SPD, FDP und Grüne sind für Gesamtschule

Fraktionen positionieren sich zur Zukunft der Sekundarschule – Entscheidung soll am 24. Februar fallen

Von Susanne Koch

Am 24. Februar wird im Schulausschuss die Entscheidung fallen. Bekommt Wermelskirchen künftig eine Realschule oder eine Gesamtschule? Wenn es nach den schulpolitischen Sprechern der SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der FDP gehen würde, wäre die Entscheidung schon jetzt eindeutig: eine Gesamtschule.

Sie haben den Bildungsjournalist Armin Himmelrath zur Pressekonferenz geladen, um ihm die Möglichkeit zu geben, über die letzten 50 Jahre der Schullandschaft in Deutschland zu referieren. „Fakt ist, dass sich die Schulsysteme so verändert haben, weil die Kinder einen immer höher qualifizierten Abschluss anstreben“, betont er.

Heute braucht man das Abitur für eine Bankaufmann-Ausbildung

Er habe 1986 sein Abitur gemacht, und da hätte man noch eine Bankkaufmann-Ausbildung mit dem Realschulabschluss beginnen können. „Das ist heute nicht mehr möglich“, sagt er. „Heute brauchen die Kinder mindestens das Abitur, wenn nicht sogar einen Bachelor-Abschluss.“ Und 1995 waren 36,4 Prozent studienberechtigt, heute seien es nahezu 50 Prozent. „Der Trend ist, dass die Eltern eine möglichst gute Bildung für ihr Kind suchen“, betont er. Das sei extrem wichtig und auch richtig. Die Gesamtschule habe mehr Flexibilität als eine Realschule. „Wichtig für Wermelskirchen ist es auch, die Schullandschaft in den Nachbarstädten zu sehen´“, sagt Armin Himmelrath. Und da hätten sich die Gesamtschulen etabliert. Wuppertal bekäme jetzt sogar seine siebte Gesamtschule.

Jochen Bilstein (SPD) zitiert aus dem Gutachten des Büros Beregio, das die Stadt Wermelskirchen in Auftrag gegeben hatte: „Um alle Begabungsspektren zu bedienen und eine Ausgewogenheit der Angebote in der Region zu behalten, sollte die Stadt Wermelskirchen versuchen, für die Zukunft eine Gesamtschule neben dem Gymnasium zu etablieren.“ Die Sekundarschule sei verbrannt für Wermelskirchen. Und die Etablierung einer Realschule sei ein Rückschritt. „Ich finde, dass die Kinder beziehungsweise deren Eltern so spät wie möglich, eine Entscheidung bezüglich des Schulabschlusses treffen sollen“, sagt Jochen Bilstein. Stefan Janosi, Sprecher der Grünen, betont: „Wir sehen das Beregio-Gutachten als Chance, die Gesamtschule endlich zu etablieren. Das dreistufige Schulsystem ist nicht mehr zukunftsfähig. Wir müssen den Wermelskirchenern eine attraktive Schullandschaft bieten, die alle Kinder einbezieht und keine Gruppe von Kindern abschiebt.“ Es sei ein unglaublicher Gedanke, die schwächsten Kinder aus Wermelskirchen rauszuschicken.

FDP-Sprecher Marco Frommenkord betont: „Wir müssen schauen, das wir für die Zukunft alles richtig machen. Deshalb haben wir auch die Eltern der 1. und 2. Klassen befragt, weil ihre Kinder später über die Schulform nachdenken werden. Wir müssen allen Eltern in Wermelskirchen ein attraktives Schulangebot machen.“ Es werde ein lohnender Kraftakt sein, eine Gesamtschule in Wermelskirchen neu zu präsentieren.

Was viele Eltern nicht wüssten, die sich eine Realschule vorstellen. Der Betreuungsschlüssel und die Grundausstattung an einer Gesamtschule sei heute ein viel besserer als der an einer Realschule. Auch das wüssten viele Eltern nicht.

Für alle Schulformen gelte, dass sie so gut sind wie die Schulleitung und die Lehrer. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Lehrer der Sekundarschule in Wermelskirchen bleiben, wenn daraus eine Gesamtschule entwickelt wird“, sagt Armin Himmelrath. „Wenn es aber eine Realschule wird, suchen sie sich andere Stellen in den Nachbarstädten.“ Denn auch das müsse berücksichtigt werden. Bis 2030 würde es – außer an Gymnasien – einen Lehrermangel geben.

Nach allen Abwägungen ist eine Gesamtschule die richtige

„Deshalb brauchen wir eine zukunftsorientierte Schulform“, betont Marco Frommenkord (FDP). „Und das kann, wenn man alles abwägt, nur eine Gesamtschule sein.“ Bleibt für alle, auf den 24. Februar zu hoffen.

Hintergrund

Gesamtschule: Die Gesamtschule nimmt Kinder auf, die dort den Haupt-, den Realschulabschluss oder das Abitur machen können. So haben auch Spätentwickler eine Chance.

Beginn: Bis November 2022 kann Wermelskirchen in Düsseldorf einen Antrag stellen, um eine Gesamtschule genehmigt zu bekommen. Der Schulbeginn für die Klassen 5 könnte dann ab dem Schuljahr 2023/2024 sein.

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