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Spenden sorgen für Ärger im Tierheim

Tierpflegerin Larissa Heimchen und Vorsitzender Günter Leuerer haben auch in der Krise allerhand im Tierheim zu tun. Archivfoto: Dela Kirchner
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Tierpflegerin Larissa Heimchen und Vorsitzender Günter Leuerer haben auch in der Krise allerhand im Tierheim zu tun.

Viele Tiere konnten in diesem Jahr vermittelt werden – Finanzielle Unterstützung wird immer gebraucht.

Von Katharina Birkenbeul

Wer durch die Corona-Krise im Homeoffice oder sogar in Kurzarbeit ist, hat viel Zeit. Für sich, aber auch für ein Tier, das sich der zukünftige Besitzer schon lange wünscht. „Jetzt ist genau die richtige Zeit, einen Vierbeiner aus dem Tierheim bei sich aufzunehmen“, betont Günter Leuerer. Der 1. Vorsitzende und Betriebsleiter konnte auch in der Corona-Zeit viele Tiere in gute Hände vermitteln. Dafür gibt es ein Problem mit eigentlich gut gemeinten Spenden.

„Die Menschen haben das Bedürfnis, ihr Gewissen zu beruhigen.“
Günter Leuerer, Tierheimleiter

Rund um Weihnachten und während der gesamten Krise haben viele Tierheime damit zu kämpfen, dass Menschen Tiere aus dem Tierheim abholen, um sie kurz darauf wieder abzugeben. Nicht so in Wermelskirchen. „Wir führen vorher lange persönliche Gespräche und wägen so ab, ob die Person vor uns geeignet ist“, erklärt Leuerer. Dabei fühlen die Tierheim-Mitarbeiter den Interessenten auf den Zahn und wählen sorgfältig aus. Dabei sei vor allem die Artikulation des Gegenübers wichtig. „Deshalb gibt es bei uns coronabedingt keine Rückläufer.“ Die einzige Situation, wann ein Tier zurückkommt, sei, wenn es im Nachhinein zwischen Tier und Besitzer nicht passt. Das sei aber ganz normal.

Zum Problem werden im Tierheim Wermelskirchen hingegen Spenden. „Die Menschen haben das Bedürfnis, ihr Gewissen zu beruhigen und entsorgen dann ihren Müll bei uns“, macht Günter Leuerer seinem Ärger Luft. Mengen an Futter, Bettwäsche, Handtüchern, alten Sofakissen oder sogar einzelne dreckige Katzenklos würden vor den Türen des Tierheimes abgeladen werden. Für die derzeit im Tierheim lebenden 13 Hunde und 20 Katzen sei diese Art von Spenden jedoch nicht hilfreich. „Wir müssen auf ausgewogene und gute Nahrung für unsere Tiere achten, da können wir nicht jedes X-beliebige Futter verfüttern“, erklärt er den Ärger bei den Spenden. Kissen seien zudem lebensgefährlich für die in der Nacht eingesperrten Tiere. Das Verständnis dafür würde vielen fehlen. „Manche Leute werden richtig pampig und bezichtigen uns, wählerisch zu sein, verstehen aber die Hintergründe nicht“, sagt Leuerer.

Neben den negativen Wirkungen für die Tiere stellen die Spenden ein weiteres Problem dar. Das Tierheim muss die Berge an Müll entsorgen. „Dadurch entstehen Kosten, die ich aus eigener Tasche bezahle, um den Verein nicht zu belasten. Denn das Tierheim bekommt keinerlei finanzielle Unterstützung und müsse jährlich 300 000 Euro erwirtschaften. Deshalb sei es am sinnvollsten, wenn die Spendewilligen Geld oder Gutscheine für den Tierbedarfshandel abgeben. „Dann können wir das kaufen, was wir wirklich brauchen“, betont Leuerer.

Zumal besonders in diesem Jahr Geld durch die üblichen Aktionen wie dem Ehemaligen-Treff, dem Tag der offenen Tür oder dem wöchentlichen sonntäglichen Reibekuchen- und Waffelessen wegfallen. „Aber wir wollen nicht klagen“, betont Leuerer und fügt hinzu, „wir haben eine große Akzeptanz und eine hohe Frequenz.“

Negative Auswirkungen auf die Arbeit des Tierheims hatte die Corona-Pandemie glücklicherweise nicht. Nur desinfiziert werden müsse regelmäßig, die anderen Hygienemaßnahmen beachtet und Maske getragen werden. Dadurch, dass das Tierheim während der ganzen Zeit geöffnet war, hatten Leuerer und sein Team einen großen Zulauf an Besuchern und Interessenten und konnten viele Tiere in gute Hände abgeben. „Durch die Krise bekommen die Menschen wieder eine ganz andere Einstellung zu Natur und Tieren“, so Günter Leuerer.

Standpunkt: Vorher informieren

Von Katharina Birkenbeul

Das Thema Müll hat in der ganzen Corona-Krise an Bedeutung gewonnen. Denn so viel Abfall wie in diesem Jahr gibt es sonst nicht. Ausmisten, aussortieren und das, was nicht mehr zu gebrauchen ist, wird weggeschmissen.

Oder eben an Institutionen wie das Tierheim gespendet. Es ist durchaus lobenswert, dass die Besitzer des Unrates auch an die Tiere im Tierheim denken, ihnen etwas Gutes tun wollen. Dennoch sollte es einem jeden möglich sein, sich vorab telefonisch oder im Internet darüber zu informieren, was ein Tierheim wirklich gebrauchen kann. 

Anstatt mit seinen gebrauchten Gegenständen einfach vor der Tür zu stehen und dann beleidigt zu sein, wenn die Gegenstände nicht gebraucht werden, sollte man Verständnis zeigen. Das gilt aber auch für beide Seiten. Wer aber wirklich etwas Gutes für die Tiere tun möchte und nicht nur für sein Gewissen, der kauft sich nicht die dritte Sammeledition des Lieblingsmagazins, sondern spendet einfach das dadurch gesparte Geld an das Tierheim. 

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