Fördermittel

Sprache ist der Schlüssel zu Bildung

Bücher spielen bei der Sprachförderung eine wichtige Rolle.
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Bücher spielen bei der Sprachförderung eine wichtige Rolle.
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Bund will Fördermittel streichen – Sprach-Kitas in Wermelskirchen und Burscheid schlagen Alarm.

Von Susanne Koch

Sprache ist der Schlüssel für eine gute Bildung. Für alle Kinder, egal ob sie hier aufgewachsen sind oder als Ausländer oder Flüchtling zu uns kommen. Seit 2016 hat die Bundesregierung deswegen ein Programm aufgelegt: „Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“. Doch nun sollen die Fördermittel, von denen derzeit noch jede achte Kindertagesstätte in Deutschland profitiert, ab 2023 ersatzlos gestrichen werden. „In Wermelskirchen gehört das Familienzentrum Danziger Straße zu den sogenannten Sprach-Kitas“, sagt die zuständige Amtsleiterin Barbara Frank. „Vor zehn Jahren haben wir eine halbe Stelle mit den Fördergeldern geschaffen und die Einrichtung hat ganz viel davon profitiert.“

Besonders in der Corona-Zeit hätten jetzt viele Kinder großen Nachholbedarf – deutsche Kinder genauso wie Kinder aus Migrantenfamilien. „Es ist sehr bedauerlich, dass nun das Förderprogramm eingestellt werden soll“, sagt die Amtsleiterin. „Denn in den vielen Jahren haben sich die Rahmenbedingungen insgesamt verbessert.“

Die eingestellt Sprachfachkraft habe regelmäßig an Fortbildungen teilgenommen, ihr Wissen weiter an die Kolleginnen gegeben und vieles dafür getan, dass eine multinationale Vielfalt gelebt werden kann. Gerade jetzt während der Corona-Pandemie – mit den ganzen Problemen und Schwierigkeiten – sei es eigentlich notwendig, das Angebot weiter fortzuführen.

„Es ist sehr bedauerlich, dass nun das Förderprogramm eingestellt werden soll.“

Amtsleiterin Barbara Frank

Das Familienzentrum Danziger Straße ist eine dreigruppige Einrichtung. „Derzeit werden dort 65 Kinder betreut“, sagt Barbara Frank. „Viele kleine Kinder müssen jetzt erst langsam eingewöhnt werden.“ Platz ist am Ende für 75 Kinder. Die in Sprachpädagogik sehr versierte Kollegin ist in der multinationalen Einrichtung eine große Stütze. „Zum Glück sind Kommunale Spitzenverbände und auch andere wichtige Träger schon dabei, sich für den Erhalt des Förderprogramms einzusetzen“, sagt Barbara Frank.

Bundestagsmitglied Dr. Hermann-Josef Tebroke (CDU) betont: „Sprache ist der Schlüssel zur gelungenen Integration. Finanzielle Mittel gerade an dieser Stelle zu kürzen, ist ein Fehler.“ Der Beschluss des Bundeskabinetts, nach mehr als zehn Jahren die Mittel für das Bundesprogramm zu streichen, sei für die Unionsfraktion völlig unverständlich. „In ihrem Koalitionsvertrag hatte die Ampel noch versichert, dieses Programm weiterzuentwickeln und zu verstetigen“, sagt Dr. Hermann Tebroke. „Da etwa 40 Prozent der Kita-Kinder einen Migrationshintergrund haben, war dieser Ansatz gut und richtig.“ Er persönlich werde sich für die Fortführung des Programms einsetzen.

Awo warnt vor drastischen Folgen

Selvi Naidu, Vorstandsmitglied des Awo-Bundesverbandes, erklärt: „Die Förderung von Kindern mit sprachlichem Förderbedarf unterstützt die Bildungsarbeit in den Kitas erheblich und ist ein ganz zentraler Aspekt auf dem Weg der Chancengleichheit der Kinder.“ Das Aus für diese Förderung würde bedeuten, dass qualifizierte und dringend benötigte Fachkräfte in der sprachlichen Bildungsarbeit fehlen würden – und dies zu einem Zeitpunkt, zu dem der Förderbedarf durch die Corona-Pandemie, aber auch durch die neu hinzugezogenen ukrainischen Kinder noch gestiegen ist. „Es ist völlig unverständlich, dass gerade dieses nachweislich wirkungsvolle Programm gestrichen werden soll“, sagt Selvi Naidu. „Der Awo-Bundesverband fordert die Bundesregierung vielmehr auf, das Programm auszubauen und in den nächsten Jahren zu verstetigen und es auch nicht alleine den Ländern zu überlassen, zusätzliche Mittel in die Sprachförderung von Kindern zu investieren.“

Betroffen wäre auch die Sprach-Kita in Burscheid mit der Awo als Träger. „Wir sitzen hier in Wermelskirchen und hoffen, dass das Programm weitergeführt wird“, so Frank. „Wir überlegen natürlich auch schon, was wir tun werden, wenn die Förderung gestrichen wird.“

Hintergrund

Alle Kinder sollen von guten Bildungsangeboten profitieren. Im Januar 2016 ist daher das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ des Bundesministeriums für Familie gestartet.

susanne.koch@rga.de

Seit 2016 werden vom Bundesministerium Kindertagesstätten durch das Programm „Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ finanziell gefördert. Es ist eines der Programme, die greifen, die tatsächlich einen Mehrwert für die Kindertagesstätten gebracht haben, die ins Programm aufgenommen wurden. Derzeit profitiert jede achte Kindertagesstätte davon. Dabei müsste das Programm – statt eingestampft zu werden – eigentlich ausgeweitet werden, damit noch mehr Kindertagesstätten davon profitieren.

Viele Kinder – auch deutsche Kinder – haben durch die Corona-Pandemie einen großen Nachholbedarf. Dabei ist eine gute Sprache elementar und für den weiteren Bildungsweg eines Kindes mit entscheidend. Unter diesen Voraussetzungen muss es unserer Gesellschaft doch auch ganz wichtig sein, die Kitas so auszustatten, dass sie diese wichtige Aufgabe gut erfüllen können. Die Bundesregierung sollte die Kürzung überdenken.

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