Ladenlokal

Skater erfüllt sich einen Lebenstraum

Florian Selbach vor den vielen bunten Skateboards in seinem Regular Skateshop.
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Florian Selbach vor den vielen bunten Skateboards in seinem Regular Skateshop.

Der Regular Skateshop von Florian Selbach ist bereits das sechste geförderte Ladenlokal in der Stadt.

Von Peter Klohs

Im Ladenlokal Eich 54 ist Leben eingekehrt. Zum Teil recht buntes Leben. 70 Skateboards hängen an den Wänden, die Unterseiten der Boards sind zu sehen: Da tummeln sich quietschbunte Aliens, die direkt vom Mars stammen könnten, andere Fantasy-Wesen in unterschiedlichsten Formen und Farben, nur selten ist ein schlicht einfarbiges Board darunter. Kleine Preisschilder informieren über den Betrag, den die Interessierten für ein Board ihrer Wahl hinblättern müssten: so um die 70 Euro.

In einer Ecke des Ladengeschäftes stehen Grip-Tapes bereit, um den Skatern sicheren Halt auf dem Brett zu gewährleisten. Die Grip-Tapes, erklärt Florian Selbach, Inhaber des Regular Skateshop, sind eine Art von Schmirgelpapier. „Die werden auf der Oberseite der Boards angebracht, und weil sie so rau sind, haben die Skater alle einen exorbitanten Schuhverschleiß.“

Es ist kurz vor 11 Uhr am Freitagvormittag. In einer Stunde wird der Skatershop offiziell eröffnet. Zeit genug, etwas in die Tiefe der Szene einzudringen. Florian Selbach, 1990 in Wermelskirchen geboren, stand im Alter von sechs Jahren zum ersten Mal auf einem Skateboard. Schnell fand er Kontakt zur Szene im Bergischen. Zunächst, so der Skater, sei man in der Kattwinkelschen Fabrik gefahren, im großen Saal ebenda. „Da haben wir uns regelmäßig getroffen“, berichtet Selbach.

Aber irgendwann ging das nicht mehr, und die Szene zog zum Bahnhofsgelände, unweit des heutigen Aldi-Standortes. Zeitgleich wurde der Verein Rollrausch gegründet. „Aber später hat Aldi das Grundstück gekauft, und dann war von heute auf morgen nicht mehr viel los in unserem Sport. Jahrelang passierte nichts.“

Aber die Skater-Szene übte Druck auf die Stadt aus und mahnte einen Skatepark an. „Der damalige Bürgermeister Rainer Bleek hat den Skatepark dann auf den Weg gebracht“, erzählt der Jungunternehmer weiter. „Aber sicher ist: Ohne die Skaterszene gäbe es den Skaterpark nicht.“ Dieser wurde im vergangenem Jahr eröffnet, unweit des ehemaligen Standorts am Bahnhof, direkt an der Balkantrasse.

„Wenn ich den Winter überstanden habe, mache ich mir über den Sommer keinen Kopf mehr.“

Florian Selbach

„Der Park ist gut“, urteilt Selbach, „und kostenlos. Leider aber auch zweckentfremdet.“ Er beklagt das Zunehmen der Rollerfahrer auf dem Gelände. „Dabei heißt das Skatepark“, setzt er hinzu, „und nicht Rollerpark.“ Eine Verständigung mit der Roller-Szene sei, so der Skater, nicht immer einfach. Florian Selbach war Angestellter bei der Stadt Wermelskirchen, aber nicht mit dem Herzen dabei. „Und einen eigenen Laden zu gründen, ist halt der Traum von vielen Skatern“, sagt er. Da kam das Förderangebot der Stadt gerade recht.

Für die Stadt Wermelskirchen ist der Regular Skateshop bereits das sechste Ladenlokal, das im Rahmen des Förderprogramms „zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren in NRW“ zu günstigen Konditionen angemietet wurde. „Die Stadt mietet leerstehende Ladenlokale an“, berichtet Selbach, „und vermietet diese zu einem sehr geringen Mietsatz weiter. Die Differenz zwischen Miete und Mieteinnahmen finanziert die Stadt zu 90 Prozent mit Fördermitteln, den Rest trägt der städtische Haushalt.“

Florian Selbach hat sich bei der Stadt beworben und erhielt den Zuschlag zu seinem Skateshop. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt war völlig stressfrei und gut“, gibt er seine Erfahrungen wieder. Voraussetzung ist, so der Eigentümer, dass man gut in der Szene vernetzt sei.

„Wir kennen uns alle im Bergischen“, sagt er dazu. Und das Wissen, welche Hardware zu einem guten Skateboard passe, sei natürlich auch hilfreich. „Achsen, Rollen, Kugellager, Rip-Tapes – der Sport ist sehr individuell aufgestellt“, weiß er. „Manche lieben es bunt, andere eher schlicht, manche fahren gerne schmale Rollen, andere eher breitere.“ Für eine gute Komplettausrüstung, so der Skater, könne man 300 Euro veranschlagen. „Irgendwann muss man ja anfangen“, sagt er abschließend. „Und wenn ich den Winter überstanden habe, dann mache ich mir über den Sommer keinen Kopf mehr.“

Hintergrund

Der Regular Skatehop an der Eich 54 ist von Montag bis Samstag von 11.30 bis 19 Uhr geöffnet und bietet das breite Feld einer kompletten Skaterausstattung an. Wenn Florian Selbach kann, fährt er jeden Tag Skateboard, trotz seines 2017 erlittenen „Totalschadens“ im Knie. Im Winter geht es nach Lennep zur Funbox, sobald es die Temperaturen zulassen, wird der Skatepark in Wermelskirchen aufgesucht.

Das Sortiment in seinem Regular Skateshop wird nach und nach ausgeweitet.

Standpunkt von Susanne Koch: Möge Mut sich lohnen

susanne.koch@rga.de

Florian Selbach beweist Mut: Er hat sich mit seinem Skateboard-Handel einen Traum erfüllt. Möge sein Mut sich lohnen und er sein Geschäft jetzt so lange führen, wie er es möchte. Sehr hilfreich ist, dass er in seinen Anfangsjahren von der Stadt durch das Förderprogramm „zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren in NRW“ unterstützt wird. Er kann sich also in Ruhe einen Kundinnen- und Kundenkreis aufbauen, ohne direkt unter dem Druck zu stehen, die volle Miethöhe zahlen zu müssen.

Das ist für ihn, aber auch für die anderen fünf geförderten Unternehmen, ein Glücksfall. Und für die Stadt Wermelskirchen auch: Denn der Leerstand wird dadurch geringer, es gibt neue Impulse und Ideen. Das ist ein Förderprogramm, von dem alle Seiten profitieren: die Ladeninhaber, die Stadt und die Bürger. Bleibt nur, den Geschäftsinhabern zu wünschen, dass sie eines Tages in der Lage sind, ihr Geschäft ganz selbstständig zu führen.

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