Neubau

Sekundarschul-Eltern übergeben Petition

Elternvertreterin Sandra Hokkeler übergab die Petition an den stellvertretenden Bürgermeister Stefan Leßenich. Foto: Anja Carolina Siebel
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Elternvertreterin Sandra Hokkeler übergab die Petition an den stellvertretenden Bürgermeister Stefan Leßenich.

760 Unterschriften kamen für einen Neubau an der Rot-Kreuz-Straße zusammen, die Politiker halten aber dagegen.

Von Anja Carolina Siebel

Sandra Hokkeler hat immer noch Hoffnung. Wenn ihr auch bewusst ist, dass es wenig Grund dazu gibt: Am Freitag übergab die Elternvertreterin der Sekundarschule im Namen aller Eltern der Schule eine Internet-Petition an die Stadtverwaltung. Mit insgesamt 760 Unterschriften, davon 620 aus Wermelskirchen, haben die Eltern ihr Ziel erreicht. „Zumindest, was die Unterschriften angeht“, sagt Sandra Hokkeler.

In der Petition hatten die Eltern wie berichtet die Verwaltung gebeten, die Standortfrage für die neue Schule, die wahrscheinlich eine Gesamtschule werden wird, noch einmal zu überdenken. Sie möchten, dass diese Schule an der Rot-Kreuz-Straße entsteht und nicht, wie von der Verwaltung favorisiert, ein Erweiterungsbau an der Wirtsmühler Straße wird. In der Petition heißt es unter anderem: „Legen Sie den Grundstein für eine an hohen Qualitätsstandards ausgerichtete neue Gesamtschule in Wermelskirchen. Orientieren Sie sich dabei am Referenzrahmen Schulqualität NRW, der ausdrücklich auf den Planungsrahmen für Pädagogische Raumkonzepte für Kölner Schulen von 2016 verweist. Schaffen Sie die Rahmenbedingungen für einen an aktuellen methodisch-didaktische Prinzipien ausgerichteten Unterricht. Bedenken Sie dabei, dass der traditionelle Frontalunterricht im Klassenraum schon lange nicht mehr zu den lernförderlichen pädagogischen Konzepten zählt. Im Mittelpunkt heutiger Lernkonzepte steht die individuelle und inklusive Förderung des einzelnen Kindes und Jugendlichen“, schreiben sie unter anderem.

Zur Sicherung der Wohn- und Lebensqualität in der Stadt brauche es ein angemessenes, zukunftsfähiges und attraktives Schulgebäude. „Suchen Sie aktiv nach kreativen Lösungen für die Finanzierung. Verhindern Sie Fehlinvestitionen und schaffen Sie nachhaltig gute Lernbedingungen für alle Kinder in Wermelskirchen“, schreiben die Eltern.

Der stellvertretende Bürgermeister Stefan Leßenich nahm die Petition von Sandra Hokkeler entgegen. „Im Grunde ist das vor allem ein symbolischer Akt“, sagte er. Denn im Gegensatz zu einer Bürgerbeteiligung, bei der Bürger aktiv politische Entscheidungen mit beeinflussen können, reicht der Einfluss der Petition nicht so weit. Stefan Leßenich kündigte an: „Die Fraktionen werden am Wochenende noch einmal darüber beraten.“

Wie berichtet, soll am Montag im Stadtrat eine Entscheidung fallen. Vor allem darüber, welche Schulform es werden und wo die neue Schule letztlich stehen soll. Der Schulausschuss hatte sich vor gut zwei Wochen mehrheitlich für eine Gesamtschule am Standort Wirtsmühler Straße ausgesprochen. Und: für eine Neugründung der Schule. Das heißt: Alle Lehrer müssten sich neu bewerben, das Kollegium würde komplett neu aufgestellt. Auch das wollten die Eltern der jetzigen Sekundarschule nicht, denn somit würde die alte Schule auslaufen.

Es bleibt wohl beim symbolischen Akt

So, wie es derzeit aussieht, bleibt es für Sandra Hokkeler und die anderen Eltern aber beim symbolischen Akt. Denn die Ortspolitiker sind sich weitgehend darüber einig, was sie bereits im Schulausschuss dem Rat empfahlen: die Gesamtschule an der Wirtsmühler Straße.

„Wir haben darüber bereits im Vorfeld eingehend in unserer Fraktion diskutiert – auch über alle Aspekte, die in der Petition aufgeführt sind“, sagt Schulausschussvorsitzender Jochen Bilstein (SPD). „Wir rechnen auch im Rat nicht mit einem anderen Ergebnis.“ Auch Oliver Platt (BüFo) ist sicher: „Es kann kein anderes Ergebnis geben. Das Thema wurde fraktionsübergreifend so lange diskutiert.“

Henning Rehse (Freie Wähler) spricht sich ebenso für die Neugründung der Schule an der Wirtsmühler Straße aus: „Es gilt ja dann: Gleiche Chancen für alle. Auch die ehemaligen Lehrer können sich ja neu bewerben.“ Stefan Leßenich, in seiner Funktion als Stadtverbandsvorsitzender der CDU räumt ein: „Wir als CDU hatten ja auch mit den Eltern gesprochen. Sie schienen damals nichts dagegen zu haben, dass es auch an der Wirtsmühler Straße weitergehen könnte.“

Standpunkt: Kein sauberer Abgang

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Eigentlich könnte man es als positives Zeichen sehen, dass sich die Politiker jetzt weitgehend einig über die Zukunft der jetzigen Sekundarschule sind, um die es so lange unruhig war. Immerhin kann mit einer raschen Entscheidung auch rasch mit dem Umbau begonnen werden – und somit stünde einem baldigen Start der neuen Schule, die wohl eine Gesamtschule wird, nichts mehr im Wege. Wäre da nicht ein bitterer Beigeschmack. Denn so sehr es sich die Beteiligten auch wünschen mögen: Einen sauberen Abgang wird es für die Sekundarschule in Wermelskirchen nicht geben. Zu viele Ungereimtheiten und Unstimmigkeiten stehen da im Raum, die jetzt wahrscheinlich auch nicht mehr geklärt werden. Die aber die Zukunft der Schule nachhaltig beeinflussen könnten. Die Eltern werden wahrscheinlich ihr großes Ziel „Schulneubau“ nicht erreichen. Die Lehrer werden nicht übernommen, sondern ausgetauscht. Und die jetzigen Schüler müssen ihre restlichen Schultage in einer Schule verbringen, die es bald nicht mehr gibt. Kein Happy End, kein warmer Handschlag. Eher eben ein bitterer Beigeschmack.

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