So schützt die Humuswerkstatt ihre Beete vor Schnecken

Lukas Worth ist einer der Gründer des Betriebs. Die gehäckselte Baumrinde soll den Schnecken den Weg in das Beet erschweren. Fotos: Marei Vittinghoff
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Lukas Worth ist einer der Gründer des Betriebs. Die gehäckselte Baumrinde soll den Schnecken den Weg in das Beet erschweren.

Der feuchte Sommer macht grüne Oasen für die Weichtiere zum Paradies

Von Marei Vittinghoff

Aus ihrem Schnabel tropft noch ein bisschen Schleim. Eine der vier Laufenten auf dem Gelände der Humuswerkstatt in Dabringhausen-Bremen hat wieder einmal zugeschnappt. Jetzt hängt ein letzter klebriger Faden an ihrem Kopf und flattert hartnäckig mit jedem Schritt in der Luft herum. Es gab Schnecken zu Mittag. Wie immer. Denn auf dem mit einem mobilen Maschendrahtzaun abgesperrten Bereich vor den Salatbeeten ist alles voll davon.

„Feuchte Sommer wie dieser sind immer sehr anspruchsvoll für den Garten. Im letzten Jahr hatten wir eigentlich kaum Schnecken hier. Aber dieses Jahr ist das Problem riesig“, sagt Lukas Worth. Er trägt ein schwarzes T-Shirt und eine grüne Latzhose und beobachtet die Laufenten, die mit einer Anmut zwischen den Beerensträuchern und Gräsern hin- und herlaufen, dass man ihre Bewegungen am besten mit dem Wort „stolzieren“ beschreibt.

Die Hälse sind gestreckt, die Augen wach, der Gang nach vorne gerichtet. Worth, der gemeinsam mit Marius Frey den kleinen Gemüsebetrieb in Bremen leitet, bückt sich und hebt mit seinen Fingern eine Schnecke auf, die sich genau auf dem Stück Wiese vor ihm versteckt hat. Als er sie über das Gehege der Laufenten wirft, wird aus dem Stolzieren innerhalb weniger Sekunden eine Jagd.

Wer von den Tieren bis zuletzt noch gemütlich im Schatten lag, watschelt jetzt so schnell es die Füße erlauben durch die pralle Sonne. Jede Ente will schließlich die eine sein, die sich die Schnecke schnappt. Lange bleibt das Tier darum nicht im Gras liegen. Schnecke gegen Schnabel – da ist der Sieger schon von vornherein klar. „Die können wirklich jede Menge vertilgen. Wenn wir die Enten irgendwo hinlassen, dann ist danach erst einmal aufgeräumt“, sagt Worth.

„Das Allheilmittel gegen Schnecken, das gibt es eigentlich nicht.“

Lukas Worth

Seit dem vergangenen Herbst leben die vier Laufenten, die bisher noch namenlos geblieben sind, auf dem Gelände der Humuswerkstatt. „Wir hatten Lust, unseren Hof mit Kleintieren zu beleben, weil normalerweise auch immer viele Kinder zu uns kommen und sie etwas zum Gucken haben sollten. Und jetzt ist es auch für uns ganz schön, weil wir immer, wenn wir hier morgens ankommen, von ihnen begrüßt werden“, sagt Worth. Die Enten seien außerdem besonders pflegeleicht – vom Frühling bis zum Herbst müsse man sie eigentlich kaum füttern. Ihre Nahrung fänden sie in dieser Zeit nämlich ganz allein auf dem Grundstück. In Form von Gras. Und von Schnecken natürlich.

Für Lukas Worth und Marius Frey sind die Laufenten also eine große Hilfe beim Gärtnern. Denn was passiert, wenn zu viele Schnecken auf einmal auf ihren Feldern unterwegs sind, das zeigt sich bereits an so manch einem Salatkopf. Kleine Löcher befinden sich in ein paar Blättern, hineingefressen meist über Nacht. Etwa ein Fünftel der gepflanzten Jungpflanzen seien bereits ganz aufgefressen worden, schätzt Worth.

Zwei Helferinnen mit blonden Haaren und kleinen Schaufeln in den Händen sind darum gerade damit dabei, neue Salate in das Beet zu setzen. Immer ein paar Jungpflanzen mehr anziehen – eine weitere Strategie der Humuswerkstatt, um am Ende der Saison trotz Schnecken genügend Ernte zu haben. Um die 40 verschiedene Gemüsesorten werden auf dem Grundstück in Bremen angebaut – auf einer Anbaufläche von 2500 Quadratmetern. Um möglichst viele von ihnen schützen zu können, nutzt das Team einen mobilen Zaun, mit dem immer neue Bereiche abgesteckt werden können, die die Laufenten dann tagsüber durchsuchen. „Da die Tiere immer als Gruppe zusammenlaufen, können wir sie ganz gut dort hinschicken, wo wir sie brauchen“, sagt Worth. In der Nacht geht es für die Enten dann in ihr festes Gehege, mit eigener Badewanne und Holzunterstand.

Mit den Laufenten allein kommt aber auch die Humuswerkstatt nicht gegen die Schnecken an. Tägliches Einsammeln. Rindenmulch an den Beeträndern. Eine möglichst große Entfernung der Blätter zum Boden. Und ein Beet, auf dem sich so wenig wie möglich abgestorbene Pflanzenteile finden – all diese Dinge gehören zu den Strategien, die sich für Worth und Frey mittlerweile bewährt haben. Mit den Schnecken abfinden müssen sie sich trotzdem irgendwie. Denn: „Das Allheilmittel gegen Schnecken, das gibt es eigentlich nicht“, sagt Worth.

Das hilft gegen die Salatfresser

Pflanzen vermeiden: Wer Schnecken möglichst aus dem eigenen Garten fernhalten möchte, kann bereits bei der Gestaltung der Beete darauf achten, auf bestimmte Pflanzen zu verzichten. Besonders beliebt sind zum Beispiel Dahlien, die Tagetes, Funkien, Astern und Petunien. Und beim Gemüse natürlich Salat.

Alternativen wählen: Eher unbeliebt sind dagegen zum Beispiel Storchschnäbel, Thymian, Rosmarin, Lavendel, Frauenmantel und Nelkenwurzen.

Absammeln: Mit der Suche nach den Schnecken sollte möglichst schon im Frühjahr begonnen werden. Die beste Zeit zum Sammeln ist entweder früh morgens oder abends. Wichtig: Die Schnecken auf jeden Fall mehr als 30 Meter weit wegtragen, sonst finden sie ihren Weg zurück in den Garten. Und, so viel Rücksicht sollte sein, die Tiere natürlich nicht einfach auf dem Grundstück der Nachbarn aussetzen.

Rindenmulch: Die gehäckselte Baumrinde soll den Schnecken den Weg in das Beet erschweren. Allerdings: Wird die Rinde nass, bietet sie für die Schnecken wieder einen feuchten Platz.

Schneckenzaun: Eine Absperrung, die in die Erde hineingebaut wird und über das Beet ragt, soll die Tiere beim Eindringen hindern. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass keine Blätter über den Zaun ragen, welche die Schnecken zum Hochklettern benutzen könnten.

Kupferbänder: Schnecken mögen kein Kupfer, denn wenn sie darüber kriechen, kommt es zu einer chemischen Reaktion mit ihrer Bauchseite.

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