Wasser ist ihr Element

Sie wirkt dem Fachkräftemangel entgegen

Andelina Jadanec lässt sich zur Fachangestellten für Bäderbetriebe ausbilden.
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Andelina Jadanec lässt sich zur Fachangestellten für Bäderbetriebe ausbilden.

Andelina Jadanec macht im Quellenbad ihre Ausbildung zur Fachangestellten für Bäderbetriebe.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Im flachen Wasser findet gerade der Aquajogging-Kurs statt. Hin und wieder schallen die gedämpften Rufe der Trainerin durch das Hallenbad. Gleich nebenan ziehen ältere Besucher ihre Bahnen. Andelina Jadanec steht am Beckenrand und wirft einen Blick über das vertraute Bild im Quellenbad. „Das ist einfach mein Hallenbad“, sagt sie und lacht. Hier hat sie selbst damals Schwimmen gelernt, später kam sie zweimal in der Woche, um ihre Bahnen zu ziehen, und trat schließlich in die DLRG ein. „Ich bin hier groß geworden“, sagt sie. Und deswegen fühlt sich ihr Ausbildungsort so vertraut an – weil sie das Bad kennt und das Wasser zu ihrem Element erkoren hat.

Seit August 2021 macht die heute 19-Jährige ihre Ausbildung im Hallenbad – zur Fachangestellten für Bäderbetriebe. „In all den Jahren hatten wir vielleicht fünf Auszubildende“, sagt Achim Hagenbücher.

In all den Jahren hatten wir nur fünf Auszubildende.

Achim Hagenbücher, Quellenbad-Leiter

Nur selten würden qualifizierte Bewerbungen ins Haus flattern. Auch deswegen sei das Team so froh, mit Andelina Jadanec eine begeisterte Auszubildende gefunden zu haben. Der Fachkräftemangel spiegelt sich auch in der Ausbildungsklasse der jungen Frau wieder: Nur 13 Auszubildende gehören zum aktuellen Jahrgang – Andelina Jadanec ist die einzige Frau. Aber sie ist mit Überzeugung im Einsatz.

Achim Hagenbücher hat als Meister für Bäderbetriebe die Ausbildung der jungen Frau im Bad übernommen. „Ich wusste allerdings schon, was mich erwartet“, sagt die 19-Jährige. Denn schon während ihrer Schulzeit an der Waldorfschule habe sie in der zehnten Klasse ein Praktikum im Quellenbad gemacht. Der Beruf habe sie damals schon interessiert, die Stippvisite im Hallenbad hat sie in guter Erinnerung. „Das ist ein vielseitiger Beruf“, sagt sie, „das hat nichts mit dem Klischee eines Bademeisters zu tun.“ Im Gegenteil. Neben der Wasseraufsicht gehe es um rechtliche, chemische, technische und medizinische Faktoren, auch Eventmanagement und Werbung gehören zum Ausbildungspaket. „Ein bisschen handwerkliches Geschick schadet auch nicht“, sagt Hagenbücher. Denn die Arbeit der Fachkräfte findet längst nicht nur vor den Kulissen statt.

„Wir bereiten das Bad für die Besucher vor, sorgen für einen sicheren Aufenthalt und kümmern uns um das Bad, wenn die Türen längst wieder geschlossen sind“, sagt Andelina Jadanec. Vor allem diese Vielseitigkeit gefalle ihr gut – von der Bedienung der Pumpen und Filteranlagen bis zur Reinigung des Bades. „Besonders mag ich aber den Kontakt mit den Menschen“, sagt sie. Dann wenden sich die Jüngsten aufgeregt an die Fachkräfte, weil sie ihr Seepferdchen machen wollen.

Dann kommen Senioren mit den Mitarbeitenden ins Gespräch. „Und ich fühle mich auch im Team wohl“, sagt sie. Die Kollegen freuen sich über ihren Einsatz. Wenn Achim Hagenbücher in vier Jahren in den Ruhestand gehe, stehe die junge Frau in den Startlöchern für die freie Stelle – eine lange Suche dürfte der Stadt dann erspart bleiben. „Ich bin ziemlich optimistisch, dass sie alle Prüfungen besteht“, sagt der erfahrene Meister für Bäderbetriebe. Und Andelina Jadanec gefällt die Perspektive. „Es ist schön, in einem Beruf arbeiten zu können, in dem ich so viel Sicherheit habe“, sagt sie. Dazu komme die Perspektive für den neuen Schwimmbad-Bau. Schichtdienste würden sie nicht abschrecken. Dass sie in dem Job nicht reich werden könne, sei nicht wichtig für sie. Im Februar steht ihre Zwischenprüfung an. Im Sommer 2024 will sie ihre Abschlussprüfung nach der dreijährigen Ausbildung machen. „Wenn ich besonders gut bin, könnte ich die Ausbildung auch um ein halbes Jahr verkürzen“, weiß sie. Darum macht sie sich aber im Moment noch keine Gedanken – stattdessen lernt sie.

Nach Dienstschluss zieht sie gelegentlich noch selbst ihre Bahnen im Wasser. „Dann tauche ich ab und wundere mich jedes Mal darüber, was das Wasser bewirkt“, sagt sie. Die Welt um einen herum werde ganz leise, man sei nur auf seine eigenen Bewegungen und Geräusche konzentriert. Manchmal singe sie dann, oder beginne, die Fliesen zu zählen: „Im Wasser schalte ich ab“, sagt die 19-Jährige. Kaum taucht sie auf, ist sie bereit, Verantwortung zu übernehmen – am Beckenrand.

Hintergrund

Wer sich für die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe interessant, kann seine Unterlagen auch initiativ auf den Weg schicken – entweder an die Stadt oder direkt an Hallenbad-Chef Achim Hagenbücher im Schwimmbad am Quellenweg.

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