Krise

Spatzenhof schließt bis März seine Türen

Die Haupteinnahmequelle des Spatzenhofs in Süppelbach sind große Feste, zum Beispiel Hochzeiten. Archivfoto: Roland Keusch
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Die Haupteinnahmequelle des Spatzenhofs in Süppelbach sind große Feste, zum Beispiel Hochzeiten.

Dehoga-Sprecher: Neuer Lockdown trifft die gesamte Branche empfindlich.

Von Anja Carolina Siebel

Der Betreiber des Spatzenhofs, Wolfgang Schmitz-Heinen, sitzt gerade in einer Videoschalte des bundesweiten Hotelkongresses, als er am Mittwochvormittag ans Telefon geht. Es ist gerade Pause. Das, was er bis dahin von den Hotelier-Kollegen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erfahren hat, klingt düster. Sehr düster. Die Corona-Pandemie mit ihren Auswirkungen zwingt vor allem die Veranstaltungs- und Eventbranche in die Knie.

Vor diesem Hintergrund überrascht Schmitz-Heinens Entscheidung, den Spatzenhof in Süppelbach betreffend, nicht: „Wir haben seit dem 19. Oktober komplett geschlossen. Und werden auch frühestens im März wieder öffnen“, sagt er. Eine Bandansage weist bereits Gäste auf diese Schließung hin.

Und auch auf der Internetseite des Hauses verbleibt das Team „bis wir uns gesund wiedersehen“. Die Mitarbeiter um Teamchef Ronny Kabai sind in 100-prozentiger Kurzarbeit. „Wir werden wieder öffnen“, versichert Schmitz-Heinen. „Aber zurzeit ist ein Betrieb für uns einfach nicht wirtschaftlich.“

Während der vergangenen Monate habe er die Mitarbeiter noch komplett beschäftigen können. „Zur Not mit Renovierungsarbeiten; wir haben den Laden einmal komplett durchrenoviert“, berichtet der Chef. „Aber unsere Haupteinnahmequelle im Spatzenhof sind nun einmal größere Feste, zum Beispiel Hochzeiten.“ Eine größere Hochzeit mit 150 Personen an Silvester sei bereits angemeldet gewesen. „Aber wir wissen ja gar nicht, wie bis dahin die Situation ist – und nur für diese eine Hochzeit können wir ja nicht den gesamten Betrieb aufrecht erhalten.“

Schmitz-Heinen selbst ist Investor mehrerer großer Projekte, unter anderem entwickelt er gerade die Telegrafenpassage, in der auch eine Dependance des Spatzenhofes entstehen soll. Ihn wird ein neuerlicher Lockdown nicht existenziell treffen. Er weiß aber um die Not der Kollegen in der Branche: „Da ist viel Verzweiflung.“

Diese Einschätzung teilt Thorsten Hellwig, Sprecher des auch für den Kreis zuständigen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Nordrhein-Westfalen. „Die Stimmung in der Branche ist verheerend“, zeichnet er ein düsteres Bild. Experten würden davon ausgehen, dass etwa ein Drittel der gastronomischen und Hotelbetriebe die Krise nicht überleben und früher oder später Insolvenz anmelden würden. „Es ist zum einen natürlich die betriebswirtschaftliche Not“, beschreibt er das Dilemma.

Bis zu 50 Prozent Umsatzeinbußen mussten Gastronomen hinnehmen

„Es ist aber auch die Verzweiflung, die Sorgen und Ängste der Kollegen.“ Es gebe wenige Branchen, die in der Krise so viel investiert hätten, um das, was von ihnen erwartet wurde, zu leisten. Da seien Luftfilter und Acrylglasscheiben angeschafft und Konzepte entwickelt worden, um die Sicherheit der Gäste in den Lokalen so gut wie möglich zu gewährleisten. Hellwig: „Das Ergebnis war, dass es kein erhöhtes Infektionsrisiko in den Gasträumen gab.“ Das habe sogar das Robert-Koch-Institut immer wieder bestätigt. „Aber die Politiker wollen trotzdem die Gaststätten schließen“, sagt Hellwig. Sein Unverständnis gilt auch den Beherbergungsverboten und der Skepsis gegenüber den Übernachtungen in Hotels. „Auch dort gibt es ja kein nachgewiesen hohes Risiko.“

Bis zu 50 Prozent Umsatzeinbußen hätten die Hotel- und Gaststättenbetriebe im Schnitt in den Monaten der Krise hinnehmen müssen. Vor allem deshalb, weil sie wegen der Abstandsregeln etwa 40 Prozent Platzverlust hatten.

„Nordrhein-Westfalen verfügte bisher über eine sehr abwechslungsreiche Landschaft an Gastronomiebetrieben“, unterstreicht Thorsten Hellwig. „Das zeichnete unsere Region positiv aus und war stadtbildprägend. Wenn es demnächst vermehrt Insolvenzen und Betriebsschließungen gibt, wird uns das alle extrem hart treffen. Vor allem, weil eine Kneipe oder ein Restaurant so schnell niemand mehr übernimmt. Dicht ist dann dicht.“

Standpunkt: Harter Tobak

Von Anja Carolina Siebel

Das Bild, das Thorsten Hellwig vom Hotel- und Gaststättenverband zeichnet, ist komplett düster. Denn bei allem Verständnis für die derzeitige Infektionslage in der Pandemie und den daraus folgenden Entscheidungen:

anja.siebel@rga-online.de

Die Gastronomen, die Veranstaltungs- und Eventbranche, alle sie treffen die Konsequenzen knüppelhart. Und am Ende wird es auch die Gemeinschaft sein, die darunter zu leiden hat. Denn schon jetzt scheint festzustehen: Das farbenfrohe und abwechslungsreiche Bild einer gastronomischen Landschaft, das wir auch in unserer bergischen Region bisher kannten, wird es so in Zukunft nicht mehr geben. 

Wenn tatsächlich mit einem Drittel Restaurantschließungen zu rechnen ist, ist das ganz schön harter Tobak – für alle. Es ist fraglich, ob sich das Gros mit Bestellungen außer Haus durch die harten Herbst- und Wintermonate kämpfen kann und ob es auch genug Menschen geben wird, die diese Angebote annehmen. Zu wünschen wäre es. Denn eine Welt ohne eine florierende gastronomische Landschaft ist eine sehr traurige. Die sich so schnell dann auch nicht mehr wandeln wird.

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