Therapieangebot

Krebs: Bewegung hilft bei Heilung

Christine Krause ist tief eingestiegen in das Thema Krebserkrankungen, in wissenschaftliche Forschungsergebnisse und Möglichkeiten der Physiotherapie. Ihre Erkenntnis: „Bewegung ist begleitend zu Krebstherapie sehr effektiv.“
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Christine Krause ist tief eingestiegen in das Thema Krebserkrankungen, in wissenschaftliche Forschungsergebnisse und Möglichkeiten der Physiotherapie. Ihre Erkenntnis: „Bewegung ist begleitend zu Krebstherapie sehr effektiv.“

Christine Krause startet bei „ProPhysio“ im Februar ein Therapieangebot für Krebspatienten.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Der Kampf gegen den Krebs verlangt dem Körper alles ab. Und während Patienten sich Bestrahlungen und Chemotherapie, Medikamenten und Operationen stellen, meldet sich der Körper häufig mit Nebenwirkungen: Müdigkeit und Erschöpfung, Missempfindungen in Händen und Füßen, Lymphödeme, Inkontinenz oder Osteoporose. „Und genau dort setzt die Onkologische Trainings- und Bewegungstherapie an“, erklärt Physiotherapeutin Christine Krause.

Die 42-Jährige weiß um die Macht der Bewegung – erst recht, seit sie selbst die Fortbildung für das besondere Therapieangebot gemacht hat. Sie ist tief eingestiegen in das Thema Krebserkrankungen, in wissenschaftliche Forschungsergebnisse und Möglichkeiten der Physiotherapie. Ihre Erkenntnis: „Bewegung ist begleitend zu Krebstherapie sehr effektiv.“ Und deswegen steigt die Praxis „ProPhysio“ am Wasserturm ab Februar in die Onkologische Trainings- und Bewegungstherapie (OTT) ein – vorerst mit Christine Krause und Praxisinhaber Jonas di Lorenzo als speziell ausgebildete Therapeuten.

Damit schafft es das Therapieangebot von den großen onkologischen Zentren des Landes in eine Praxis im ländlichen Bereich. „Die Therapie ist an der Uniklinik und der Sporthochschule in Köln entwickelt worden“, erzählt Christine Krause. Seit 2015 würden auch niedergelassene Therapeuten an der OTT-Akademie für das Angebot ausgebildet. „Es sind also wissenschaftliche Ergebnisse, die der Erkenntnis zugrunde liegen: Bewegung kann die Lebensqualität von Krebspatienten deutlich verbessern und Nebenwirkungen abmildern“, sagt die Physiotherapeutin.

Die Wermelskirchener Praxis hat sich aber noch aus einem anderen Grund dafür entschieden, die Therapie ab Februar anzubieten: „In der Krebstherapie muss sich der Patient der Behandlung ausliefern“, sagt Physiotherapeutin Christine Krause, „die Bewegungstherapie gibt ihm die Möglichkeit zurück, selbst etwas zu tun.“ Es motiviere sie sehr, Menschen auf diesem Weg und in dieser besonderen Lebensphase zu begleiten.

Angesprochen sind Patienten, die gerade erst die Krebsdiagnose erhalten haben – und möglichen Nebenwirkungen der Therapie frühzeitig entgegenwirken wollen. Auch Patienten, die sich mitten in der Therapie oder bereits in der Nachsorge befinden, können von der Bewegungstherapie profitieren. „Unser wichtigster Grundsatz: Wir arbeiten sehr individuell“, sagt Christine Krause. Was will der Patient? Welche Symptome bringt er mit? Gegen welche Nebenwirkungen kämpft er an? Welchen Belastungen ist er ausgesetzt?

Am Anfang gibt es deswegen ein ausführliches Anamnesegespräch – mit anschließendem Fitnesstest auf Ausdauer, Kraft und Koordination. „So entsteht das ganz persönliche Trainingskonzept“, erklärt die Physiotherapeutin. Im Trainingsbereich bei „ProPhysio“ gibt es dann spezielle Zeiten für die OTT.

Das führt dazu, dass Kleingruppen von maximal drei Patienten entstehen – im besten Fall zweimal in der Woche für eine Stunde. Zum Konzept gehört neben einem Konditions- und Krafttraining an den Geräten ein spezielles Modultraining, das Christine Krause bei jedem Termin begleitet.

Kämpft ein Patient etwa mit Inkontinenz als Nebenwirkung, gibt es ein spezielles Beckenbodentraining. Hat die Krebstherapie für Wahrnehmungsstörungen in Händen oder Füßen geführt, wird ein spezielles Sensomotoriktraining installiert. „Die Übungen werden angepasst, es gibt Zwischentests“, erklärt die Physiotherapeutin. „Wir fragen immer: Was braucht der Patient aktuell?“

Keiner muss Angst haben, überfordert zu werden

Die Therapie sei für Krebspatienten mit sportlicher Erfahrung genauso geeignet wie für Menschen, die bisher noch untrainiert waren. „Keiner braucht Angst zu haben, dass er hier überfordert wird“, erklärt die 42-Jährige. Wie groß die Nachfrage nach der OTT ist, könne sie noch nicht sagen. Es gebe Patienten, die bereits großes Interesse gezeigt hätten. Immer mehr Onkologen würden die Therapie ihren Patienten empfehlen. „Wir sind auf jeden Fall bereit, unsere Kapazitäten in diesem Bereich auch weiter aufzustocken“, sagt Christine Krause. Zwei weitere Therapeuten stehen für die Fortbildung in den Startlöchern.

Hintergrund

Kosten: Aktuell befinde sich die Onkologische Trainings- und Bewegungstherapie in der Prüfung zur Zulassung als Kassenleistung, sagt Christine Krause. Sie rechne nicht vor 2024 mit einem Ergebnis.

Unterstützung: Das Team bei „ProPhysio“ unterstütze die Patienten bei Fragen um die Kostenübernahme, im Dialog mit Krankenkassen und Ärzten. „Selbst zahlen ist keine Option“, sagt Krause.

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