So bekommt jeder sein Leben selbst in den Griff

Dörte Maack (53) ist Moderatorin, Rednerin und Mutter von zwei Kindern.Foto: Specherhaus
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Dörte Maack (53) ist Moderatorin, Rednerin und Mutter von zwei Kindern.Foto: Specherhaus

Dörte Maack ist am 26. Oktober beim Bergischen Wissensforum zu Gast – Die blinde Rednerin erklärt, wie Widerstandsfähigkeit gelingt

Das Gespräch führte Melissa Wienzek

Frau Maack, Ihr Thema beim Bergischen Wissensforum ist die Selbstbestimmung. Das ist gar nicht so einfach, zumal das Leben auch immer wieder Rückschläge mit sich bringt. Wie gelingt es mir, dennoch ein selbstbestimmtes Leben zu führen?

Dörte Maack: Sie sagen es: Das Leben ist nicht so nach dem Motto „Hier bin ich und ich weiß genau, was ich will und bestimme alles selber“, sondern es hat seine Höhen und Tiefen. Doch genau dann wird es spannend – wenn wir eben nicht Herr der Lage sind.

Wie sind Sie selbst an diesem Thema gewachsen?

Maack: Ich bin auf dieses Thema gekommen, weil ich selbst betroffen bin. Ich bin durch eine unheilbare Augenkrankheit erblindet – was ein enormes Risiko birgt, in eine Abhängigkeit zu geraten, so dass die Dinge plötzlich für mich vorbestimmt sind und jemand anderes für mich entscheidet. Es ist zunächst schwer, sich selbst zu sagen: Es ist jetzt so, das kann ich nicht ändern. Aber: Alles, was ich selbst bestimmen kann, gerade jetzt, nehme ich nun selbst in die Hand. Letztlich stellt sich die Frage „Wer bestimmt hier eigentlich?“ ja genau dann, in Krisenzeiten, sonst sprechen wir im Alltag gar nicht über Selbstbestimmung.

Denken Sie, dass jeder Mensch das Ziel, das er sich setzt, auch erreichen kann?

Maack: Das kommt auf die Person und das Ziel an. Aber ich finde es enorm wichtig, Ziele und vor allem Träume zu haben, um die Richtung zu kennen. Ob man genau dort landet oder daneben oder davor, ist gar nicht so wichtig. Aber man erkennt: Das ist der Weg, den ich gehen möchte. Denn das gibt uns die Chance, zu erkennen: Wenn sich eine Tür öffnet, gehe ich hindurch oder nicht? Das Ziel ist also vielmehr ein Fixstern, der die grobe Richtung vorgibt.

„Hinfallen, Krone richten, aufstehen, weitermachen“, heißt es so schön auf Postkarten. Wie gelingt mir diese Resilienz, also diese Widerstandsfähigkeit?

Maack: Zum einen gelingt sie, wenn wir nicht denken, dass es sofort passieren muss. Dieser Spruch ist zwar schön, aber wenn es richtig hart kommt, ist es erst mal nicht so einfach, die Krise auch zu akzeptieren. Ich gehe dann erst mal durch das Tal der Tränen und weiß auch erst mal nicht, wie ich dort wieder rauskomme – aber genau das gehört dazu. Resilienz gelingt dann, wenn wir eine gute Beziehung zu uns selbst haben, wenn wir Selbstwertgefühl haben – und zwar gerade dann, wenn es nicht so läuft, wie wir es uns gewünscht haben. Wichtig sind zudem gute Beziehungen zu anderen Menschen. Und im Leben generell einen Sinn zu sehen.

Und wenn ich nun doch in eine Krise gerate – was hilft mir dann in dem Moment? Haben Sie einen Tipp parat?

Maack: Wir brauchen dafür andere Menschen. Viele stellen sich oft die Frage: Was mache ich mit jemanden, der gerade unten ist oder auf dem Weg dorthin ist? Wir haben ja immer das Gefühl, wir müssen es richten, ihm helfen. Und das ist auch richtig so. In solch einer Phase hilft es, da zu sein, zuzuhören, helfen kleine Gesten. Das ist alles – aber das ist verdammt viel.

„Wir haben in Deutschland nicht die stärkste Kraft für Mut.“

Sie sagen: Jeder sollte Verantwortung für sein eigenes Leben übernehmen. Wie können Eltern ihre Kinder vor allem im jugendlichen Alter davon überzeugen?

Maack: Es gibt diesen schönen Spruch „Wir können unsere Kinder nicht erziehen, sie machen uns eh alles nach“. Ich denke also, wenn Kinder sehen, dass Eltern ihr Leben selbst in die Hand nehmen und Verantwortung übernehmen, dann übernehmen Kinder das auch.

Was zählt zu dieser Verantwortung?

Maack: Zu verstehen: Ich habe nicht alles im Griff. Es passieren Dinge, die können mir und genauso jedem anderen passieren. Ich entscheide nicht über die äußeren Umstände. Aber ich habe es im Griff, es ist meine Entscheidung, wie ich darauf reagiere.

Entscheiden bedeutet Mut. Was würden Sie sagen: Ist uns der Mut heutzutage aberzogen worden?

Maack: Ich würde insgesamt sagen, dass wir in Deutschland nicht die stärkste Kraft für Mut haben. Meine Tochter ist gerade im Auslandsjahr. Im Ausland wird viel stärker ermutigt als bei uns, finde ich. Wie oft hören wir hier: „Das geht nicht, und das geht auch nicht“. Da sind wir groß drin. Man macht sich auch nicht immer beliebt, wenn man mutig ist. Aber das kann es – je nach Situation – wert sein.

In Stellenbeschreibungen heißt es oft: „Wir suchen einen Mitarbeiter, der anpassungsfähig ist.“ Ist jemand, der das nicht ist oder nicht will, auch nicht erfolgreich?

Maack: Das ist eine interessante Frage. Ich arbeite viel mit Führungskräften und Teams und nehme dort zumindest einen Wandel wahr. Führungskräfte sagen immer öfter: „Ich möchte nicht nur Ja-Sager, sondern ein heterogenes Team. Mitarbeiter, die konstruktiv Kritik über oder andere Vorschläge einbringen.“ Ich glaube, da tut sich was. Aber natürlich möchte auch niemand einen Angestellten haben, der nur auf Krawall gebürstet ist (lacht).

Widerstandsfähigkeit ist eine Eigenschaft, die auch im Privatleben eine Rolle spielt. Wie setze ich mich zum Beispiel gegen flapsige Sprüche von Familienmitgliedern oder das trotzige Teeniekind durch?

Maack: Nicht persönlich nehmen, nicht beleidigt sein und klare Grenzen ziehen. Gerade bei Teenagern muss man sich sagen: Das hat nichts mit mir zu tun, sie müssen sich abgrenzen, und das tun sie immer. Ansonsten hilft eine klare Ansage: bis hier hin und nicht weiter.

Auf was können sich die Gäste bei Ihrem Vortrag am 26. Oktober einstellen?

Maack: Es wird lebendig und lustig. Auch wenn sich das viele nicht vorstellen können, wenn eine Frau darüber spricht, wie sie mit einer Erblindung klarkommt. Es wird humorvoll, persönlich, aber nicht privat. Ich glaube, die Menschen, die kommen, werden sich inspiriert und berührt fühlen.

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