Schulentwicklungsplan

Sekundarschule steht auf dem Prüfstand

Im Dezember 2019 bezogen die Sekundarschüler die Räume am Weiersbusch. Archivfoto: Anja Carolina Siebel
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Im Dezember 2019 bezogen die Sekundarschüler die Räume am Weiersbusch.
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Aus Politik und Verwaltung wird laut, dass die ursprüngliche Idee gescheitert ist

Wermelskirchen. Fest steht nun: Es wird einen neuen Schulentwicklungsplan geben. Das bestätigt der erste städtische Beigeordnete Stefan Görnert auf Nachfrage. Nötig ist die neue Version vor allem, weil die Sekundarschule, so wie sie ursprünglich geplant war, in Wermelskirchen offenbar gescheitert ist. Hatten Politik und Verwaltung sich beim Beschluss, diese Schulform einzurichten, im Jahr 2012 noch zum Ziel gesetzt, die Zahl der Schüler, die nach Anmeldung auf einer weiterführenden Schule in andere Städte abwandern, zu minimieren, so müssen die Verantwortlichen jetzt eingestehen, dass das alles andere als geglückt ist. Waren es seinerzeit noch 17 Prozent, die nicht mehr in Wermelskirchen zur Schule gehen, sind es jetzt 32 Prozent.

Die Anmeldezahlen für dieses Jahr sind niederschmetternd: Ware es für das Schuljahr 2019/20 noch über 90, sind es jetzt gerade einmal 53. Geplant ist der Neubau als fünfzügige Schule. „Mit den Zahlen bekommen wir mit Ach und Krach eine Dreizügigkeit hin“, sagt Stefan Görnert.

Die Ortspolitiker sind sich weitgehend fraktionsübergreifend darüber einig, dass sie sich nach Ostern zu dem Thema zusammensetzen und in Ruhe das weitere Vorgehen besprechen wollen. „Wenn man feststellt, dass die ursprüngliche Planung ein Fehler war, dann muss man sich das natürlich irgendwann eingestehen“, räumt Michael Schneider (CDU) ein. Ihm sei aber wichtig, dass die jetzige Generation, die an der Sekundarschule lerne, das in Ruhe machen können. „Aufregung gab es um die Schule schon genug.“

Auch Jochen Bilstein (SPD) mahnt als Vorsitzender des Schulausschusses zur Umsicht. „Wir müssen jetzt alle Fragen auf den Tisch bringen, aber wirklich alle. Die Sekundarschule muss auf den Prüfstand.“

Dass die Entscheidung für die Sekundarschule seinerzeit die richtige war, findet Oliver Platt (Büfo). „Damals hat es ja Expertenbefragungen gegeben, und auch eine Mehrheit aus der Bevölkerung war eindeutig für die Sekundarschule. Jetzt ist aber wichtig, sich interfraktionell abzustimmen. Und wenn die Sekundarschule so nicht vollumfänglich angenommen wird, müssen wir neu diskutieren.“ Marco Frommenkord (FDP) bezeichnet die Anmeldezahlen der Sekundarschule als „schockierend“ und stimmt mit Jochen Bilstein überein: „Ab jetzt müssen wir alles neu diskutieren, mit allen Beteiligten.“

Zusätzliche Kosten kann sich die Verwaltung nicht mehr leisten

Stefan Janosi (Grüne) und seine Fraktion möchten ebenso „mit Bedacht“ vorgehen und an einem Strang ziehen. „Wir müssen aber auch zusehen, dass wir jetzt zügig zu einer Entscheidung kommen“, mahnt er.

Und auch Henning Rehse (WNK/UWG) ist für eine gemeinsame Lösung. „Wir sind da erst am Anfang der Diskussion. Wir treffen ja auch nicht die Entscheidung, welches Kind auf welche Schule geht. Das machen letztendlich die Eltern. Und wenn wir 30 bis 40 Prozent der Eltern eben nicht überzeugen können, dann können wir auch nichtviele Millionen Euro einfach verbummeln.“

Dietmar Paulig geht als Schulleiter der Sekundarschule nach den Sommerferien in den Ruhestand. Gewünscht hätte er sich wohl, dann eine erfolgreiche Bilanz ziehen zu können. Aktuell kann er nur empfehlen, worauf die Verantwortlichen künftig ihren Fokus legen: „Ich finde, dass die Tabus aus dem Diskurs verschwinden müssen. Immer noch wird zum Beispiel nicht klar über eine Gesamtschule diskutiert. Aber auch die Elternmeinung spielt natürlich eine Rolle. Es ist immer die Frage, ob ich mein Kind lieber in ein System schicke, in der die Perspektive danach unklar ist oder ob ich genau weiß, ich habe auch die Perspektive Abitur oder Fachabitur.“

Stefan Görnert konstatiert: „Die Sekundarschulen sind landauf, landab gescheitert, das zeigen Statistiken. Wir müssen schauen, wie wir jetzt weiter vorgehen. Unnötige Kosten können wir uns nicht leisten, denn auch an anderen Schulen sind dringende Investitionen nötig.

Hintergrund

Die Sekundarschule ist eine eigenständige Schulform. Sie umfasst die Jahrgangsstufen 5 bis 10 zu allen Schulabschlüssen der Sekundarstufe I. Durch eine Kooperation mit Gymnasium, Gesamtschule oder Berufskolleg ermöglicht sie den Anschluss an die gymnasiale Oberstufe, Berufskolleg sowie in die duale Ausbildung. Bereits bei der Anmeldung gibt es Infos zum Abschluss.

Standpunkt: Jetzt kommt es drauf an

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Stefan Görnert sagt: „Die Sekundarschule ist landauf, landab gescheitert.“ Und damit meint der erste Beigeordnete, dass die Schulform NRW-weit einfach kaum anerkannt ist bei den Familien, die sich für weiterführende Schulen entscheiden müssen. Die Anmeldezahlen, die Jugendamtsleiter Andreas Voß jüngst recherchiert hatte, belegen das. Aber was jetzt tun? Schließlich hatten sich Politik und Verwaltung jetzt jahrelang auf jene Ergebnisse verlassen, die Experten im Jahr 2012 ausgearbeitet hatten. Und immerhin sind bereits 1,3 Millionen Euro in die Vorplanung der neuen Sekundarschule geflossen. Jetzt klingt alles danach, als würden die ursprünglichen Pläne gekippt und noch mal ganz neu überlegt. Das allein ist schon sehr bitter. Auch für Lehrer, Eltern und Schüler, die auf die Qualität und den Fortbestand der Schule gebaut haben. Ob jetzt überhaupt noch an dem Standort Rot-Kreuz-Straße geplant wird, steht derzeit in den Sternen. Fakt ist aber, dass es jetzt drauf ankommt, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und das sollten dann solche sein, die auch in der Zukunft Bestand haben können.

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