Archiv

So viel Wissen steckt in Adressbüchern

Tina Lötzel bei der Digitalisierungs-Arbeit am neuen Scanner des Stadtarchivs.
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Tina Lötzel bei der Digitalisierungs-Arbeit am neuen Scanner des Stadtarchivs.

Stadtarchivarin Tina Nötzel digitalisiert Tausende von historischen Dokumenten.

Von Arnd Janssen

Wermelskirchen. Digitalisierung ist manchmal ein zäher Prozess, der viele kleine Schritte erfordert. Das ist auch im Archivwesen nicht anders, wo etliche historische Stücke bereits digitalisiert sind, während zahlreiche Dokumente in Archiv-Kellern noch ihrer Weiterverarbeitung harren. Und hier kommt die Stadtarchivarin Tina Nötzel ins Spiel, die, im Rahmen eines Digitalisierungsprojekts des Deutschen Bibliotheksverbandes (dbv), derzeit etliche Adressbücher und Personenstandsregister aus der analogen Welt in eine digitale Zukunft überführt.

„Wir haben einen neuen Scanner, der vom Förderprogramm ‚Wissenswandel‘ bezuschusst wurde. Das ermöglicht, flexibler mit verschiedenen Gegenständen und Formaten zu arbeiten“, sagt die Dabringhausenerin. Das 18 000 Euro teure Gerät wurde zum größten Teil aus Bundesmitteln des Projekts des dbv finanziert, das den Ausbau digitaler Angebote in Bibliothek und Archiven ermöglichen soll.

Bislang 12.000 Dateien aus 143 Büchern

Seit es Mitte des Jahres angeschafft wurde, ist Nötzel nicht mehr gezwungen, Dokumente umständlich mit der Kamera abzufotografieren. Der neue Scanner kommt mit zwei großen Tageslichtleuchten und liefert verlässliche Scans. Mit einer Software kann Tina Nötzel sie dann kategorisieren und auf einem Laufwerk abspeichern. Papier, aber auch Dias und Fotos können so verhältnismäßig mühelos für die Nachwelt aufbewahrt werden.

Digitalisiert werden zurzeit gezielt historische Adressbücher und Personenstandsregister. „Sie sind eine wunderbare Quelle für die Forschung, besonders für die Ahnen- und Familienforschung, daher hatten diese für mich eine hohe Priorität in der Digitalisierung“, sagt Nötzel.

Insgesamt hat sie so bisher 12 000 Dateien erstellt, gewonnen aus 143 Büchern. In Kleinstarbeit, denn immer noch muss jede Seite einzeln gescannt werden. Auch datenschutzrechtlich müssen lange Fristen eingehalten werden, bevor Personenstandsregister der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. 110 Jahre sind es bei Geburts-, 80 Jahre bei Heirats- und 30 bei Sterbeurkunden.

Adressbücher wiederum verraten eine Menge über die damalige Gesellschaft, sagt Nötzel: „Sie geben wieder, was den Menschen zeitgeschichtlich wichtig war.“ Das älteste Buch der städtischen Sammlung, ein Exemplar von 1901 erhält viele farblich abgesetzte Anzeigen von Gaststätten oder Behörden. Beinahe kurios aus heutiger Sicht: Eine Werbung versucht, die hygienischen und medizinischen Vorzüge von Mundwasser darzustellen. Natürlich gibt es auch eine sehr detailreiche Auflistung von Daten: „Es wurde versucht, jeden Bürger abzubilden, einmal alphabetisch nach Namen und einmal nach Straßen sortiert. Man kann also gut Personen und ihre Geburtsdaten finden“, sagt Nötzel. Im Vergleich dazu seien Telefonbücher aus den 70er Jahren schon weniger umfangreich, da neu aufkommende Medien den Detailreichtum nicht mehr notwendig machten. Doch auch in diesen Büchern findet man immer auch wieder geschichtliche Texte und Fotografien, in neueren Telefonbüchern kaum noch üblich.

Nach 1989 gibt es keine neueren Bücher mehr im städtischen Bestand: „Danach fand keine Sammlung mehr statt. Sie bildet mit der Zeit zwischen 1930 und 1961 die größte Lücke der Sammlung“, sagt Nötzel, die sich durch die Mithilfe von Bürgern erhofft, die ein oder andere Lücke noch schließen zu können. Mal ein halbes, mal bis zu elf Bücher digitalisiert Nötzel täglich, die Adressbücher sind fertig, es verbleiben noch einige Personenstandsregister.

Die Daten helfen vielen Bürgern, die etwas über die Geschichte ihrer Familie, oder mehr über ihr Wohnhaus oder etwa die Gewerbe in ihrer Straße erfahren möchten. Näheres darüber, wie Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus gelebt haben, stößt immer auf Interesse. Anfragen kommen auch aus dem Ausland. Der Bergische Geschichtsverein profitiert ebenfalls von der Arbeit der Archive.

Wer kann helfen?

Wer noch alte Telefonbücher und Personenstandsregister hat, kann sich ans Archiv wenden. Besonders Dokumente von vor 1950 sind gerne gesehen. Das Archiv ist erreichbar per E-Mail an: T.Noetzel@wermelskirchen.de

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