Bildung

Sekundarschule: Hokkeler gibt Amt ab

Zusammen mit dem ehemaligen Schulleiter Dietmar Paulig war Sandra Hokkeler vor acht Jahren angetreten.
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Zusammen mit dem ehemaligen Schulleiter Dietmar Paulig war Sandra Hokkeler vor acht Jahren angetreten.

Die 43-jährige Elternvertreterin hätte sich einen anderen Abschied gewünscht.

Von Anja Carolina Siebel

Es sei ein bitterer Abgang für sie, sagt Sandra Hokkeler. Die bisherige Elternpflegschaftsvorsitzende der Sekundarschule gibt ihr Amt am 18. Juni nach acht Jahren ab. An dem Abend, an dem ihre jüngste Tochter im Bürgerzentrum ihr Abschlusszeugnis entgegennehmen wird. Einen Nachfolger hat die 43-Jährige bereits gefunden und eingearbeitet.

„Selbst, wenn ich wollte, dürfte ich das Amt nicht mehr ausüben“, erklärt sie. „Denn Voraussetzung ist, ein Kind auf der Schule zu haben.“ Aber Sandra Hokkeler möchte auch nicht mehr. Die vergangenen Monate, das betont sie noch einmal, hätten ihr stark zugesetzt. Wie berichtet, hatte sie sich zusammen mit Eltern, Lehrern und Schülervertretern stark dafür eingesetzt, dass die neue Gesamtschule, die die Sekundarschule bald ersetzen soll, am Standort Rot-Kreuz-Straße gebaut werden soll. Stadt und Teile der Politik hatten sich indes vor kurzem wie berichtet dagegen ausgesprochen; mit der Haupt-Begründung, dass auf dem ursprünglich für den Neubau der Sekundarschule vorgesehenen Gelände zu wenig Platz für eine Gesamtschule sei.

Zudem soll die Gesamtschule neu gegründet werden, was bedeutet, dass die bisherigen Lehrer der Sekundarschule nicht automatisch übernommen werden, sondern sich, sollten sie bleiben wollen, neu bewerben müssten.

„Dieses ganze Konglomerat an Dingen, die da auf mich, auf uns eingeprasselt sind in den vergangenen Monaten, das hat schon Spuren hinterlassen“, sagt Sandra Hokkeler.

Sie würde bis heute hinter der Sekundarschule stehen, sagt sie. Als sie vor acht Jahren antrat, gemeinsam mit dem damaligen Schulleiter Dietmar Paulig und seinem Team, da hatte sie Visionen. „Das komplette Team war so motiviert. Überhaupt waren die Lehrer eigentlich bis zum Schluss so engagiert – und das hat man ihnen auch bei der Gestaltung des Unterrichts angemerkt.“ Auch ihre beiden Töchter, die älteste besucht inzwischen das Gymnasium, die jüngere beginnt jetzt, nach ihrem Abschluss, eine Ausbildung, hätten sich an der Schule immer wohl gefühlt, gute Leistungen gebracht.

Elternvertreterin macht sich Sorgen um nachfolgende Schüler

Hokkeler: „Zum Schluss haben aber die Bedingungen nicht mehr gestimmt.“ Die Räume seien zunehmend sanierungsbedürftig geworden, die Lernbedingungen aus diesem Grunde schlechter. „Zum Beispiel haben wir schon voriges Jahr bei der Stadt einen Antrag auf Sanierung der Fachräume gestellt. Passiert ist seitdem nichts.“ Die Container, die am Weyersbusch ebenfalls als Klassenräume dienen, seien „ein Alptraum“. „Die Tafeln lassen sich dort überhaupt nicht nach oben schieben, so dass die Schüler in den letzten Reihen überhaupt nichts sehen können.“

Um die nachfolgenden Schüler-Generationen, speziell die, die noch die Sekundarschule besuchen, macht sich Sandra Hokkeler Sorgen. „Die Schule läuft ja nach dem Start der Gesamtschule aus, das heißt aber, dass die Schüler, die jetzt eingeschult werden, noch sechs Jahre die Schule besuchen. Sie haben aber keine Chance, später an der Schule das Abitur zu machen, weil sie eben keine Gesamtschüler sind.“ Sandra Hokkeler hätte sich deshalb wie viele andere Eltern, Schüler und Lehrer, gewünscht, dass die Schule umgewandelt worden wäre, und nicht neu gegründet. Denn dann wären die Sekundarschüler übernommen worden. Die Ortspolitiker hatten sich dagegen entschieden.

„Die Lehrer bewerben sich zum Großteil jetzt weg“, berichtet die scheidende Elternvertreterin. „Sie haben es nicht nötig, in so einer unsicheren Situation an einer Schule zu bleiben, können sich die Jobs aussuchen. Für die Schüler ist das eine Katastrophe. Ich mache mir große Sorgen, dass sie auf der Strecke bleiben.“

Sinkende Schülerzahlen gebe es derzeit an der Sekundarschule nicht. „Im Gegenteil kommen viele Schüler von anderen Schulen zu uns, weil sie etwa am Gymnasium die Anforderungen nicht schaffen.“ Auch das sei für sie und andere eher besorgniserregend als positiv. „Aber meine Sorge soll es nicht mehr sein“, sagt Hokkeler. Und Enttäuschung schwingt dabei in ihrer Stimme mit.

Standortfrage

Laut Beschluss soll die neue Gesamtschule am Standort Wirtsmühler Straße entstehen. Das höchste Gremium der Sekundarschule, die Schulkonferenz, hatte indes diesem für die neue Gesamtschule jüngst eine deutliche Absage erteilt. Konsequenzen wird das wohl keine haben.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Danke für den Einsatz

anja.siebel@rga.de

Ihr Gesicht kannte man inzwischen. Nach acht Jahren an der Sekundarschule hatte sich Sandra Hokkeler als Elternvertreterin einen Namen gemacht. Und sich von Beginn an eingesetzt für die Schulform. Nicht nur für ihre beiden Töchter, die die Schule besuchten, sondern auch für die anderen Schüler und deren Eltern hat sich Sandra Hokkeler engagiert, hat zu Tagen der offenen Tür eingeladen, um für die Schulform zu werben, begleitete den ehemaligen Schulleiter zu Terminen und informierte die Presse, wenn es etwas zu berichten gab.

Sie war ein Teil dieser Schule und sagt, sie würde bis heute hinter ihr stehen. Dass die Wünsche der Eltern, Schüler und Lehrer die Schule betreffend zuletzt so wenig Gehör bei Verwaltung und Vertretern der Politik fanden, muss für die 43-Jährige umso bitterer sein. Vielleicht ein Grund mehr, ihr einmal Danke zu sagen. Für ihren unerschütterlichen Einsatz, ihre Tatkraft, für eine neue Schulform einzustehen.

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