So werden Hunde zu Begleitern von Erkrankten

Das Karussell ist eine tutende Herausforderung: Susanne Heynen (r.) mit Pauline (fast 11) beim Training auf der Alleestraße. Heute sind Dr. Sandra und Dr. Martin Hertz-Eichenrode mit Mira (1) dabei. Sie soll ein Praxishund werden. Ihre Besitzer führen eine Frauenarztpraxis in der Dünkeloh-Klinik. Foto: Roland Keusch
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Das Karussell ist eine tutende Herausforderung: Susanne Heynen (r.) mit Pauline (fast 11) beim Training auf der Alleestraße. Heute sind Dr. Sandra und Dr. Martin Hertz-Eichenrode mit Mira (1) dabei. Sie soll ein Praxishund werden. Ihre Besitzer führen eine Frauenarztpraxis in der Dünkeloh-Klinik.

Susanne Heynen bildet Mensch-Vierbeiner-Teams aus – Tiere streicheln die Seele von vielen Demenzpatienten

Von Melissa Wienzek

Der Gang über die Alleestraße in Remscheid fordert von Hunden in der Ausbildung an diesem Tag im Dezember alles ab: Marktstände werden abgebaut, Lkw fahren vor, die Polizei patrouilliert, Kinder turnen um Poller, und dann auch noch das tutende Karussell – komplette Reizüberflutung. Vor allem für Mira. Der einjährige Mischlingshund kommt aus dem Tierschutz aus Bosnien – und ist noch etwas ängstlich. Beim Training auf der belebten Alleestraße soll die niedliche Hündin alle Geräusche, Gerüche und Bewegungen kennenlernen – damit sie für ihren weiteren Alltag gerüstet ist. Denn Mira soll ein festes Praxismitglied werden: Ihre Besitzer Dr. Sandra und Dr. Martin Hertz-Eichenrode führen eine Frauenarztpraxis in der Dünkeloh-Klinik. Auch einige Frauen, die sich einer Chemotherapie unterziehen, kommen dort vorbei. „Sowohl die Mitarbeiterinnen als auch die Patientinnen sind ganz begeistert von Mira“, sagt Dr. Sandra Hertz-Eichenrode. Dort ist sie bereits immer mal wieder mit von der Partie. Kein Wunder: Mira ist eine ganz Liebe, nur kann sie noch nicht so gut mit anderen Hunden oder ungewohnten Situationen.

Ihr diese Angst zu nehmen, aber ohne Stress, dafür sorgen Susanne Heynen und Pauline (11). Die Leiterin der Selbsthilfegruppe „Hör mir zu!“ für Angehörige und Betroffene von Demenz bildet ehrenamtlich Hunde und Menschen aus. Denn eigentlich ist Susanne Heynen Hundetrainerin. Ihren Hauptjob hängte sie damals an den Nagel, um sich um ihren Mann zu kümmern, der selbst an Demenz erkrankt ist. Ihre drei Hunde Pauline, Barney und Elektra halten ihren Mann nicht nur äußerlich fit, sondern auch innerlich. Außerdem streicheln die Hunde die Seele – gerade von vielen Erkrankten.

Und diese Hunde bildet Susanne Heynen aus:

Besuchshunde: Sie lernen Treppen steigen, Aufzug fahren im Allee-Center oder Rollatoren kennen: Diese Hunde kommen meist in der Tagespflege oder im Pflegeheim zum Einsatz. So auch Pauline. Sie begleitet ihr Herrchen in die Tagespflege. „Dort bewegen sich die Menschen anders, es riecht anders“, erklärt die Hundetrainerin. Wenn Patienten etwas auf den Boden lassen, müsse der Hund lernen, dass er nicht einfach alles aufschnappen darf. Zudem müssen sich Hund und Mensch langsam einspielen – dabei hilft Susanne Heynen dem Duo. Auch in Pflegeeinrichtungen für Kinder kommen die Besuchshunde zum Einsatz. „Hier müssen sie lernen, im Bett oder in der Trage mit dem Kind ruhig zu bleiben.“ Der tierische Begleiter sorge so nicht nur für Beruhigung, sondern sei auch ein flauschiger Kuschelpartner. Begleithunde: Auch Erkrankte, die am Rollator gehen oder im Rollstuhl sitzen, könnten mit etwas Training ihren Hund behalten, sagt Susanne Heynen. Damit vermeide man zudem, dass ein Tier im Tierheim lande.

Übrigens: In der Bären-Apotheke an der Alleestraße berät die Pharmazeutisch-Technische Angestellte Veronika Jörgens speziell zu Medikamenten und Therapien für Hunde. Vierbeiner sind hier immer gerngesehen.

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