Sie haben nur alle vier Jahre Geburtstag

Silke Janz (42), hier mit ihrem Mann Daniel, bei der legendären 80er-Jahre-Party vor zwei Jahren in der „Centrale“, und Anna-Katharina Ligeti, die dieses Jahr 30 wird. Weil aber kein Schaltjahr ist, fällt dieser besondere Geburtstag aus – das Schicksal der Schaltjahrkinder. Fotos: Christina Praß/Maurice Ligeti
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Silke Janz (42), hier mit ihrem Mann Daniel, bei der legendären 80er-Jahre-Party vor zwei Jahren in der „Centrale“, und Anna-Katharina Ligeti, die dieses Jahr 30 wird. Weil aber kein Schaltjahr ist, fällt dieser besondere Geburtstag aus – das Schicksal der Schaltjahrkinder.

Silke Janz und Anna-Katharina Ligeti wurden am 29. Februar geboren – 2022 werden sie rein rechnerisch erst 10,5 und 7,5 Jahre alt

Von Melissa Wienzek

Der Kalender hat dieses Jahr wieder einfach einen Tag verschluckt: Der 29. Februar 2022 existiert nicht. Und damit haben Silke Janz und Anna-Katharina Ligeti auch nicht Geburtstag. Beide wurde an einem 29. Februar geboren, in einem Schaltjahr. Das hat auch einen Vorteil: Die beiden altern nicht so schnell wie andere. Theoretisch. Und rein theoretisch wird die gebürtige Lenneperin Silke Janz dieses Jahr nicht 42, sondern 10,5 Jahre alt, die Lüttringhauserin Anna-Katharina Ligeti, die mittlerweile in Hessen lebt, nicht 30, sondern erst 7, wie sie sagt. Ihre Eltern hatten das damals gar nicht auf dem Schirm, betonen beide Frauen. „Ich war sogar ein geplanter Kaiserschnitt“, erzählt Silke Janz, die das Licht der Welt in der Landesfrauenklinik in Wuppertal erblickte. „Meine Mutter hat irgendwie nicht geschaltet, warum an dem Tag niemand entbindet.“

„Meine Tochter ist 13 Jahre alt und hatte mehr offizielle Geburtstage als ich.“

Silke Janz (42), rein statistisch aber erst 10,5

Aber wann feiert überhaupt jemand, der am 29. Februar Geburtstag hat, wenn kein Schaltjahr ist? „Daran scheiden sich die Geister“, sagt Silke Janz, die einen Pflegedienst in Wermelskirchen leitet. „Mein Bruder und meine Eltern gratulieren und schenken mir konsequent am 28. Februar etwas, weil sie sagen: Du hast am letzten Tag im Februar Geburtstag. Die Logik stimmt“, sagt sie. Andere gratulierten am 1. März. Deren Logik: Es ist ja der Tag nach dem 29. Auch das sei stimmig. Kurz vorher werde sie immer wieder gefragt, wann man denn gratulieren solle. „So wird man jedenfalls nicht vergessen“, sagt Janz. In den Jahren, in denen kein Schaltjahr ist, feiere sie nicht. „Aber wenn Schaltjahr ist, dann lassen wir die Sau raus.“ Das müsse man auch. „Sonst ziehen sich die Zwischenjahre so.“ Dementsprechend fielen ihr 18. und ihr 30. aus. Termine, die bei so ziemlich allen anderen groß gefeiert werden. Und wenn das nicht schon Schicksal genug wäre, auch noch das: „Mein Papa hat am 1. März Geburtstag.“ Und bei der Passbehörde heiße es oft: „29. Februar? Den Tag gibt es nicht.“

Der Wille zu feiern, ist nur alle vier Jahre da, erklärt sie. So auch 2020. Der 29. Februar war ein Samstag, Silke Janz wurde 40, ihr Mann war 4 Wochen vor ihr 40 geworden. Was wurde also gemacht? Genau, eine 80er-Jahre-Party. Gefeiert wurde mit Neonbändchen, toupierten Haaren und zerrissenen Strumpfhosen in der Kneipe „Centrale“ in Wermelskirchen. Und weil das Ehepaar Janz im Karnevalsverein „Noch Löher bei Kölle“ ist, kann man sich vorstellen, wie das ausfiel. „Wir haben von 19 Uhr bis morgens um 5 gefeiert und nichts mehr stehen lassen.“ Noch heute sprächen ihre Freunde von der Sause, die für alle die letzte richtige Party vor Corona war. Auch den 20. vergisst sie nicht. „Ich hatte bei einer Wuppertaler Zeitung an einem Preisausschreiben für Geburtstagskinder vom 29. Februar teilgenommen und habe gewonnen. So durfte ich einen Tag im Luxushotel Kaiserhof kellnern, da kam die ganze politische Prominenz.“

Das statistische Alter ist so eine Sache bei Schaltjahrkindern. So auch die Geschenke. „Beim letzten Mal hatte ich nur zehn Kerzen auf der Torte. Meine Freude haben mir auch eine Karte mit der Aufschrift ,Alles Liebe zum zehnten Geburtstag‘ geschenkt“, erzählt Janz.

Ihre Kinder finden ihren speziellen Geburtstag grandios, sagt die gebürtige Lenneperin, die in Wermelskirchen lebt. „Meine Tochter ist 13 Jahre alt und hatte mehr offizielle Geburtstage als ich. Als sie ihren zehnten Geburtstag gefeiert hat, war sie genauso alt wie ich. Mein Sohn ist 7 und sagt: ,Nicht mehr lange, Mama, dann habe ich dich auch ein.‘“ Ihren nächsten Geburtstag feiert Silke Janz in zwei Jahren. Und wann wird sie denn endlich „volljährig“? 2052. „Dann bin ich 72. Dann kriege ich aber den Führerschein, kann aber wahrscheinlich nicht mehr Auto fahren“, kriegt sich die Frohnatur nicht mehr ein.

Anna-Katharina Ligeti, geborene Schmidt, erblickte am 29. Februar 1992 im Lenneper Krankenhaus das Licht der Welt – es war Karnevalssamstag. Und Anna-Katharina viel zu spät. „Ich sollte eigentlich schon sieben Tage früher kommen.“ Auch sie feiere nur alle vier Jahre. „Es fühlt sich dann erst richtig an. Darauf freue ich mich drei Jahre lang.“

Jedes Jahr gratulierten ihr die Leute am 28. Februar und am 1. März, obwohl sie bei Facebook den 29. Februar angegeben habe. „Jedes Jahr fühlt es sich so an, als hätte ich gar nicht Geburtstag.“ Wie dem auch sei – ein Fisch sei man so oder so, sagt sie. 2018 ist die Lüttringhauserin nach Schöffengrund, ein Dorf in Hessen, gezogen – der Liebe wegen. Ab und zu besuche sie aber noch ihren Bruder Maximilian und ihren Vater Ingo in Remscheid.

Eigentlich hat Anna-Katharina Ligeti ja erst in zwei Jahren wieder Geburtstag. „Aber mein Mann und ich haben uns entschieden, dass wir 2023 groß feiern: Er wird 29, ich 31. Wir feiern also die 60 bei uns auf der Grillhütte.“

Warum Schaltjahr?

Eine Sonnenumrundung dauert etwa 365 Tage, 5 Stunden und 49 Minuten. Laut unserem Kalender dauert das Jahr aber nur 365 Tage – es fehlt also ungefähr ein Vierteltag pro Jahr. Der nach vier Jahren entstandene Unterschied von einem Jahr wird mit dem zwischengeschalteten Schalttag am 29. Februar ausgeglichen.

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