Memoiren

Skandal-Buch kommt unterschiedlich an

Die Biografie von Prinz Harry sorgte schon vor dem Erscheinen für viel Wirbel. Und auch jetzt spaltet das provokante Buch die Leser und Käufer.
+
Die Biografie von Prinz Harry sorgte schon vor dem Erscheinen für viel Wirbel. Und auch jetzt spaltet das provokante Buch die Leser und Käufer.

Memoiren vom englischen Prinz Harry sind auch in Wermelskirchen ein Thema.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Wermelskirchen. Es gibt derzeit nicht viele andere Bücher, die mehr in aller Munde sind, als die Memoiren von Prinz Harry, „Reserve“ betitelt – im englischen Original heißt das Buch, das Harry durch den Ghostwriter und Schriftsteller John Joseph Moehringer hat verfassen lassen übrigens „Spare“. Es ist eines dieser Bücher, an denen man kaum vorbeikommt, selbst wenn einen das Thema praktisch gar nicht interessiert.

Die Erstveröffentlichung des Buches, das direkt in 16 Sprachen übersetzt worden ist, ist am 10. Januar gewesen. Wie es bei den „Royals“, dem britischen Königshaus, eigentlich sehr unüblich ist, behandelt das Buch viele Themen, die man durchaus als skandalös bezeichnen könnte. Was natürlich auch dafür sorgen dürfte, dass sich das Buch wie geschnitten Brot verkauft. Aber wie sieht das eigentlich in Wermelskirchen aus? Mit den Buchhandlungen Marabu und van Wahden gibt es zwei Geschäfte, in denen „Reserve“ verkauft wird, dazu kommt die Stadtbücherei, in der zumindest die Möglichkeit der Ausleihe besteht.

Büchereileiterin glaubt an kurzfristigen Hype

Gabriele van Wahden hatte sechs Exemplare am Markt. „Drei davon sind verkauft worden, aber nur eins an einen Kunden“, sagt die Inhaberin der Buchhandlung van Wahden. Die anderen beiden, so kurios das klingen mag, habe sie an eine andere Buchhandlung verkauft, die selbst keine Vorbestellungen getätigt habe. „Es herrscht also nicht gerade die riesige Nachfrage nach diesem Buch bei uns“, sagt sie.

Möglicherweise werde sich diese noch steigern, da ja nun doch eine gewisse Verknappung auf dem Markt spürbar sei. „Anderswo verkauft sich das Buch ja ganz offensichtlich sehr gut“, sagt Gabriel van Wahden. Sie selbst habe sechs Exemplare bestellen müssen, um am Veröffentlichungstag beliefert zu werden, sagt sie. „Ich werde es anbieten, weil ich nicht den Anspruch habe, den Menschen vorzuschreiben, was sie zu lesen haben“, sagt die Buchhändlerin.

Selbst werde sie „Reserve“ allerdings nicht lesen, wie sie schmunzelnd zugibt. „Ich lese lieber Bücher, die mich auch interessieren. Für die Geschichte aus dem Königshaus ist mir meine Lesezeit zu kostbar“, sagt sie. Sie bekomme die Gespräche im Geschäft natürlich mit. „Es wird darüber gesprochen, aber der Tenor in Wermelskirchen scheint zu sein, dass man sich die Frage stellt, ob so ein Buch mit der schmutzigen Wäsche, die darin ja gewaschen wird, wirklich sein muss“, sagt Gabriele van Wahden.

Sie selbst wolle aber gar nicht bewerten, ob das Buch nun gut oder schlecht, sinnvoll oder nicht sinnvoll, sei. „Es gibt offensichtlich viele Menschen, die es lesen wollen – ich gehöre aber nicht dazu“, sagt sie.

Ganz anders ist da die Situation in der Buchhandlung „Marabu“ an der Telegrafenstraße. Teamleiterin Barbara Busch sagt, dass der Prinz es nicht einmal ins Schaufenster geschafft habe, da die Exemplare, die man bestellt habe, innerhalb von zwei Tagen ausverkauft gewesen sei. „Wir hatten eine zweistellige Zahl bestellt, die waren direkt weg. Es ist bei uns auf jeden Fall ein Thema – und aktuell auch nicht im Laden. Allerdings rechnen wir praktisch jeden Tag damit, dass neue Exemplare geliefert werden“, sagt Barbara Busch.

Insofern hoffe sie natürlich auch damit, dass das Interesse an den Prinzen-Erinnerungen nicht abreiße. Ein wenig vergleichen könne man die Nachfrage nach „Reserve“ vielleicht mit dem Buch „Becoming“ von Michelle Obama. „Das hat sich ähnlich gut verkauft“, sagt Barbara Busch.

In der Stadtbücherei gibt es „Reserve“ noch nicht – Leiterin Kathrin Ludwig hat das Buch aber bereits bestellt. „Ich habe da erst einmal abgewartet, weil diese Themen erfahrungsgemäß keine besonders lange Halbwertszeit haben“, sagt sie. Da nun aber doch Anfragen von Kunden gekommen seien – „es wurde zweimal nachgefragt“, sagt Kathrin Ludwig –, habe sie das Buch bestellt. „Wir reagieren natürlich auf Kundenanfragen. Außerdem haben wir damit im Bereich der Biografien eine Neuanschaffung“, ergänzt die Büchereileiterin.

Allerdings glaube sie nicht, dass der Hype um die Prinzen-Memoiren noch sehr lange andauern werde. „Ich glaube, dass sich das relativ flott wieder legen wird“, sagt Kathrin Ludwig.

Buch

Verfasst wurde „Reserve“ von John Joseph Moerhinger, Schriftsteller aus den USA. In dem Buch geht es nicht zuletzt um das Innenleben des britischen Königshauses sowie Prinz Harrys Beziehungen zu seinem Vater König Charles III. und seinem älteren Bruder, dem jetzigen Thronfolger Prinz William.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Einhörner übernehmen für einen Tag die Kinderstadt
Einhörner übernehmen für einen Tag die Kinderstadt
Einhörner übernehmen für einen Tag die Kinderstadt
AfD-Politiker klagt über Vermüllung
AfD-Politiker klagt über Vermüllung
AfD-Politiker klagt über Vermüllung
Familienzentrum erhält Gütesiegel erneut
Familienzentrum erhält Gütesiegel erneut
Familienzentrum erhält Gütesiegel erneut

Kommentare