50 Jahre in Wermelskirchen

Sie dankt allen Wermelskirchenern

Maria de los Mercedes Tirados Figueras lebt seit 50 Jahren in Wermelskirchen. Foto: Susanne Koch
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Maria de los Mercedes Tirados Figueras lebt seit 50 Jahren in Wermelskirchen.
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Spanierin lebt seit 50 Jahren in Deutschland und hat eine Familie gegründet.

Wermelskirchen. 50 Jahre ist Maria de los Mercedes Tirados Figueras schon in Wermelskirchen. „Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie ich am 4. November 1971 in Köln Deutz aus dem Zug stieg“, sagt sie. „Es war ein kalter Vormittag. Ich hatte aber einen Arbeitsvertrag der Firma Emil Siebel in der Tasche. Ich war jung und wollte etwas erreichen.“

Denn in Spanien besaßen die meisten Mädchen und Frauen zu dieser Zeit kein Mitspracherecht. „Wir machten das, was unser Vater uns vorschrieb“, erinnert sie sich. „Ich wollte so gerne studieren. Er aber war der Meinung, dass Frauen so oder so einen Mann bekommen und heiraten werden. Ich hatte Glück, dass er damit einverstanden war, dass ich nach Deutschland fahre, um dort zu arbeiten.“ Denn Maria Tirados Figueres war noch keine 21 Jahre alt.

Sie hatte den Wunsch, für ihre Arbeit anständig entlohnt und vor allem versichert zu werden und etwas für ihre Rente zu tun. „Viele Frauen haben in Spanien gearbeitet und waren nicht versichert“, sagt die 70-Jährige. „Ich habe diese Erfahrung sogar vier Monate lang in Madrid bei einem General, einem Cousin Francos, gemacht. Dort war ich nicht sozialversichert und es wurde auch nichts für die Rente eingezahlt.“ Sie lebte dann weiter im Dorf bei ihren Eltern, arbeitete in der Landwirtschaft und in der Viehzucht.

Die Idee, in Deutschland zu arbeiten, entwickelte sich, als sie in Benavente, einem spanischen Dorf, eine Anzeige las, in der stand: „Es werden Frauen gesucht, die in Deutschland arbeiten möchten.“ „Noch in der selben Nacht sprach sie mit ihren Eltern darüber und fuhr am darauf folgenden Tag in die Stadt Zamoa, um sich dort für die Ausreise anzumelden und ihren Personalausweis und Reisepass zu beantragen.

An Allerheiligen, am 1. November 1971, stieg sie in den Zug. Auf dem Bahnsteig zurück ließ sie ihre weinende Mutter und ihren kleinen fünfjährigen Bruder. Sie reiste gemeinsam mit acht weiteren Frauen, die hoffnungsfroh in die Zukunft schauten.

In Köln-Deutz wurde sie mit weiteren Kolleginnen mit zwei Firmenwagen abgeholt. Das Ziel: Emil Siebel in Wermelskirchen. „Dort habe ich dann in der Schuhherstellung gearbeitet§, sagt Maria Tirados Figueres. Sie wurde in einer Frauenunterkunft direkt neben dem Werk untergebracht.

Vier Tage nach der Ankunft lernte sie ihren Mann kennen

Neben ihre Arbeit ließen es sich die jungen Frauen nicht nehmen, am Feierabend auch tanzen zu gehen „Wir fuhren nach Remscheid in ein Tanzlokal“, erinnert sie sich. „Vier Tage nachdem ich hier angekommen war, lernte ich dort meinen Mann kennen.“ Und der schrieb ihr daraufhin jeden Tag mindestens einen Brief, den er ihr an ihrem Arbeitsplatz zukommen ließ. „Die deutschen Frauen haben sich immer darüber amüsiert“, sagt die 70-Jährige. „Am 11. November 1972 haben wir geheiratet. „Und elf Monate später, im September 1973, kam meine Tochter Mercedes auf die Welt.“

Ihr zweiter Arbeitgeber war die Firma H. Schöpp. „Und bei Paul Hartmann habe ich schließlich fast 20 Jahre lang Mullbinden hergestellt“, sagt sie. „Diesem Arbeitgeber bin ich äußerst dankbar. Sowohl Jesus als auch Gracia Patricia sind in dieer Zeit geboren. Und ich konnte sie dort stillen und habe acht Stunden bezahlt bekommen und nur sechs Stunden gearbeitet.“ Auch ihr Mann Martinez hat dort in der anderen Schicht gearbeitet.

Maria de los Mercedes Tirados Figueras erzählt, dass sie in Deutschland erst vieles über die Geschichte und Politik Spaniens gelernt hat. Sie war viele Jahre im Elternverein und im spanischen Kulturzentrum engagiert. „Ich bin allen in Wermelskirchen so dankbar“, sagt sie. Ihre 1200 Puppen aus aller Welt hat sie in Kartons in einem Zimmer in ihrer Wohnung in Madrid stehen. „Ich liebe Musik, besonders mexikanische Klänge, ich lese gern und schreibe Geschichten“, erzählt sie. „Und ich freue mich über meine beiden Enkel Joaquin und Carla.“

Persönliches

Geburtsstadt Maria de los Mercedes Tirados Figueras wird am 12. Dezember 1950 in Castrogonzalo in der Provinz Zamora in Spanien geboren.

Familie Sie heiratet am 11. November 1972. Im September 1973 kommt die Tochter Mercedes auf die Welt., 1978 ihr Sohn Jesus und 1983 die Tochter Gracia Patrizia.

Arbeitsstätten Maria de los Mercedes Figueras hat bei Emil Siebel, H. Schöpp und zum Schluss 20 Jahre bei Paul Hartmann gearbeitet. Sie ist mit 63 Jahren in Rente gegangen.

Standpunkt

susanne.koch@rga.de

Kommentar von Susanne Koch

Maria de los Mercedes Tirados Figuerez hat einen zwei Seiten langen Brief geschrieben: Sie dankt darin allen in Wermelskirchen, die ihr und ihrer Familie geholfen haben. Angefangen von ihren deutschen Kolleginnen bei ihrem ersten Arbeitgeber, da war sie Anfang 20, bis hin zu Ärzten, Geschäftsleuten, Freunden und und eben den Arbeitgebern. Sie und ihre Kollegen und Kolleginnen aus dem Ausland wurden gebraucht, als sie vor 50 Jahren in ihren Heimatländern angeworben wurden. Sie kamen mit Optimismus und Hoffnung. Die deutsche Gesellschaft hieß sie als Gastarbeiter willkommen. Doch aus den Gästen wurden Menschen, die sich dauerhaft hier niederließen. Inzwischen bekennen wir uns, das heißt unsere Gesellschaft, als Zuwanderungsland. Und das ist gut und richtig, weil wir künftig unsere Aufgaben, beispielsweise in der Alten- und Krankenpflege, aber auch als Facharbeiter in Unternehmen, nicht mehr ohne Menschen aus anderen Staaten hinbekommen. Am Beispiel der Spanierin sehen wir, was für ein gutes Zusammenleben und eine gute Integration notwendig ist. Wir müssen sie alle willkommen heißen.

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