Verkehr

Senioren: „Wir kommen hier nicht weg“

Sigritta Riemann, Edith Roggenbuck und Jutta Meisch (v. l.) fahren ansonsten regelmäßig mit dem Bus in die Stadt.
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Sigritta Riemann, Edith Roggenbuck und Jutta Meisch (v. l.) fahren ansonsten regelmäßig mit dem Bus in die Stadt.

Buslinie 263 fährt wegen Umleitung die Ortsteile Finkenholl, Hinter- und Vorderhufe sowie Hoffnung nicht an.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Jutta Meisch ist keine Frau, die sich nicht zu helfen wüsste. Die Wermelskirchenerin ist mit ihren 69 Jahren noch recht rüstig und selbstständig. Aber Jutta Meisch ist gehbehindert, hat keine Familie und ist, um von ihrem Wohnort in Hoffnung in die Innenstadt zu kommen, auf den Bus angewiesen.

Genauer: die Linie 263 der RVK, die regulär aus Dabringhausen kommend die Ortsteile Hoffnung, Vorder- und Hinterhufe sowie Finkenholl anfährt – und dann in die Innenstadt und zurück. Wegen der Sperrung der L 101 fährt die 263 aber nun die Umleitung über Hilgen – und die genannten Ortsteile werden ausgespart. Zum Leidwesen der Anwohner. Vor allem derer, die älter und nicht mobil sind.

Bürgermeisterin empfiehlt Nachbarschaftshilfe

Seit sie Mitte Mai von der geplanten Sperrung der L 101 erfahren habe, erzählt Jutta Meisch, sei sie aktiv geworden. Die Stadtverwaltung habe sie als Erstes angerufen. „Dort sei man nicht zuständig, hat man mir gesagt“, berichtet sie. „Dann bei der RVK. Und so weiter. Nun bekam ich in der vorigen Woche von der RVK und von der Bürgermeisterin Bescheid, dass es keine Lösung gäbe. Ein Taxi-Bus sei zu teuer, Busse könnten nicht wenden und so weiter. Die Ausreden finde ich schon heftig, denn es hätte viele Möglichkeiten gegeben.“

Zum Beispiel könne ihrer Ansicht nach der Dhünner Bus einspringen. „Das ging doch auch immer, wenn es kleinere Baustellen oder Unfälle gab“, sagt sie. Auch verstehe sie nicht, warum das Busunternehmen nicht ein Anrufsammeltaxi einsetzen könne.

„Wir verlangen das ja nicht jede Stunde“, sagt auch Edith Roggenbuck. Die 86-Jährige und ihre Nachbarin Sigritta Riemann (80) sind ähnlich aufgeschmissen. „Unsere Kinder sind berufstätig. Die können die Fahrdienste nicht stemmen“, sagt Edith Roggenbuck. Sigritta Riemann nahm gestern schon den Weg zum Arzt in die Obere Remscheider Straße zu Fuß auf sich. „Aber mit Einkäufen geht das doch nicht“, sagt sie. „Und ein Taxi, da kostet eine Wegstrecke 14 Euro.“

Bürgermeisterin Marion Lück sagt auf Nachfrage, sie habe bereits mit allen zuständigen Stellen gesprochen. „Wir haben vergangene Woche intensiv versucht, eine Lösung dafür zu finden – leider ist es nicht gelungen.“ Zum Beispiel habe man letzten Freitag mit dem Bürgerbusverein telefoniert. Demnach könne der Bürgerbus in diesem Bereich nicht gut drehen und sei ohnehin schon von 8.15 bis 18.15 Uhr ununterbrochen im Einsatz – und kämpfe bereits mit Pohlhausen. Lück: Es besteht zur Zeit keine Chance, dass die fahren können.“

Weiter berichtet die Bürgermeisterin, vorige Woche noch mit dem Busunternehmen RVK telefoniert zu haben. Lück: „Sie können leider keine Anrufsammeltaxis zur Verfügung stellen, weil sie einfach nicht genügend Personal haben. Außerdem haben sie eine ähnliche Sachlage parallel in Leichlingen. Sie sind froh, den Schülertransport nach den Ferien sicherstellen zu können – das zumindest ist geklärt.“ Sie empfehle den Anwohnern, auf Nachbarschaftshilfe zurückzugreifen.

Anwohnerin ist fassungslos

Jochen Bilstein, Fraktionsvorsitzender der SPD, der vorige Woche für die Anwohner der betroffenen Wohnbereiche eine Anfrage an die Bürgermeisterin gestellt hatte, möchte sich damit nicht zufriedengeben. „Der ÖPNV ist doch Kreis-Angelegenheit. Dann muss man da mal Druck machen“, sagt er.

    Und auch Jutta Meisch ist fassungslos. „Meine Nachbarn sind sehr hilfsbereit. Aber mich mehrmals die Woche von A nach B zu fahren, das kann ich von ihnen nicht verlangen.

Anfrage

Die SPD-Fraktion hatte Ende voriger Woche eine Anfrage an die Bürgermeisterin gestellt. Demnach sollte die Stadt aktiv werden und den Anwohnern der betroffenen Bereiche mit Ersatzverkehr helfen. Aus dem Rathaus heißt es jetzt, man habe bereits alles versucht.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Da muss mehr kommen

anja.siebel@rga.de

Busse, die nicht wenden könne? Zu wenig Personal? Das ist ein bisschen mau, was da an Argumenten von den zuständigen Stellen bezüglich der derzeit vom ÖPNV abgeschnittenen Ortschaften von Finkenholl bis Hoffnung und wieder zurück kommt. Wer die Senioren besucht und sich ihre Nöte mal in Ruhe anhört, der möchte sich am liebsten selbst als Fahrdienst anbieten. Da wird berichtet von Gewaltmärschen zum Arztbesuch, von schweren Einkaufstaschen, die aus der Innenstadt Kilometer weit nach Hause geschleppt werden müssen und von Taxifahrten, die – hin und zurück – stolze 28 Euro kosten. Und dann heißt es in einem Schreiben aus dem Rathaus, immerhin der Schülerverkehr sei gesichert? Das kann kein Argument sein, mit dem man die betagten Anwohner in Hoffnung und Vorderhufe abspeisen kann. Und da hilft auch keine Nachbarschaftshilfe. Sie brauchen einen Ersatzverkehr. Und zwar sehr zügig.

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