Stadt bringt Glasfaserausbau voran

Benachbarte Städte sind schon wesentlich weiter als Wermelskirchen mit den Glasfaseranschlüssen. Foto: Peter Kneffel/dpa
+
Benachbarte Städte sind schon wesentlich weiter als Wermelskirchen mit den Glasfaseranschlüssen. Foto: Peter Kneffel/dpa

Mit einem Internetanbieter sowie einem Investor startet in Kürze ein Pilotprojekt

Von Anja Carolina Siebel

Die Zahlen sind noch recht frustrierend. Zumindest für jene, die sich ein bisschen mit dem Thema auskennen: Von insgesamt 19 900 Haushalten sind in Wermelskirchen gerade einmal 47 mit Glasfaser versorgt. Immerhin arbeiten über 6000 Haushalte schon mit Internetgeschwindigkeiten von rund 200 MBit/s, aber über 3000 müssen sich auch mit weniger als 30 MBit/s begnügen.

Bürgermeisterin Marion Lück hat sich dafür eingesetzt, dass sich das nun rasch ändert. „Städte wie Leichlingen oder auch Burscheid haben uns da einiges voraus“, unterstreicht die Bürgermeisterin. Deshalb hätte sie viele Gespräche geführt, unter anderem mit den Bürgermeistern anderer Städte, aber auch mit Netzbetreibern und Investoren.

Das Ergebnis wird sicher viele Wermelskirchener freuen: Der Investor Primevest Capital Partners startet mit dem Internetanbieter novanetz in Kürze ein Pilotprojekt, um Wermelskirchen sozusagen ans Netz zu bringen. Derzeit sind Investor und Internetanbieter bereits in Burscheid-Hilgen mit dem Glasfaserausbau aktiv, im Frühjahr soll es dann in den Wermelskirchener Ortsteilen Unterstraße/Löh und Bechhausen mit kostenlosen Glasfaseranschlüssen bis in die Häuser weitergehen. „Danach arbeiten wir uns an der Hauptstraße entlang“, sagt Dennis Kornehl von novanetz. Der Geschäftsführer glaubt, dass in etwa drei Jahren ganz Wermelskirchen, inklusive Dhünn und Dabringhausen, versorgt sein dürfte.

Lück: „Das ist eine einmalige Chance“

„Voraussetzung ist die Erreichung einer Vorvermarktungsquote, die müssen wir erreichen.“ Heißt: Nur wenn etwa die Hälfte der Anwohner im Ausbaugebiet, das die Netzanbieter als Cluster bezeichnen, einen Vorvertrag über ein Internetprodukt von novanetz abschließt, wird das Glasfasernetz mit Finanzmitteln von Primevest für die Anwohner kostenlos ohne Baukostenzuschuss errichtet. „Das ist unser erklärtes Ziel“, unterstreicht Dennis Kornehl. Die monatlichen Kosten für jeden Haushalt würden sich nicht eklatant von denen eines anderen Netzanbieters unterscheiden. Kornehl beziffert sie auf etwa 45 Euro.

Für die Nutzer habe der Glasfaseranschluss „im Prinzip nur Vorteile“, sagt Marion Lück. „Der Bedarf nach schnellem Internet ist enorm gewachsen. Wir streamen, wir arbeiten im Homeoffice, jetzt ist auch noch Homeschooling hinzugekommen“, nennt sie Beispiele. „Dieser großflächige Ausbau ist eine einmalige Chance. Für uns als Stadt, aber auch für jeden Einzelnen, der sich dafür entscheidet.“

Um jedem Haushalt eine zuverlässige Internetversorgung über Glasfaser zu ermöglichen, muss ein großflächiges Glasfasernetz entstehen. Dieses hochmoderne Netz funktioniert losgelöst von den herkömmlichen Kupfer- und Kabeltechnologien. Das heißt: Es wird nicht weiter versucht, mehr aus einer Technologie herauszuholen, als sie physikalisch leisten kann.

Es entsteht eine ganz neue Infrastruktur – genauer ein Versorgungsnetz, das sich durch Orte und Städte spinnt und dabei jeden Haushalt über eine eigene Glasfaserleitung anschließt. Der Internetanbieter novanetz wird die Haushalte in den nächsten Wochen informieren.

„Im ersten Schritt wollen wir die Interessen ermitteln“, sagt Dennis Kornehl. Dazu wolle sich das Unternehmen unter anderem mit Multiplikatoren kurzschließen: Vereine, Funktionäre und Ortspolitiker sollen ins Boot. „Normalerweise“, sagt Kornehl, „informieren wir die Anwohner bei größeren Bürgerveranstaltungen über die Details des Ausbaus.“ Weil das aufgrund der Corona-Pandemie aber gerade nicht möglich sei, würde der Anbieter mit Broschüren arbeiten und Videogespräche mit den Anwohnern, die Fragen haben, führen. Werde die Vorvermarktungsquote erreicht, investiere der Primevest Communication Infrastructure Fund in das passive Kommunikationsnetz, während das Generalunternehmen GFS dieses Netz errichte. Ziel aller Kooperationspartner sei es, „ein flächendeckendes FTTH-Glasfasernetz für das gesamte Stadtgebiet von Wermelskirchen zu bauen“.

Kosten

Dass der Baukostenzuschuss bei dem Investmentmodell der Kooperationspartner für die Nutzer wegfällt, ist ansonsten nicht üblich. Je nachdem, ob der Verbraucher sich an den Kosten beteiligen oder sie komplett tragen muss, muss er sonst mit Summen zwischen 1500 Euro und über 15 000 Euro rechnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Bäckereien klagen über Personalmangel
Bäckereien klagen über Personalmangel
Bäckereien klagen über Personalmangel
Sechs Granaten per Sprengung beseitigt
Sechs Granaten per Sprengung beseitigt
Sechs Granaten per Sprengung beseitigt
Personalnot: Kita-Mutter lindert die größten Probleme
Personalnot: Kita-Mutter lindert die größten Probleme
Personalnot: Kita-Mutter lindert die größten Probleme
Axt-Angriff: Haftbefehl gegen 28-jährigen Sohn erlassen
Axt-Angriff: Haftbefehl gegen 28-jährigen Sohn erlassen
Axt-Angriff: Haftbefehl gegen 28-jährigen Sohn erlassen

Kommentare