„Stadt hat nichts für die Schmiede übrig“

Juan Manuel Herrera Luzón fühlt sich als Schmied von der Stadt schlecht behandelt. Foto: Peter Klohs
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Juan Manuel Herrera Luzón fühlt sich als Schmied von der Stadt schlecht behandelt.

Juan Manuel Herrera Luzón betreibt im Eifgental eine Blankwaffenschmiede – Seine Zukunft ist ungewiss

Von Peter Klohs

Direkt am Wanderparkplatz Eifgen, in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Freibad, stehen zwei Gebäude: das Wohnhaus und die Schmiede von Juan Manuel Herrera Luzón, dem nach eigenen Angaben einzig verbliebenen Blankwaffenschmied weltweit. Haus und Schmiede stehen unter Denkmalschutz, sagt Herrera Luzón. Der 1958 in spanischen Granada am Fuße der Sierra Nevada geborene Handwerker fürchtet um die Zukunft seines Berufs – und um den Standort seiner Schmiede, der Silvia-Schmiede, die nach seiner Tochter benannt ist. Denn das Areal gehört der Stadt Wermelskirchen und Herrera Luzón bezahlt für die Nutzung eine Miete. Die Stadt möchte das Areal anderweitig nutzen, hat ein Investorenauswahlverfahren auf den Weg gebracht und befindet sich nun in der Entscheidungsfindung.

„Corona hat dazu geführt, dass mein Geschäft um 70 Prozent eingebrochen ist“, erzählt der Schmied, der seit 2009 in Wermelskirchen lebt und zuvor in Solingen tätig war. „Ich hatte Kunden in der ganzen Welt, hauptsächlich Armeen, für die ich Paradeklingen hergestellt habe. Aber jetzt sagt mir mein Gefühl, dass die Stadt für altes Handwerk nichts übrig hat.“

„Die jungen Leute haben mehr Zukunft als ich.“

Juan Manuel Herrera Luzón

Herrera Luzòn berichtet von zwei potenziellen Investoren. Einer stammt aus Düsseldorf. Er will die beiden Häuser zu Bürogebäuden umbauen. Zudem hat der Wermelskirchener Verein Bowl Church Interesse an einer Nutzung des Areals: Die Jugendlichen haben zu Spenden aufgerufen, um das Grundstück kaufen zu können. „In zwei Wochen haben die jungen Leute 110 000 Euro erhalten“, sagt Herrera Luzón. Der Verein will eine besondere Kultur im Eifgental errichten: Die Gebäude sollen eine Töpferei, eine Schreinerei und ein Café beinhalten. „Wenn das mit den Jugendlichen klappen sollte, freue ich mich“, sagt der Schmied. „Die jungen Leute haben mehr Zukunft als ich.“

Ob und welche Rolle er in den Plänen beider potenzieller Investoren spielt, weiß Herrera Luzón nicht. „Ich weiß nicht, ob ich hierbleiben kann.“ Zurück nach Spanien will er auf keinen Fall. „Das hier ist meine Heimat“, versichert er. Mehrmals erklärt der Schmied im Gespräch, dass die Stadt kein Interesse an einer Weiterführung der Schmiede habe. Einige Gerichtsverhandlungen (eine wegen einer von der Stadt angeblich grundlos ausgesprochenen Kündigung) belegen die Probleme zwischen Stadt und Mieter.

Thomas Marner, Technischer Beigeordneter der Stadt Wermelskirchen, sieht die meisten Dinge anders als der Schmied. „Zunächst einmal ist das Gebäude im eigentlichen Sinne keine Schmiede, sondern ein altes Wasserwerk. Herr Herrera Luzón hat nun im Laufe der Jahre einige Sachen gemacht, die man als Mieter einfach nicht machen darf: So hat er zum Beispiel mehrere Menschen dort monatelang wohnen lassen. Rechtlich sprechen wir hier von Untervermietung, und die muss vom Vermieter genehmigt werden. Außerdem hat der Schmied in einem Nebenraum der Schmiede eine Hebebühne für seine Oldtimer bauen lassen. Auch das muss man als Vermieter nicht hinnehmen.“ Marner erläutert ebenso, warum und wie es zur Anzeige gegen den Schmied wegen Diebstahls gekommen sei.

„Die Jugendlichen von Bowl Church mögen sich für das Areal interessieren“, führt der Beigeordnete weiter aus. „Tatsache ist, dass ihr Konzept die Stadt erreichte, als die Frist für das Investorenauswahlverfahren abgelaufen war. Sie können also in diesem Fall nicht berücksichtigt werden.“ Das Konzept der Jugendlichen sei aber „toll und müsse unterstützt werden. Mit dem Standort habe ich allerdings Probleme.“ Wie Thomas Marner abschließend ausführt, ist die Entscheidung der Stadt über die Zukunft des Areals noch nicht gefallen.   | Standpunkt

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