Pandemie

Der Silvesterhimmel bleibt dunkel

Melanie Moche darf ihre Raketen in diesem Jahr nicht verkaufen. Foto: Schmitz Pyrotechnik
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Melanie Moche darf ihre Raketen in diesem Jahr nicht verkaufen.

Pyrotechnikerin Melanie Moche blickt in eine ungewisse Zukunft.

Von Jennifer Preuß

Melanie Moche vermisst ihren Job. Seit knapp einem Jahr sind ihre Dienstleistungen nicht mehr gefragt. Es gibt einfach nichts zu feiern im Jahr 2020, das von der Corona-Pandemie gänzlich bestimmt wurde. Hochzeiten wurden auf unbestimmte Zeit verschoben, große Volksfeste fielen aus, die Kirmesbuden suchte man im Sommer vergeblich.

Das alles hat auch Melanie Moche zu spüren bekommen. Die Wermelskirchenerin ist die Fachfrau für Lichterglanz, Sternenflimmer, Goldregen und Lichterbilder am Firmament. Aufträge gab es in diesem Jahr kaum. Und dann zum Jahresende kam noch zusätzlich zu der misslichen Lage der große Schock: Als Bundesregierung und Ministerpräsidenten beschlossen, dass 2020 keine Feuerwerkskörper verkauft werden dürfen, warf das eine ganze Branche in eine tiefe Krise.

Melanie Moche verkauft sonst zum Jahresende in ihrem kleinen Geschäft immer Raketen in vielerlei Ausführungen. Auch ihr ist diese wichtige Einnahmequelle verboten worden. „Natürlich war ich schockiert. Die Sachen sind alle schon produziert und liegen auf Lager“, sagt die Pyrotechnikerin. „Man ordert das Feuerwerk für Silvester ja immer Anfang des Jahres.“ Ihr Lager ist prall gefüllt mit Feuerwerkskörpern. Der einzige Trost für sie ist, dass sie im kommenden Jahr keine Neuanschaffungen tätigen muss. Sie kann auf die eingelagerten Raketen zurückgreifen, sobald Feuerwerke zu Festen wieder gefragt sind.

Melanie Moche verkauft nicht nur Raketen, sie kreiert auch selbst Feuerwerkshows ganz nach den individuellen Wünschen ihrer Kunden. Zahlen und Herzen zu Geburtstagen und Hochzeiten in den Abendhimmel zu malen, ist für die 37-Jährige kein Problem. Das große Feuerwerk zum Abschluss der Wermelskirchener Kirmes hat sie in den vergangenen Jahren auch immer abgefeuert. Hinzu kamen noch etliche Schützen- und Sommerfeste im Bergischen Land, zu denen sie die bunte Knallerei beisteuerte.

Die Begeisterung für das Zischen und die Funken wurde Melanie Moche in die Wiege gelegt. Ihre Mutter Brigitte Moche führte vor ihr den Familienbetrieb Schmitz Pyrotechnik. Von ihr hat sie alles gelernt, was sie wissen musste. Mit 18 Jahren ist Melanie Moche in das Unternehmen eingestiegen. Mit 21 Jahren hat sie ihr erstes Feuerwerk in Eigenregie abgebrannt. Ihr war schnell klar, dass sie in die Fußstapfen ihrer Mutter treten wollte.

Wie es in der Branche weitergeht, weiß keiner

Nun steht sie vor einer großen Unsicherheit. Wie es im neuen Jahr in ihrer Branche weitergeht, weiß derzeit keiner. „Es ist alles sehr ungewiss. Wir wissen ja nicht, wann die Pandemie eingedämmt ist“, sagt Melanie Moche. „Wir hoffen, dass wir Mitte nächsten Jahres weitermachen können.“

Wir, das sind ausschließlich Melanie Moche und ihr Lebenspartner, der ab und an aushilft. Die Wermelskirchenerin ist froh, dass sie als Alleinunternehmerin keine Angestellten hat. Diese hätte sie sonst dieses Jahr entlassen müssen. Staatliche Corona-Hilfen hat sie im Laufe des Jahres bereits beantragt und ausgeschöpft. Sie musste nun schweren Herzens an die privaten Reserven gehen, da sie mit ihrem Beruf derzeit kein Geld verdient.

Sie selbst wird Silvester in diesem Jahr ganz ruhig verbringen. Melanie Moche will sich gemeinsam mit ihren Kindern zu Hause eine schöne Zeit machen. Und ja, sie lässt auf ihrem Grundstück ein paar Raketen steigen. Verboten ist dies nicht, lediglich der Verkauf von Feuerwerk und das Abbrennen von Raketen und Böllern auf öffentlichen Plätzen und mit großem Publikum. Die Politik rät zwar dringend davon ab, aber: Wer noch Raketen aus den Vorjahren im Keller hat, darf sie theoretisch an Silvester auf seinem privaten Grund und Boden anzünden. Ein paar kleine Lichtfunken werden also um Mitternacht zu sehen sein. „Wir freuen uns sehr auf unser kleines Feuerwerk“, sagt die Wermelskirchenerin. „Man vermisst seine Tätigkeit ja auch sehr.“ | Standpunkt

Hintergrund

Die Ministerpräsidenten einigten sich darauf, in diesem Jahr den Verkauf von Feuerwerkskörpern zu unterbinden. Mit dieser Maßnahme will man verhindern, dass die Krankenhäuser überlastet werden. Ebenso soll dadurch die Zahl der Neuinfektionen verringert werden. Die Deutsche Umwelthilfe begrüßte die Entscheidung. Feuerwerk erhöhe die Luftbelastung und fördere somit die Wahrscheinlichkeit schwerer Krankheitsverläufe, lautet die Stellungnahme.

Standpunkt: Auf die Vernunft hören

Von Leon Hohmann

leon.hohmann@rga.de

Nur weil es nicht verboten ist, heißt es nicht, es unbedingt zu tun: Gemeint ist das Feuerwerk in der Silvesternacht. Zwar hat die Bundesregierung den Verkauf von Feuerwerkskörpern untersagt, das Abrennen ist hingegen nur „nicht empfohlen“. Wer also – wie ich – noch Knaller und Raketen vom vergangenen Jahr zu Hause oder legal vor dem Verkaufsverbot erworben hat, der dürfte also ohne Probleme böllern. Doch hinter einer Entscheidung zum oder gegen das Zünden von Feuerwerk sollten nicht nur die rechtlichen Aspekte stehen. Vielmehr sollten wir uns hier auf unseren Verstand verlassen, und zur Entscheidung kommen: „Lieber diesen Jahreswechsel ohne Feuerwerk, als 2022 ohne mich oder meine Liebsten zu begrüßen.“ Ich selber bin zu diesem Entschluss gekommen, auch wenn ich grundsätzlich das Feuerwerk mag. Doch in diesem Corona-Jahr geht es nicht um Schönes und Gutes, lediglich die Gesundheit zählt. Kein Corona – und auch keine Verletzungen von (illegalen) Böllern, die in der Silvesternacht nicht behandelt werden können.

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