse (WNK/UWG) äußerte sich bereits zum Vorschlag Oliver Platts: „Ich denke, dass Einzelhandel, Dienstleister und Gastronomie mit ihren Hygienekonzepten seit Frühjahr schon den größten Teil des ihnen möglichen Weges gegangen sind – und dies unter teilweisem Einsatz nicht unbeträchtlicher finanzieller Mittel“, sagt Rehse. Es gebe indes Optimierungspotenziale: „Arbeitsplätze im Großraumbüro und in der Produktion, wo Abstände prozessbedingt nicht eingehalten werden können; im ÖPNV; in Kitas und Schulen; im Kontaktverhalten von Kindern und Jugendlichen“, zählt er auf.

Oliver Platt räumt ein, dass zur aktiven Arbeit gegen Corona innerhalb der Kommune auch der Kontakt mit größeren Unternehmen gehöre: „Leider gibt es immer noch Firmen, die sich nicht so an die Regeln halten, wie es möglich wäre“, sagt er. Auch mit Gastronomen und Händlern möchte er in stetigem Austausch sein.

Und: Eine Arbeitsgruppe habe sich innerhalb seiner Fraktion bereits gebildet, die sich ausschließlich mit dem Thema Corona befasse. „Wir beobachten die Entwicklungen und arbeiten Tendenzen heraus“, erklärt der Ortspolitiker. Über eine mittelfristige Zusammenarbeit mit vielen Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung, aber auch Vereinen und Initiativen würde er sich freuen.

Standpunkt: Initiative ist gefragt

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga-online.de

Die Idee von Oliver Platt ist vom Grundsatz her spitze. Eine Stadt sorgt quasi für sich selbst und achtet mit Hygienekonzepten und viel Eigenverantwortung darauf, dass sie nicht zum Corona-Hotspot wird. In diesen Tagen, in denen sich praktisch alle nach ein wenig Normalität sehnen, aber die meisten auch einsehen, dass das Coronavirus uns leider noch eine Weile begleiten wird, erscheint eine solche Vision besonders wertvoll. Allerdings bedarf es für eine erfolgreiche Umsetzung nicht nur einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 35, sondern auch einer Menge Initiative aller Beteiligten.

Und das heißt im Klartext eigentlich: aller Bürger. Leider hat sich vielfach gezeigt, dass es bei einigen nicht so weit her ist mit der Eigenverantwortung und der Einsicht. Die Frage ist aber, ob man nicht auch sie zumindest etwas mehr für die gute Sache gewinnen kann, wenn es nicht um Verbote, sondern um das Erreichen eines gemeinsamen Zieles geht. Und das gemeinsame Ziel heißt: Leben in die Stadt zu bekommen. Ganz coronakonform, aber eben auch mit ganz viel Lebensfreude. Und was das noch mal war, daran wird sich wohl jeder erinnern.

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