Jahreswende

Silvesternacht verläuft ungewöhnlich ruhig

Die Intensivstation im Wermelskirchener Krankenhaus ist derzeit zu Dreivierteln mit Covid-19-Patienten belegt. Foto: Roland Keusch
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Die Intensivstation im Wermelskirchener Krankenhaus ist derzeit zu Dreivierteln mit Covid-19-Patienten belegt.

Im Krankenhaus gibt es inzwischen gehäuft Corona-Patienten.

Von Anja Carolina Siebel

Ein generelles Feuerwerksverbot gab es im Rheinisch-Bergischen Kreis Silvester 2020 wie berichtet nicht. Gleichwohl durften Geschäfte zum Jahreswechsel wegen der Corona-Pandemie nicht wie sonst Feuerwerkskörper verkaufen. Dennoch knallte und blitzte es hier und da in der Stadt. Kurz: Ein kleines Feuerwerk von Privatleuten gab es an einigen Orten. In Dabringhausen erfreute ein Anwohner die Nachbarn sogar mit einer ganzen Lichtershow. Die sonst in der Silvesternacht dominante Knallerei wurde diesmal aber fast von den läutenden Kirchenglocken in der Innenstadt übertönt. Und ebbte dann um 0.15 Uhr auch schon wieder ab.

Entsprechend fallen die Bilanzen von Feuerwehr und Polizei für das ungewöhnliche Silvester 2020 aus. „Wir hatten nur etwa halb so viele Einsätze wie im Vorjahr“, bilanziert Polizeisprecher Christian Tholl. „Es war wirklich extrem ruhig.“ Und das kreisweit.

Im Zeitraum von 18 bis 6 Uhr am Neujahrsmorgen sei die Polizei zu insgesamt 47 Einsätzen ausgerückt. In den vergangenen Jahren lag die Einsatzzahl immer bei rund 90. Für Wermelskirchen melden die Einsatzkräfte fünf Einsätze, für Burscheid nur einen.

In der gesamten Nacht sei es lediglich zu einer Schlägerei gekommen (Bergisch Gladbach) und niemand musste die Nacht im Polizeigewahrsam verbringen. Den größten Anteil an den Einsätzen machten insgesamt 17 Ruhestörungen aus.

Auf der Balkantrasse, gegenüber Im Belten, hatte es sich gegen 3.20 Uhr auch noch eine Gruppe von drei Männern nicht nehmen lassen, lautstark zu feiern. Die drei alkoholisierten Wermelskirchener (27, 37 und 37 Jahre alt) seien uneinsichtig und aggressiv gewesen und hätten die herbeigerufenen Polizeibeamten unter anderem mit „Pussy“ und noch schlimmeren Beleidigungen angesprochen. Zwei von ihnen hätten sogar verbotenerweise die Polizisten beim Einsatz gefilmt. Die beschlagnahmten daraufhin die Mobiltelefone der Männer.

Gegen die drei wurden Platzverweise ausgesprochen und Anzeigen wegen Beleidigung, Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes und Verstoßes gegen die Coronaschutzverordnung geschrieben. Insgesamt wurden von der Polizei gegen 24 Personen im Kreis Anzeigen wegen Verstößen gegen die Verordnung geschrieben, wobei es sich zumeist um größere Personengruppen handelte.

Feuerwehr hatte keine Silvester-Einsätze

Größere Brände seien in der Nacht ausgeblieben. Das bestätigt Feuerwehrchef Holger Stubenrauch. „Tatsächlich hatten wir Silvester bedingt keinen Einsatz“, berichtet er auf Nachfrage. Es habe vereinzelt Rettungsfahrten gegeben. „Die hatten aber direkt nichts mit der Silvesternacht zu tun.“

Das war auch der Grund, warum dieses Silvester nahezu bundesweit keine Feuerwerkskörper verkauft worden waren: Man wollte die wegen Corona ohnehin vollen Kliniken nicht auch noch mit Opfern missglückter Silvesterknallereien belasten. Und das dankte wohl auch das Team des Wermelskirchener Krankenhauses. „Wir hatten in der Chirurgie eine ruhige Nacht“, sagt der internistische Oberarzt Dr. Michael Kellersohn. Es gehe aber ansonsten während der letzten Wochen turbulent in der Klinik an der Königstraße zu, und zwar wegen des Coronavirus: „Dreiviertel der Intensivpatienten werden wegen Covid-19 behandelt“, berichtet Kellersohn. „Und auch unsere Infektionsstation ist voll. Wir sind noch nicht am Limit, müssen auch gottlob nicht über Triage sprechen, aber wir haben einen großen logistischen Aufwand zu stemmen.“

Das Team habe aber die Sommermonate dazu genutzt, sich auf die Situation im Herbst und Winter vorzubereiten. Und Konzepte entwickelt, wie trotz des hohen Aufkommens Infizierter alle optimal versorgt werden können. „Mit einer Grippewelle der vergangenen Jahre“, betont Kellersohnindes. „kann man das allerdings keineswegs vergleichen. So viele schwere Krankheitsverläufe habe ich in 22 Jahren als Krankenhausmediziner nicht beobachtet.“ | Standpunkt

Rückblick

Vergangenes Jahr Silvester hatte die Polizei 90 Einsätze gemeldet. Und auch die Feuerwehr war mehrfach unterwegs in Wermelskirchen und Umgebung. Allein nach Wermelskirchen war die Polizei in der Silvesternacht 2019/20 zehn Mal ausgerückt und nach Burscheid drei Mal. Auch Wohnungseinbrüche hatte es dieses Jahr laut Polizei an Silvester nicht gegeben. Vermutlich, weil die meisten zuhause blieben.

Standpunkt: Es ist zu schaffen

Von Anja Carolina Siebel

Dramatisiert werden soll an dieser Stelle nichts. Schon gar nicht, nachdem wir alle in ein neues Jahr gestartet sind, auf das die Mehrheit hoffnungsfroh blickt. Ein bisschen mehr Freiheit, Freunde treffen, Kultur genießen, ein Saunabesuch, ein Essen im Restaurant, Sport im Studio, wieder mal reisen.

anja.siebel@rga-online.de

Jeder hat da wohl so seine kleinen Wünsche und weiß, was ihm oder ihr in den vergangenen Wochen am meisten gefehlt hat. Bis das möglich ist, wird es aber wohl noch ein bisschen dauern. Zumindest so lange, bis die Corona-Infektionszahlen wieder auf ein Minimum zurückgegangen sind. 

Und die Krankenhäuser weniger überlastet. Das sind sie nämlich zurzeit. Und wenn Dr. Michael Kellersohn sagt, dass er eine derartige Situation in 22 Jahren als Krankenhaus-Mediziner noch nicht erlebt hat und man die Folgen des Coronavirus „mit denen einer Grippe absolut nicht vergleichen“ könne, dann lässt das hoffentlich auch noch jene aufhorchen, die bis heute nicht daran glauben wollen, dass wir in einer besonderen Situation sind. Sie ist sicher zu bewältigen, aber dazu braucht es auch besondere Solidarität. Ein paar Monate zumindest noch. 

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