Polizei

Nach Walddiebstahl: Sieben Forstbesitzer erstatten Anzeige

Die Waldbesitzer sind alarmiert (v. l.): Holzkontor-Förster Louis Altinkamis, die Waldbesitzer Jutta Klewinghaus und Klaus Stöcker, der Forstbetriebsgemeinschaftsvorsitzende Robert Schmitz und Holzkontor-Förster Maximilian Börsch.
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Die Waldbesitzer sind alarmiert (v. l.): Holzkontor-Förster Louis Altinkamis, die Waldbesitzer Jutta Klewinghaus und Klaus Stöcker, der Forstbetriebsgemeinschaftsvorsitzende Robert Schmitz und Holzkontor-Förster Maximilian Börsch.

Der Fall Bechhausen ist aus Sicht der Wermelskirchener Eigentümer ein illegaler Einschlag.

Von Stephan Singer

Wermelskirchen. Alarmiert vom plötzlichen Verschwinden eines Waldstücks in Bechhausen (wir berichteten) sind Wermelskirchens Waldbesitzer auf der Hut. Inzwischen zum zweiten Mal verhinderten sie den Abtransport von Holz, das in ihren Augen unrechtmäßig abgeholzt wurde. „Für dieses Holz gibt es ein Abholverbot“, stellt Klaus Stöcker fest und erläutert den Grund: „Nur solange das Holz hier ist, können wir die Menge ermitteln und es den Eigentümern zuordnen.“

Der Waldbesitzer, dem auch ein Areal in Bechhausen gehört, verhinderte bereits vor gut einer Woche einen solchen Abtransport – und nun erneut. Stöcker zeigt auf die am Wegesrand gestapelten Stämme: „Das sind mindestens 300 bis 400 Festmeter.“

Die Waldbesitzer können nur das beauftragte Fuhrunternehmen stoppen: „Die wollten heute 30 Container abfahren.“ Zwei Fuhren, die schon in einem Zwischenlager abgelegt waren, habe er auf eigene Kosten zurückbringen lassen. „Das Forstunternehmen, das eingeschlagen hat, verkauft das Holz. Dann erfolgt der Abtransport durch ein beauftragtes Fuhrunternehmen. Letztere stehen natürlich blöd da“, sagt Klaus Stöcker.

Er und andere Waldbesitzer haben das laut Polizeiangaben in Mönchengladbach ansässige Forstunternehmen, das bereits ein 3500 Quadratmeter großes Areal in Bechhausen abgeholzt und damit den Unmut der Besitzerin auf sich gezogen hatte, im Verdacht. „Die haben für den Waldbereich auf der Burscheider Seite der Stadtgrenze einen Auftrag. Von dort wurde dann weit über den Tellerrand hinweg abgeholzt“, beschreibt Klaus Stöcker.

Betroffene gehen nicht von einem Versehen aus

Mindestens sieben Waldbesitzer seien betroffen, fügt der Vorsitzende der Wermelskirchener Forstbetriebsgemeinschaft (FBG), Robert Schmitz, hinzu. Er geht nicht von einem „Versehen“ aus. Entsprechend haben alle Betroffenen Anzeige erstattet.

Für ihre Mutter, der ebenfalls ein betroffenes Waldstück gehört, spricht Jutta Klewinghaus: „Eigentlich sollte man sich auf seinen guten Glauben verlassen, wenn jemand sagt, er habe einen Auftrag vom Förster.“ Aber wenn weder Förster noch Waldbesitzer etwas davon wüssten, könne doch etwas nicht stimmen. „Das ist wie im Wilden Westen“, meint Klewinghaus.

Das Waldstück ihrer Mutter grenzt an das von Klaus Stöcker: In beiden Fällen wurden die dortigen Fichten ohne Auftrag abgeholzt. „Ich lasse nun auch das Laubholz einschlagen, denn es sieht hier jetzt eh aus wie Kraut und Rüben und ist somit eine gute Gelegenheit“, plant Klaus Stöcker. Der Forstbetrieb habe sehr schnell gearbeitet und dabei viele Schäden hinterlassen, auch Laubbäume beschädigt, zeigen Stöcker und Robert Schmitz: „Das sieht furchtbar aus. An der Art und Weise kann man schon die Illegalität erkennen.“

Das sehen der für die Holzwirtschaft der FBG zuständige Holzkontor-Förster Louis Altinkamis und sein Kollege Maximilian Börsch ähnlich: „Da wurde ohne Rückfragen, ohne Rücksicht auf Verluste gearbeitet.“ Die Erfassung eines Schadens durch illegalen Holzeinschlag ist demnach nicht einfach: Für die FBG-Mitglieder gibt es alle zehn Jahre eine Bestandserfassung, die sich mittels Zuwachsraten auch hochrechnen lässt. Dazu kommt das Vermessen und Zählen auf dem Waldstück und am Polter. Bei Nicht-FBG-Mitgliedern bleibt nur letztere Variante.“ Kaum mehr nachzuvollziehen, sei Holz, das bereits abtransportiert wurde – „diese Summe X ist ein Problem“, bewertet Louis Altinkamis die Situation.

Sowohl Robert Schmitz als auch Klaus Stöcker lenken den Fokus auf die Gutgläubigkeit von Waldbesitzern: „Manche haben nur ein Mal im Leben mit Holzeinschlag zu tun.“ Viele lebten andernorts und wüssten deshalb gar nicht, was in ihrem Wald vor sich geht, weiß Robert Schmitz: „Überall müssen die Anlieger und Nachbarn aufmerksam sein.“ In Bechhausen sei die Dorfgemeinschaft wachsam.

Mit den Strukturen der FBG und den betroffenen Waldbesitzern will Schmitz die entstandenen Schäden dokumentieren. „Damit können Schadensersatzansprüche gestellt werden“, sagt Louis Altinkamis. Unterdessen ist Klaus Stöcker überzeugt: „Das Forstunternehmen wird wieder versuchen, die abgeholzten Stämme aus Bechhausen zu verkaufen.“ Stöcker bemerkt zum Abholverbot: „Wie auch immer man das durchsetzen will.“

Grundbesitzer wollen nun den Waldweg einengen

Die Waldbesitzer, die stets die Polizei hinzugezogen hatten, denken gar über eine Verengung der Zufahrtsstraße nach, die nur noch landwirtschaftlichen Maschinen eine Durchfahrt ermöglicht, aber nicht mehr großen Lkw – denn eine dauerhafte Bewachung sei unrealistisch. Jutta Klewinghaus bemerkt: „Da wundern wir uns, dass unser Wald weg ist. Und dann müssen wir das Holz auch noch verteidigen.“

„Von uns hat das Unternehmen definitiv keinen Auftrag“, erklärt Louis Altinkamis. „Und von uns angeforderte Protokolle haben wir bislang nicht erhalten.“

Verwaltung

Auch die Stadt Wermelskirchen ist von der augenscheinlich nicht beauftragten Abholzung betroffen, wissen Klaus Stöcker und Robert Schmitz. Der städtische Tiefbauamtsleiter Harald Drescher bestätigt das auf Anfrage unserer Redaktion. Die Stadt hat Strafanzeige gestellt.

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