Weltladen

Faire Produkte sind längst keine Außenseiter mehr

Ulla Buhlmann ist Vorstandsmitglied des Trägervereins für den Weltladen.
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Ulla Buhlmann ist Vorstandsmitglied des Trägervereins für den Weltladen.
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Weltladen am Markt feiert 40. Geburtstag. Faire Produkte sind mittlerweile keine Nische mehr.

Von Susanne Koch

Wermelskirchen. Hier hält „Frau“ sich gerne auf. Bereits im Flur des Weltladens ist ein Ständer mit Blusen und Kleidern aufgestellt. Dann kommen Kundinnen und Kunden in einen großen hellen Raum. Blusen und Kleider hängen auf einem Reck, Pullover und T-Shirts liegen gefaltet in einem Regal an der rechts davon liegenden Wand, Kunsthandwerk und Schmuck wird in Regalen ausgestellt. Im Nebenraum können Kunden faire Lebensmittel kaufen, beispielsweise Kaffee, Tee, Pasten und Soßen. Es gibt aber auch Kerzen und vieles mehr.

Der Weltladen am Markt feiert dieses Jahr sein 40-jähriges Bestehen. „Dabei sind wir schon 41 Jahre alt“, sagt Ulla Buhlmann, Vorstandsmitglied des Trägervereins. „Unsere Vereinsgründung war 1981. Bundesweit wird die Weltladen-Bewegung schon 50 Jahre alt.“ Entstanden sei der Weltladen aus dem Ökumenischen Arbeitskreis Eine Welt. Der hat jetzt 31 Mitglieder. „Im Laden bedienen 15 ehrenamtliche Beschäftigte“, sagt Ulla Buhlmann. „Und wir haben eine Mini-Jobberin für die ganzen organisatorischen Aufgaben eingestellt.“ Das helfe sehr.

Wir haben diskutiert und überlegt, wie wir etwas tun können.

Ulla Buhlmann erklärt, dass Umweltschutz und faire Handelsbeziehungen Gründungsideen waren

Die Weltladenbewegung habe sich in den 40 Jahren entwickelt, sagt Ulla Buhlmann. „Wir arbeiten mit unseren Produzenten viel mehr auf Augenhöhe.“ Ein Beispiel: „Als im vergangenen Jahr Spenden für die Flutopfer eingesammelt wurden, hat sich ein außereuropäischer Zuckerproduzent gemeldet und auch gespendet“, sagt die Vorstandsfrau. „Und das hat uns sehr gefreut, zeigt die Geste doch, dass wir alle viel mehr vernetzt sind und voneinander mitbekommen, was los ist.“

Begonnen hatte alles vor 40 Jahren in einer Jugendfreizeit des CVJM. „Wir haben diskutiert und überlegt, wie wir etwas tun können“, sagt Ulla Buhlmann. „Wir wollten etwa tun, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.“ Die Themen waren faire Handelsbeziehungen, faire Löhne überall auf der Welt und wie Menschen ressourcenschonend mit der Erde umgehen können. „Wir wollten die unterstützen, die verantwortungsvoll mit der Erde umgehen.“

Initiative zeigt unfairen Handel auf

Dass die Umsatzzahlen deutlich gestiegen seien, 2021 um sieben Prozent, wertet sie als gutes Zeichen. „Viele Menschen haben begriffen, um was es geht, das sieht man auch daran, dass faire Produkte inzwischen sogar in Supermärkten angeboten werden“, sagt Ulla Buhlmann. „Allerdings haben wir heute noch mit den gleichen Problemen zu tun, wie vor 40 Jahren.

Inzwischen werden die Produkte auf Messen angeboten.

Ulla Buhlmann

„Die Wetterextreme nehmen sogar noch zu, und auch die Hungersnot vieler Menschen auf dieser Erde.“ Die Auswirkungen des Klimawandels seien viel deutlicher zu sehen. „Und auch heute gehen Jugendliche auf die Straße und kämpfen für eine gerechte Welt und besonders auch für die Zukunft unserer Erde.“ Der Weltladen selbst habe sich zu einem modernen Geschäft weiterentwickelt. „Wir bekommen qualitativ hochwertige Produkte von unseren Produzenten geliefert“, sagt Ulla Buhlmann. „Der Schmuck und die Kleidung sind sorgfältig verarbeitet, es sind wunderschöne Stoffe.“ Im kommenden Jahr soll der Weltladen renoviert und umgeräumt werden. „Wir wollen unsere Artikel noch großzügiger ausstellen.“

Der Weltladen habe in den Jahren natürlich viele Stammkunden gewonnen. „Es kommen aber auch Kunden rein, die beispielsweise im Café Wild gesessen haben und durch unsere Schaufenster angezogen wurden“, sagt die Vorstandsfrau. „Inzwischen werden die Produkte für Weltläden auf Messen angeboten“, sagt sie. „Beispielsweise auf der Fair-Trade-Messe in Bad Herzfeld, aber auch in Wermelskirchen haben wir dieses Jahr unsere erste Fairtrade-Messe in der Kattwinkelschen Fabrik abgehalten.“ 15 Händler und etwa 100 Gäste haben sich ausgetauscht. „Wir lernen alle voneinander.“

Standpunkt von Susanne Koch: Es verändert sich etwas

susanne.koch@rga.de

Dass der Wermelskirchener Weltladen schon seinen 40. Geburtstag feiern konnte, ist ein gutes Zeichen. Zeigt das doch, dass die Bewegung, die bundesweit vor 50 Jahren begann, sich immer weiterentwickelt. Und es sind ja heute nicht nur die Weltläden mit ihren Fairtrade-Artikeln, heute werden Fairtrade-Produkte sogar in vielen Supermärkten verkauft, es gibt Unverpackt-Läden und Bio-Läden, die auch Fairtrade-Produkte im Angebot haben.

Hinter der Weltladen-Bewegung steckt der Geist, der die Schöpfung bewahren will, der sich für eine gerechtere Verteilung einsetzt, der ressourcenschonend mit der Erde umgehen will. Und die Weltladen-Verantwortlichen freuen sich sehr darüber, dass sie ihrem Ziel, mit den Produzenten und Händlern auf Augenhöhe zu sprechen, immer näher gekommen sind. Denn Maßnahmen gegen den inzwischen offensichtlichen Klimawandel werden wir auf dieser Welt nur gemeinsam finden und umsetzen.

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