Bildung

Sprachhelfer drücken die Schulbank

Den Sprachhelfern wurde in einem Kurs geholfen, sich noch besser für ihren Unterricht zu wappnen.
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Den Sprachhelfern wurde in einem Kurs geholfen, sich noch besser für ihren Unterricht zu wappnen. Foto: Theresa Demski

Willkommen in Wermelskirchen und Kommunales Integrationszentrum finanzieren Kurs.

Von Theresa Demski

Wenn Andrea Epking vor ihrer Klasse steht, dann vermeidet sie es, in die Rolle der Lehrerin zu schlüpfen. „Ich habe das ja gar nicht gelernt“, sagt die Ehrenamtliche. Stattdessen wolle sie die Menschen „mit dem Herzen abholen“, sagt sie.

Fast 130 Frauen und vereinzelt auch Männer aus der Ukraine haben in den vergangenen Wochen bei der Initiative „Willkommen in Wermelskirchen“ (WKiWK ) an die Türe geklopft – und dabei auch um Unterstützung beim ersten Deutschlernen gebeten.

Über 25 Sprachhelfer fanden sich rasch zusammen

Mehr als 25 ehrenamtliche Sprachhelfer haben sich in kürzester Zeit gefunden. Sie bekamen ein Lehrbuch in die Hand gedrückt und die Zusage des Organisationsteams um Andrea Henkel, ihren eigenen Weg finden zu dürfen, wenn es um den Sprachunterricht geht. „Jeder macht das anders“, sagt Henkel. Der eine setzt auf das gemeinsame Lesen deutscher Gedichte, der andere auf Spiele und wieder ein anderer Sprachhelfer konzentriert sich vor allem auf das Buch. „Wir sind ins kalte Wasser gesprungen und haben festgestellt, dass die Geflüchteten sehr wissbegierig sind“, sagt auch Rosemarie Weiß, ebenfalls ehrenamtliche Sprachhelferin.

Dem ersten Wissensdurst konnten die Ehrenamtlichen mit einem Lehrbuch nachkommen, „das eine Art Erste Hilfe in Sachen Sprache darstellte“, sagt Henkel. Inzwischen liegt das nächste Lehrbuch vor, mit dem es nun ans Eingemachte geht. „Dabei brauchen wir jetzt einfach Unterstützung“, sagt auch Sprachhelferin Ute Weber. Das Buch erkläre sich nicht mehr von selbst und immer mal wieder würden nun auch didaktische und methodische Fragen auftauchen.

Diese Fragen gaben die Sprachhelfer weiter an das Organisationsteam der Initiative. Und dort beschloss man, es werde Zeit für einen neuen Kurs, um die Sprachhelfer zu rüsten. Den gab es bereits kurz nach der Gründung des Sprachhilfeangebots 2015. „Wir arbeiten zwar ohne festes Lernziel und ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu VHS-Angeboten, weil wir hauptsächlich das soziale Ankommen der Menschen im Blick haben“, sagt Andrea Henkel. Aber trotzdem sollen sich die Sprachhelfer ausreichend gerüstet fühlen.

Deswegen sitzen Ute Weber, Andrea Epking und Rosemarie Weiß gemeinsam mit mehr als 20 anderen Sprachhelfern nun selbst auf der Schulbank. Thomas Wiesendorf und Heike Sakowski vom Sprachhaus Köln leiten den achtstündigen Kurs im Haus Eifgen – und stellen sich vor allem den Fragen der Sprachhelfer. „Die Resonanz ist richtig groß“, sagt Andrea Henkel. Die Ehrenamtlichen lernen das neue Buch kennen, die digitalen Möglichkeiten mit Videos und Audiodateien, die damit verbunden sind. Aber sie entdecken auch, wie Erwachsene eigentlich eine neue Sprache entdecken.

„Es ist wichtig, dass die Ehrenamtlichen diese Unterstützung bekommen und das Engagement so gefördert wird“, betont unterdessen Tanja Stöffken vom Kommunalen Integrationszentrum. Dafür gebe es das Förderprogramm „Komm-an NRW“ – das einerseits Geld für Projekte in den Kommunen, auf der anderen Seite für die Zurüstung der Ehrenamtlichen bereitstelle.

Die Lerngruppe macht inzwischen eine kleine Pause. „Ich habe schon den Eindruck, dass mir diese Schulung hilft“, sagt Andrea Epking und blättert durch das Buch. Am nächsten Morgen wird sie wieder vor ihrer Klasse stehen – dann mit neuen Erkenntnissen im Gepäck.

www.wkiwk.de

Hintergrund

Unterricht: Große Gruppen oder ganz kleine Einheiten: Im Gemeindezentrum am Markt büffeln dreimal in der Woche Geflüchtete mit ehrenamtlichen Sprachhelfern. Sprachhelfer entscheiden selbst, in welchem Format sie unterrichten.

Einsatz: Wer sich ein- bis dreimal wöchentlich als Sprachhelfer einsetzen möchte, braucht keine Vorkenntnisse als Lehrer. Interessierte könnten sich direkt bei WKiWK melden: Tel. (0151) 70 13 81 17.

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