Sozialamt

Sie helfen mit viel Herz und großem Mitgefühl

Melanie Lange, Warst Halimi-Aissat und Sundus Fracaj (v. l.) arbeiten beim Sozialamt der Stadt Wermelskirchen und betreuen Geflüchtete, die in Wermelskirchen ankommen.
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Melanie Lange, Warst Halimi-Aissat und Sundus Fracaj (v. l.) arbeiten beim Sozialamt der Stadt Wermelskirchen und betreuen Geflüchtete, die in Wermelskirchen ankommen.

Warda Halimi-Aissat, Sundus Fracaj und Melanie Lange arbeiten im Sozialamt – und sind im Einsatz für Geflüchtete.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Warda Halimi-Aissat arbeitet damals im Büro bei Steinco. Feste Arbeitszeiten und berechenbare Aufgaben. 17 Jahre zuvor war sie vor dem Krieg in Algerien zu ihrer Mutter und ihrem Stiefvater nach Dabringhausen geflohen. Ohne ein Wort Deutsch, geduldet, aber erst mal ohne die Möglichkeit zu arbeiten und sich ein neues Leben aufzubauen. „Als ich damals hier ankam, habe ich von morgens bis abends mit meinem Stiefvater Deutsch gelernt“, erzählt sie.

Als sie dann im Jahr 2015 die Bilder der Geflüchteten im Fernsehen verfolgt, da hat Warda Halimi-Aissat bereits die deutsche Staatsbürgerschaft – der steinige Weg liegt hinter ihr. Die studierte Chemikerin ist zufrieden mit ihrer Büroarbeit. Aber plötzlich ist es, als würde sich ihre eigene Geschichte wiederholen.

„Wir sahen, wie die Menschen an der Mehrzweckhalle in Dabringhausen ankamen“, erzählt die heute 43-Jährige. Ihre Mutter bittet sie damals: „Warda, geh zu den Menschen und hilf ihnen mit deiner Sprache.“ Warda Halimi-Aissat hat eigentlich alle Hände voll zu tun – aber sie bietet trotzdem ihre Hilfe an und beginnt in der Auffangunterkunft, zu dolmetschen. Arabisch, englisch, deutsch. Auch an jenem Tag, als die städtischen Vertreter sich ein Bild von der Situation in der Halle machen, ist sie im ehrenamtlichen Einsatz.

Ein alkoholisierter Flüchtling verliert in seiner Not die Fassung. „Ich bin zu ihm gegangen und habe ihm entschieden erklärt, dass er sich beruhigen muss“, erzählt Warda Halimi-Aissat. Als der Mann in seiner arabischen Muttersprache ruft, sie müsse ihn doch verstehen, sie sei doch selber Ausländerin, da antwortet sie entschieden: „Stopp. Vertu dich nicht und halte dich an die Regeln.“ Der Mann beruhigt sich und Warda Halimi-Aissat sitzt noch am gleichen Tag im Büro von Sozialamtsleiterin Tanja Dehnen. Die Stadt stellt sie für den Bereich Sozialbetreuung ein.

Sechs Jahre später ist es fast so, als habe sie nie etwas anderes gemacht. Hier ist sie in ihrem Element – ganz egal, aus welcher Nation Menschen auf der Flucht nach Wermelskirchen kommen. Ihre Motivation? „Ich will  ihnen helfen“, sagt sie. Und dabei stehen Sundus Fracaj und Melanie Lange an ihrer Seite. „Ich möchte den Menschen etwa den Schmerz ersparen, den ich selbst erlebt habe“, erklärt Sundus Fracaj, die als 22-Jährige aus Bagdad vor dem Krieg floh. Damals sei die Integration in Deutschland noch deutlich schwerer gewesen, als heute, sagt sie. Die Möglichkeiten hätten sich verändert. Sie will Teil dieser Chance für die Menschen sein. „Und ich habe einfach ein Helfersyndrom“, ergänzt Melanie Lange, die als gelernte Kinderpflegerin lange unbegleitete Flüchtlinge begleitete.

Und so sind die drei Frauen immer dann im Einsatz, wenn Geflüchtete in Wermelskirchen einen städtischen Ansprechpartner suchen. „Das beginnt natürlich an dem Tag, an dem sie die Stadt erreichen“, erzählt Warda Halimi-Aissat. Eigentlich schon etwas früher. Denn wenn das Bundesamt für Migration die Stadt über die Zuweisung Geflüchteter informiert, dann beginnen die drei Frauen mit den Vorbereitungen. „Wir suchen eine passende Unterbringung“, erklärt Warda Halimi-Aissat. Dann schaut sie sich die Zimmer in den städtischen Unterkünften an, hat Familienkonstellationen und Kulturfragen im Blick.

Ohnehin verbringe sie einen großen Teil ihrer Arbeit im Außeneinsatz, erzählt sie. Sobald die Geflüchteten dann vor der Rathaustür abgesetzt werden, ist sie da und begleitet sie. „Es gibt sehr emotionale Momente“, sagt sie. Und ihre Kollegin Sundus Fracaj ergänzt: „Die Menschen sind nicht einfach Arbeit für uns. Manchmal weinen wir mit. Und oft nehmen wir ihre Geschichten und ihre Schicksale auch mit nach Hause.“

Aber vor allem gehe es darum, Antworten zu finden. „Bei den Menschen aus der Ukraine brauchen wir dabei oft die Übersetzungs-App“, erzählen die Frauen.  Ein paar Worte der fremden Sprache haben sie sich schon beigebracht. Nach der Unterbringung seien die großen Themen dann die Schulversorgung für die Kinder, Plätze in Kitas, die Krankenkasse und ein Konto.

„Wir begleiten die Menschen bei diesen Schritten und auch bei allen anderen Fragen, die auftauchen“, erzählt Warda Halimi-Aissat. Sucht jemand einen russischen Supermarkt, wissen die Frauen die Antwort. Meldet sich ein Nachbar, weil er Probleme bei der Mülltrennung beobachtet hat, dann installieren die Damen einen Infonachmittag für Geflüchtete.

Ruft eine Lehrerin an, weil ein Kind trotz Schulpflicht nicht zum Unterricht gekommen ist, fahren die Frauen raus und suchen das Gespräch mit den Eltern. Melanie Lange ist als Casemanagerin im Einsatz: „Das heißt: Ich unterstütze Geflüchtete mit besonderem Bedarf“, sagt sie. Wenn Menschen etwa suchtkrank oder verschuldet sind oder eine Integrationskraft brauchen: Dann übernimmt sie die Begleitung.

Vielen Geflüchteten sind die Frauen schon begegnet – und vielen engagierten Ehrenamtlichen. Und meistens lassen sie die Schicksale und Geschichten nicht los. „Deswegen bleiben wir häufig dran“, sagt Sundus Fracaj, „wir möchten wissen, was aus den Menschen wird.“

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