Neue Vorsitzende der Freien Wähler

Anja Güntermann will in Wermelskirchen etwas bewegen

Anja Güntermann ist neue Vorsitzende der Freien Wähler Wermelskirchen. Sie wünscht sich künftig mehr Beteiligung der kleinen Wählergemeinschaften.
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Anja Güntermann ist neue Vorsitzende der Freien Wähler Wermelskirchen. Sie wünscht sich künftig mehr Beteiligung der kleinen Wählergemeinschaften.

Anja Güntermann ist neue Vorsitzende der Freien Wähler – sie wünscht sich einen größeren Aktionsradius.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Als Anja Güntermann in die Kommunalpolitik einstieg, war sie gerade einmal 40 Jahre jung. Und doch nahm sie sich damals schon vor: „Wenn du hier in Wermelskirchen alt werden willst, musst du mitmischen, etwas bewegen.“ Das kann sie jetzt verstärkt tun, denn die Freien Wähler der Ortsgruppe Wermelskirchen wählten sie vergangene Woche zur neuen Vorsitzenden.

Anfang der 2000er Jahre war die 57-Jährige noch bei der FDP aktiv, wechselte im Jahr 2012 mit ihrem Mann, Dr. Werner Güntermann, zur WNK/UWG, heute Freie Wähler. Bereut hat sie diesen Schritt nicht. Die Leiterin einer Lohnsteuer-Beratungsstelle sieht im Gegenteil viele Vorteile darin, in einem kleinen politischen Verein aktiv zu sein. „Man konzentriert sich auf die Themen vor Ort“, sagt sie. „Und mir hat auch der Zusammenhalt unter den ,Kleinen’ in Wermelskirchen immer gut gefallen. Es gab in der Vergangenheit immer viele gemeinsame Aktivitäten. Das war konstruktiv.“

Mit mir ist vieles möglich. Nur nicht links- und rechtsaußen.

Anja Güntermann, Vorsitzende Freie Wähler Wermelskirchen

Vor allem wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie seien nicht nur die gemeinsamen Treffen, sondern sei auch die Präsentation des politischen Vereins nach außen seltener geworden. Das habe den Freien Wählern, damals noch WNK/UWG, bei der Kommunalwahl so gar nicht in die Karten gespielt. Die WNK/UWG verlor im September 2020 etliche Wählerstimmen, konnte sich mit drei Mitgliedern in den Stadtrat retten. Auch einen Ausschussvorsitz bekamen sie nicht. Hatten doch die anderen kleinen Fraktionen mit CDU, SPD und Grünen damals eine Zählergemeinschaft gebildet.

Anja Güntermann führt die Verluste klar auf die fehlenden Außenauftritte im Wahlkampf zurück. „Wir konnten uns nicht so präsentieren, wie wir das wollten“, ist sie überzeugt. „Das ging allen kleinen Parteien und Vereinen so. Unser großes Standbein für Information und Gespräche mit Bürgern ist immer Das Fest im Mai in der Stadt. Das fiel ja nun schon zwei Mal aus.“

Für die Zukunft wünscht sich Anja Güntermann deshalb ganz klar wieder einen größeren Aktionsradius: „Wieder mehr aus uns rauszukommen, Gespräche zu führen und zeigen, wofür wir eigentlich stehen.“

In den vergangenen Jahren gab es öfter den Vorwurf aus den Reihen anderer Parteien, die Freien Wähler in Wermelskirchen würden der AfD nahe stehen. Diesen Vorwurf weist die neue Vorsitzende klar von sich: „Ich sage immer, mit mir geht vieles, nur nicht links- oder rechtsaußen.“ Bereits als Jugendliche, damals Schülerin des Lenneper Röntgengymnasiums, habe sie sich intensiv mit dem Nationsozialismus beschäftigt. „Das hat mich immer geprägt, ich distanziere mich deshalb ganz klar von solchen Vorwürfen.“

Mit Sorge betrachte sie die Gruppe der Kritiker der Corona-Maßnahmen, die sich seit einigen Wochen auch in Wermelskirchen zu so genannten „Spaziergängen“ formieren. „Das Problem ist, dass sich da verschiedene Strömungen mischen“, sagt Anja Güntermann. „Und ich befürchte, dass sich Menschen, die warum auch immer Bedenken vor einer Impfung haben, von jenen mitreißen lassen, die bei diesen Veranstaltungen radikales Gedankengut einstreuen.“

Wichtigstes Thema derzeit in Wermelskirchen sei für sie die Schuldebatte. „Es geht ja nun nicht nur um die Zukunft der Gesamtschule. Sondern auch darum, welche Probleme nach der langen Zeit der Pandemie auf alle Schüler zukommen und mit denen sie zum Teil ja schon jetzt zu kämpfen haben. Ich schätze, dieses Thema wird uns noch lange beschäftigen.“

Zum Fraktionsvorsitzenden Henning Rehse verbinde sie ein gutes Verhältnis. „ich schätze seine direkte Art. Dass er mit seiner Meinung nicht hiterm Berg hält. Das finde ich gut.“

Hintergrund

Anja Güntermann ist 57 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann im Zentrum Wermelskirchens. Güntermann löste Stefan Kind ab, der das Amt einige Jahre innehatte. Sie hat eine Tochter, zwei Stiefsöhne und zwei Hunde. Güntermann wechselte im Jahr 2012 von der FDP zur damaligen WNK/UWG.

Vorige Woche änderte der politische Verein in Wermelskirchen während einer internen Sitzung seinen Namen: aus WNK/UWG wurden die Freien Wähler. Die Freien Wähler Wermelskirchen gehören dem Landesverband der Freien Wähler an – es ist die Vereinigung aller Wählergemeinschaften in NRW. Daneben gibt es als Partei die Landesvereinigung. Politischer Ausgangspunkt sind die Freien Wähler aus Bayern.

Standpunkt: Bisher Lippenbekenntnisse

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Erinnern Sie sich noch an die Anfänge der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020? Damals schien allen sonnenklar, wie wichtig und elementar die Pflegekräfte sind und wie sehr sie gebraucht werden. Beklatscht wurden sie sogar seinerzeit symbolisch von den Balkonen aus. Erfahrene Menschen aus der Branche betonten gleichwohl schon damals: „Um die Zustände in der Pflege zu verbessern, ist mehr nötig als Beifall.“ Und genauso ist es. Denn zwar streckt sich die Debatte um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege bis in die heutige Zeit. Bisher waren das aber allenfalls Lippenbekenntnisse der Politiker. Immerhin hat Gesundheitsminister Karl Lauterbach versichert, sich die Situation näher anschauen und zumindest in einigen Bereichen der Pflege Verbesserungen erwirken zu wollen. Allerdings geht es nicht nur um die Bezahlung. Wenn qualifizierte und vor allem motivierte potenzielle Mitarbeiter nicht arbeiten dürfen, weil sie von den aktuellen Gesetzen, unter anderem die Aufenthaltsgenehmigung betreffend, daran gehindert werden, ist das tragisch und bitter.

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