Beirat

Sie kämpft für Menschen mit Handicap

Petra Sprenger ist die Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderung. Sie leidet an Multipler Sklerose (MS) und sitzt im Rollstuhl. Archivfoto: Jürgen Moll
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Petra Sprenger ist die Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderung. Sie leidet an Multipler Sklerose (MS) und sitzt im Rollstuhl. Archivfoto: Jürgen Moll
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Petra Sprenger ist Beiratsvorsitzende und selbst Rollstuhlfahrerin.

Von Markus Schumacher

Wermelskirchen. „Es dauert eben immer eine gewisse Zeit, bis sich etwas für Menschen mit Behinderung verbessert“, weiß Petra Sprenger. Die 51-jährige kämpft seit zwei Jahren als Vorsitzende des Beirates für Menschen mit Behinderung an vorderster Front für solche Verbesserung. Und kommt sich dabei doch nicht wie ein Don Quichotte vor, denn: „Wenn ich zum Beispiel hier in der Tiefgarage am Rathaus vor einer Stufe stehe und nicht weiterkomme, gibt es hier niemanden, der einfach vorbeigeht.“ Das macht der Rollstuhlfahrerin Mut.

Das lässt sie wohl auch Niederlagen und Rückschläge besser wegstecken. So hatte Petra Sprenger früh vor Beginn der Kampagne versucht, ein Impfzentrum nach Wermelskirchen zu bekommen, um älteren und behinderten Menschen die lange Fahrt nach Bergisch Gladbach zu ersparen. „Mit dem ÖPNV sind sie da locker zwei Stunden unterwegs“, weiß Sprenger. Doch das Land lehnte ein Impfzentrum in der Stadt ab. „Jetzt haben ja die Hausärzte mit übernommen“, sagt sie, „und die wissen genau, wer eine Schutzimpfung am nötigsten hat.“

„Wir meckern ja nicht, sondern wollen etwas aufzeigen.“

Petra Sprenger, Beiratsvorsitzende

Manchmal entsteht der Eindruck, Petra Sprenger und ihre Mitstreiter im Beirat wären ständig nur am Meckern. Das wundert sie auch nicht: „Aber wir meckern ja nicht, sondern wollen etwas aufzeigen.“ Weil sie sich gerne einmische, sei sie schließlich auch vor etwa elf Jahren in die CDU eingetreten.

Tatsächlich lobt sie sogar ausdrücklich die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. „Zurzeit entsteht da eine Art kleiner Knigge für den Umgang mit Menschen mit Behinderung“, berichtet sie.

„Für den Herbst planen wir noch eine Veranstaltung mit der Verwaltung, bei der die Leute mal selbst in einem Rollstuhl sitzen oder auch erfahren können, wie es ist, sehbehindert zu sein“, schildert Sprenger. Denn sie ist sicher, vieles geschehe noch aus Gedankenlosigkeit. „Und erzählen kann man viel“, sagt sie, „aber etwas am eigenen Leib zu erfahren, das bleibt dann auch im Gedächtnis haften.“ Auch für die Öffentlichkeit soll so etwas vom Beirat angeboten werden. Der Beirat für Menschen mit Behinderung tagt wieder am Donnerstag, 24. Juni. „Eigentlich wären wir schon ein paar Wochen vorher dran gewesen“, schildert Sprenger, „aber die Sitzung haben wir wegen Corona nochmals verschoben.“ Jetzt habe man einen Termin vom Sozialausschuss bekommen, der ihn selbst nicht benötigte. Sprenger: „Deshalb treffen wir uns diesmal auch in der Mehrzweckhalle Dabringhausen.“ Die Tagesordnung stehe indes noch nicht fest, diese werde gerade noch abgestimmt.

Themen gebe es genug. So hatte sich Petra Sprenger noch im April an die Verwaltung gewandt: Auch bei Beschlüssen und Plänen für städtebauliche Vorhaben müssten Menschen mit Behinderung mehr eingebunden werden. Die Stadt solle daher dringend prüfen, wie die Interessen bei baulichen Vorhaben besser berücksichtigt werden könnten. Es sei nicht leistbar, bei jeder Entscheidung im Alltag, den Beirat einzubeziehen, hatte da die Verwaltung bei allem Verständnis geantwortet.

Das andernorts schon mal gehörte Argument, „für die paar Rollstuhlfahrer ist das doch zu teuer“, ziehe überhaupt nicht, sagt Sprenger. „Denn wenn unsere Belange schon bei der Planung berücksichtigt werden, wird es gar nicht teuer“, betont sie. Wenn aber erstmal eine Treppe mit fünf Stufen steht und dann später umgebaut werden müsse, werde es natürlich kostspielig. Sprenger sagt: „Von einer Rampe profitieren nicht nur Mobilitätsbeschränkte, sondern auch Ältere mit Gehhilfen, Mütter mit Kinderwagen oder Leute mit Gipsbein.“ Bei großen Projekten, wie der Planung des Schwimmbades, klappe die Beteiligung des Beirates gut, findet Sprenger: „Doch es muss auch im Kleinen besser werden. Sie weiß aber auch: „Im Bergischen wird es immer Bereiche geben, zu denen man als Rollstuhlfahrer nicht hinkommen kann.“ Außerdem sei ein glatter, barrierefreier Weg zwar ideal für Rollstuhlfahrer – aber Sehbehinderte etwa könnten sich dann an nichts mehr orientieren. „Die brauchen ein paar Schwellen oder Kanten“, weiß Sprenger.

Beirat für Menschen mit Behinderung

Zur Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes von NRW hat sich am 17. August 2006 in Wermelskirchen ein Beirat für Menschen mit Behinderung konstituiert. Er vertritt die Interessen von Menschen mit Behinderungen gegenüber Rat, Verwaltung und Öffentlichkeit und berät politischen Gremien und Stadtverwaltung. Seine nächste Sitzung ist am 24. Juni in der Mehrzweckhalle Dabringhausen, An der Mehrzweckhalle 1. Beginn ist um 17 Uhr.

Standpunkt: Man wird behindert

markus.schumacher@rga.de

Kommentar von Markus Schumacher

Jeder seriöse Handwerker wird Sie vor dem Renovieren darauf hinweisen, dass es sinnvoll sei, möglichst barrierefrei zu planen. Denn irgendwann ist jeder alt - und dann freut man sich garantiert über eine ebenerdige Dusche oder ein erhöhtes Klo. Ganz ähnlich sollte man die Arbeit des Beirates für Menschen mit Behinderung beurteilen. Wenn Petra Sprenger und ihre Mitstreiter für abgesenkte Bürgersteige oder Aufgänge mit Rampen in Wermelskirchen streiten, dann kann davon jeder einmal profitieren. Ältere Menschen mit Gehhilfen oder auch Dreikäsehochs mit Laufrad freuen sich doch jetzt schon, wenn sie keine Treppenstufen bewältigen müssen. Mir hat mal ein Behinderter gesagt: „Man ist nicht behindert, man wird behindert.“ Wenn die Belange der Behinderten frühzeitig in Planungen berücksichtigt werden, müssen noch nicht einmal hohe Zusatzkosten entstehen. Der enge Kontakt zwischen Beirat und Verwaltung ist also richtig und wichtig. Und anders als in den meisten anderen Gremien ist Parteipolitik in diesem Beirat kaum mal ein Thema: Man zieht an einem Strang in die selbe Richtung.

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