Stadt äußert sich zu Schmied im Eifgen

Der Blankwaffenschmied hatte sich jahrelang dafür eingesetzt, im Eifgen bleiben zu dürfen. Foto: Roland Keusch
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Der Blankwaffenschmied hatte sich jahrelang dafür eingesetzt, im Eifgen bleiben zu dürfen.

Gebäude sollen bald an einen Investor verkauft werden

Von Anja Carolina Siebel

Die Wellen kochen gerade hoch beim Thema „Schmied im Eifgen“. Wie berichtet, haben vier junge Wermelskirchener eine Petition dafür gestartet, dass der Blankwaffenschmied Juan Manuel Herrera Luzón (64) weiter in den Häusern Eifgen 8 und 9 wohnen und arbeiten darf. Fast 700 Stimmen hat das Quartett für den Blankwaffenschmied bereits gesammelt, etwas über 300 stammen von Wermelskirchenern.

Am Dienstagvormittag meldete sich indes die Stadtverwaltung zu Wort. Bürgermeisterin Marion Lück, der Technische Beigeordnete Thomas Marner und Gebäudemanager Hartwig Schüngel schilderten ihre Sicht der Dinge.

2008 sei Herrera Luzón demnach in die Häuser am Rande des Eifgenwanderwegs eingezogen – als Mieter bei der Stadt Wermelskirchen. „Seitdem zahlte er der Stadt als Eigentümerin der Häuser einen sehr geringen Mietzins, weit unter der ortsüblichen Miete für Wohn- und Gewerbeobjekte“, schildert Marion Lück die Sachlage. Einige Jahre hätte der Mann sogar völlig miet- und nebenkostenfrei in den Häusern im Eifgen gewohnt und gearbeitet.

Marion Lück, Bürgermeisterin

Der Zustand der Häuser sei von Anfang an schlecht gewesen. Der Schmied sei aber wissentlich in die baufälligen Häuer eingezogen. „Der Zustand war ihm von Anfang an bekannt“, sagt Thomas Marner.

Mit den Jahren seien die denkmalgeschützten Gebäude mehr und mehr verfallen und baufällig geworden. Herrera Luzón habe auch nicht dazu beigetragen, dass sich das geändert hätte. „Auf dem Gelände lag immer eine Menge Bauschutt“, sagt Thomas Marner. „Die Häuser verfielen zusehends.“

Und es gab vonseiten der Stadt noch mehr Grund zur Beanstandung. Marner: „Der Mieter hatte unter anderem eine Hebebühne in einem der Gebäude installiert.“ Das widerspreche nicht nur dem Denkmalschutz und dem Baurecht, sondern sei vor allem nicht im Sinne des Mietvertrages, stellt Hartwig Schüngel klar. Mehrere Verfahren hat es deshalb gegen den Blankwaffenschmied gegeben, einige laufen bis heute.

Eine Räumungsklage vor einigen Jahren konnte indes abgewendet werden; die Stadtverwaltung ist diesbezüglich auch nicht in Berufung gegangen. Als durchsickerte, dass die Stadt die Gebäude möglicherweise veräußern wollte, mühte sich Juan Herrera Luzón darum, sie eigens zu erstehen. Nach WGA-Informationen soll er der Stadt Wermelskirchen dafür einen Euro, respektive einen Betrag von 50 000 Euro in kleinen Raten geboten haben. Das hatte die Stadt jedoch abgelehnt. „Das Haus ist etwa 180 000 Euro wert“, sagt Bürgermeisterin Marion Lück auf Nachfrage.

Nun plant die Verwaltung im Zuge des Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzeptes, die Häuser und das umliegende Grundstück an einen Investor zu veräußern. Der will sein Konzept für die Häuser Eifgen 8 und 9 sowie das grüne Umfeld samt ehemaligem Eifgen-Freibad Anfang März im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr (StuV) bereits öffentlich vorstellen. Dass der Schmied im Eifgen etwas Ähnliches hätte anbieten können, was möglicherweise für die Allgemeinheit attraktiv gewesen wäre, kann sich Marion Lück nicht vorstellen: „Wir hätten auf jeden Fall ein Verlustgeschäft gemacht, wenn wir ihn als Mieter behalten hätten. Denn die dringend notwendige Sanierung der Häuser wäre mit diesen Mieteinnahmen einfach nicht möglich gewesen.“ Und auch der Verkauf an Herrera Luzón hätte einen großen Verlust für die Stadt bedeutet.

„Ich bin der Meinung, dass dieses Kleinod da unten im Eifgen es einfach verdient hat, schön und für alle nutzbar entwickelt zu werden. Und das können wir nur mit einem starken Investor schaffen.“

Hintergrund

Die Gebäude Eifgen 8 und 9, Wohnhaus und Schmiede, sind um 1900 gebaut worden und stehen unter Denkmalschutz. Juan Manuel Herrera Luzón ist Jahrgang 1958, geboren in Granada. Im Jahr 1967 emigrierte seine Familie nach Deutschland, wo er 1972 seine Arbeit in der Werkzeugschmiede Joseph Kessler in Remscheid-Gockelshammer aufnahm. Seit 2008 bewohnt er die Häuser im Eifgen.

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