Schlaganfall-Hilfe

Selbsthilfegruppe entwickelt sich weiter

Brigitte Hallenberg gewann in diesem Jahr den Motivationspreis 2020 der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Archivfoto: Roland Keusch
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Brigitte Hallenberg gewann in diesem Jahr den Motivationspreis 2020 der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Das Büro der Schlaganfall-Hilfe ist nun barrierefrei zu erreichen und bietet mehr Platz.

Von Sabine Naber

Endlich barrierefrei und mit einem Behindertenparkplatz direkt vor der Bürotür – Brigitte Hallenberg, die Vorsitzende der Selbsthilfegruppe Schlaganfall, ist mehr als zufrieden mit der Renovierung ihres Büros an der Remscheider Straße. „Da hat sich etwas ganz Tolles entwickelt, nachdem sich im Sommer die Fensterfront aus Altersschwäche durchgebogen hatte“, erzählt sie.

Sie sprach Vermieter Clemens Lueg an. Und der versprach: „Wir gestalten das Schaufenster und damit die Front genau so, wie Sie es fürs Büro haben möchten.“ Die Tür wurde verbreitert und liegt mit dem Fenster jetzt auf einer Flucht. Stufen fielen weg, der kleine Höhenunterschied von vier bis fünf Zentimetern wurde mit einer Rampe ausgeglichen. Rollstuhlfahrer oder auch Menschen, die einen Rollator brauchen, können nun ganz problemlos ins Büro kommen. „Das ist gut geworden, auch weil wir im Büro jetzt mehr Platz haben. Und die neue Beschriftung auf der Schaufensterscheibe hat die Stadtsparkasse bezahlt“, freut sich Brigitte Hallenberg.

Der Platz wird auch gebraucht. Denn neben den insgesamt vier Ehrenamtlichen der Selbsthilfegruppe sitzen an jedem ersten Dienstag im Monat von 9 bis 12 Uhr auch Mitarbeiter der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) im Büro. „Ein Gesprächsangebot von und für Menschen mit Behinderungen, das gut angenommen wird“, versichert Brigitte Hallenberg.

„Wir können auf ein riesengroßes Netzwerk zurückgreifen.“
Brigitte Hallenberg, Vorsitzende

Sie hatte die Selbsthilfegruppe für Betroffene und deren Angehörige 2007 gegründet. Motivation war der Ehemann, der einen Schlaganfall erlitten hatte. „Zu Beginn kamen 20 Menschen aus Wermelskirchen und Remscheid, heute gehört der komplette Rheinisch-Bergische Kreis dazu“, macht die Vorsitzende deutlich.

Schlimm findet sie es, dass sich wegen der Corona-Pandemie die Gruppen derzeit nicht treffen können. Nicht zuletzt, weil sie alle zur Gruppe der Risikopatienten gehören. In Chats tauscht man sich aus. So gut es geht. Außerdem hat Brigitte Hallenberg einen Info-Chat ins Leben gerufen. „Fast alle haben ein Smartphone. Wir wollen auch versuchen, uns in diesem Jahr wenigstens ein- oder zweimal online zu treffen.“

Sie selbst hält den Kontakt zu den Mitgliedern telefonisch, macht aber auch Besuche. Zwei Schlaganfall-Helferinnen, die sie selbst ausgebildet hat, unterstützen sie dabei. Dazu kommen Vorträge, die sie beispielsweise in Kliniken hält. „Da berichte ich dann über unsere Selbsthilfegruppe.“ Wenn sich die Gruppen wieder treffen dürfen, wird es auch Vorträge von Fachärzten wie beispielsweise Dr. Volker Stiefgen oder auch Dr. Ulrich Sliwka geben.

Inzwischen existieren drei Gruppen mit rund 65 Betroffenen plus ihren Angehörigen. In jedem Jahr kommen noch etwa 300 Beratungen dazu. „Die Menschen rufen an, weil sie Hilfe brauchen, einen Schlaganfall oder andere neurologische Probleme haben. Wir können nicht immer direkt helfen, können aber auf ein riesengroßes Netzwerk zurückgreifen“, versichert die Vorsitzende.

Neben den beiden Gruppen für Senioren hat sie auch eine Gruppe für Betroffene eingerichtet, die jünger als 60 Jahre sind. Eine weitere Gruppe für junge, aktive Betroffene schwebt ihr jetzt noch vor. Dazu organisiert sie Kurse für ehrenamtliche Schlaganfall-Helfer. Sie selbst empfindet ihr Ehrenamt inzwischen als Vollzeit-Stelle. „Betroffene zu den Gruppentreffen fahren, beraten, Spenden sammeln, Veranstaltungen organisieren – das macht Arbeit. Aber ich tue es sehr gerne“, sagt sie.

Für ihren unermüdlichen Einsatz hat Brigitte Hallenberg den Motivationspreis 2020 der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erhalten. Die Stiftung verleiht den Preis alle zwei Jahre mit wechselnden Themenschwerpunkten. Ihre Selbsthilfegruppe wurde zudem von der Wegener-Stiftung als „Beste Schlaganfallgruppe Deutschlands“ ausgezeichnet.

Kontakt

Neben Brigitte Hallenberg sind auch die Schlaganfall-Helferinnen Eva Wittenburg und Melanie Drobnitz Ansprechpartnerinnen im Büro in der Remscheider Straße 10. Das Büro ist zurzeit nur dienstags von 9 bis 12 Uhr besetzt. Terminvereinbarung zudem unter Tel. (0 21 96) 7 37 92 84.

Standpunkt: Beispielloses Engagement

Von Gunnar Freudenberg

Angefangen hatte alles damit, dass ihr erster Mann einen Schlaganfall erlitt. Dass sich daraus ein solch umfangreiches Engagement entwickeln würde, hätte Brigitte Hallenberg beim Start vor 13 Jahren nie gedacht. Heute existieren drei Gruppen mit rund 65 Betroffenen plus ihren Angehörigen.

gunnar.freudenberg@rga-online.de

In jedem Jahr kommen noch etwa 300 Beratungen dazu. Die Selbsthilfegruppe Schlaganfall ist zu einer wichtigen Einrichtung geworden, die weit über die Stadt Wermelskirchen hinaus Gutes bewirkt. Und das liegt vor allem an ihrer Vorsitzenden Brigitte Hallenberg, für die Stillstand auch in Pandemie-Zeiten keine Option ist. 

Sie trieb die Renovierung des Büros an der Remscheider Straße mit Augenmaß voran. Es gibt nun einen Behindertenparkplatz direkt vor dem Büro, das nun barrierefrei zu erreichen ist. Zudem wurde der Platz erweitert. Mit den Gruppen hält sie über Info-Chats Kontakt. Kein Wunder, dass Brigitte Hallenberg für ihr Engagement den Motivationspreis 2020 der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erhalten hat. Motivierter als sie kann man diese Arbeit gar nicht machen.

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