Sich Impfen zu lassen, ist ein Akt der Nächstenliebe

Msgr. Thomas Kaster ist Remscheider Stadtdechant. Archivfoto: RK
+
Msgr. Thomas Kaster ist Remscheider Stadtdechant. Archivfoto: RK

Ein Geistlicher macht sich Gedanken

Von Msgr. Thomas Kaster Stadtdechant Remscheid

Diese Corona-Pandemie fühlt sich vielleicht für viele unwirklich an. Wenn ich selbst bisher von einer Ansteckung verschont blieb und auch keine nennenswerten Erkrankungen in meinem Umfeld erlebt habe, mag es sich so anfühlen, als sei das alles nicht so schlimm. Dazu kommt, dass die Auflagen, die uns schon seit einem Jahr begleiten, unser Leben oft sehr deutlich einschränken. Für viele bedeuten sie nicht nur Unannehmlichkeiten, sondern werden zu einem existenziellen Problem. Dies alles erzeugt keine gute Stimmung.

Was in diesem Jahr aber auch deutlich geworden ist: Unser Wohl und Wehe hängt von unserer gegenseitigen Solidarität und Rücksichtnahme aufeinander ab. So ist dieses Jahr des Ausnahmezustandes eine Herausforderung und Feuerprobe für diese Solidarität. Jeder und jede Einzelne einer Gesellschaft trägt nicht nur für sich Verantwortung, sondern auch für das Gemeinwohl. Das wird leider oft vergessen. Im Falle der Corona-Pandemie bedeutet das: Leib und Leben der Schwächsten und Anfälligsten zu schützen.

Ein wichtiger Aspekt ist dies auch bei der Frage nach der Impfung gegen Corona. Nun gibt es sicher sehr unterschiedliche Beweggründe, warum Menschen sich nicht impfen lassen wollen. Weil die Impfung ein starker Eingriff in den persönlichen Bereich darstellt, ist es wichtig, dass sie freiwillig ist und nicht per Gesetz angeordnet wird. Aber die Frage nach der Bereitschaft dazu stellt uns vor die Frage nach unserer Bereitschaft zur Solidarität mit all den Anderen, von deren Solidarität wir getragen werden. Das Impfen hat nur Erfolg im Kampf gegen Corona, wenn eine ausreichende Zahl von Bürgern sich zu diesem Schritt durchringt.

Deshalb entbindet uns die Freiwilligkeit nicht, unsere Entscheidung gut abzuwägen. Was aber ist, wenn ich mich ohne triftigen Grund nicht impfen lasse und damit nicht nur mich selbst, sondern auch andere gefährde? Kann ich dann erwarten, dass mich unsere Solidargemeinschaft mit ihrem Gesundheitssystem auffängt?

Gott sei Dank ist die Hilfe nicht abhängig von meiner Einstellung zur Solidarität. Aber ich finde, dass dies zum Nachdenken anregen muss. Dabei kann helfen, auf erfahrene Mediziner und Virologen zu hören. Wer nachdenkt, muss nicht „querdenken“ und jeden Unsinn für bare Münze nehmen. Ich jedenfalls vertraue unseren Wissenschaftlern und Ärzten, auch wenn sie schon mal Fehler machen. Von selbst ernannten „Fachleuten“ halte ich nichts. Dafür ist mir die Sache zu wichtig.

Solidarität lässt sich nicht staatlich verordnen. Umso wichtiger ist der Appell, an das Gewissen der Bürger. Solidarität beruht auf der Einsicht, dass unser Zusammenleben nur gelingen kann, wenn wir aufeinander achten. Sich impfen zu lassen heißt nicht nur, dass ich mich schütze. Es bedeutet eben auch, andere zu schützen. So wird die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, zu einem Akt der Nächstenliebe.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Visionen für das Rhombus-Gelände
Visionen für das Rhombus-Gelände
Visionen für das Rhombus-Gelände
Stadt: Luftfilter in Schulen sind nicht das Mittel der Wahl
Stadt: Luftfilter in Schulen sind nicht das Mittel der Wahl
Stadt: Luftfilter in Schulen sind nicht das Mittel der Wahl
Eschbachstraße wird einspurig geöffnet
Eschbachstraße wird einspurig geöffnet
Eschbachstraße wird einspurig geöffnet
Das Unwetter hat Spuren hinterlassen
Das Unwetter hat Spuren hinterlassen
Das Unwetter hat Spuren hinterlassen

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare