Sein Ross blieb dieses Jahr im Stall

St. Martin reihte sich zu Fuß in die Schar der Kinder in Wermelskirchen ein. Foto: Stephan Singer
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St. Martin reihte sich zu Fuß in die Schar der Kinder in Wermelskirchen ein.

Im Stadtgebiet fand der bisher größte St. Martinszug statt – Nur das Pferd fehlte

Von Stephan Singer

Die Textzeile aus „Sein Ross das trug ihn fort geschwind“ passte beim größten Martinszug im Stadtgebiet nicht ganz. Denn: Beim vom Marketingverein (WiW) organisierten Laternenzug vom Schwanenplatz über Eich und Kölner Straße an den Fuß der Carl-Leverkus-Straße unter dem Naturweihnachtsbaum fehlte das Pferd. Das machte zwar optisch weniger her, brachte jedoch einen charmanten Vorteil mit sich: Sankt Martin, traditionell gekleidet im Stil eines römischen Legionsoffiziers, war den Kindern zu Fuß deutlich näher.

Auf Augenhöhe konnten die Jungen und Mädchen so den dargestellten heiligen Mann mit ebenso strahlenden wie staunenden Augen umringen. Seinen roten Umhang durften die Kinder sogar einmal anfassen: „Fühlt der Mantel sich nicht schön weich und warm an?“, fragte Jörg Hausmann in der Rolle des Sankt Martin, um den Kindern ihre Scheu zu nehmen.

 „Anfangs war ich schon nervös.“

Jörg Hausmann als St. Martin

Der Schatzmeister im WiW-Vorstand hatte mit der spontanen Übernahme dieser symbolträchtigen Rolle erst knapp drei Stunden vor Start den Martinszug „gerettet“. Der Grund: Der eigentlich vorgesehene Darsteller fiel bereits 14 Tage vor dem Martinstag wegen einer Verletzung aus. Die dafür geplante Vertretung musste dann am Nachmittag wegen eines Unfalls absagen. „Anfangs war ich schon nervös. Aber die Kinder kommen ja sehr begeistert und neugierig auf einen zu – das hat geholfen“, sagte Jörg Hausmann im Gespräch mit dieser Redaktion.

Spätestens nach dem nicht ganz halbstündigen Laternenzug fand sich Jörg Hausmann bei der mit „Bettler“ Jürgen Thalmann am großen Feuer unter dem Naturweihnachtsbaum gespielten Mantelteilung sichtlich gut in seiner Rolle zurecht. Während die beiden Schauspieler mimten, las Sylvia Mundstock (WiW) die Martinsgeschichte via Mikrofon und Lautsprecheranlage gut verständlich vor.

 „Wir haben uns bereits im Vorfeld gegen den Einsatz eines Pferds entschieden, weil recht klar war, dass es voll wird. Und das Risiko ist bei der Kombination aus solch einem Tier und Menschenmengen für beide Seiten nicht ganz gering“, erläuterte Jörg Hausmann auf Nachfrage. Nicht zuletzt das Wetter ohne Regen und Wind lockte Tausende zum Martinszug. Große Gruppen von verschiedenen Kindergärten reihten sich genauso ein wie Familien. Eine genaue Teilnehmerzahl vermochte auch der DRK-Bereitschaftsleiter Bernd Koebke – der Ortsverein begleitete mit zehn Einsatzkräften den Zug – nicht zu sagen: „Es sind enorm viele Menschen – so viele, wie noch nie bei diesem Martinszug.“ Diese Einschätzung bestätigte André Frowein. Der WiW-Vorsitzende freute sich angesichts der Resonanz und lobte die Kinder: „Ihr habt tolle Laternen gebastelt.“

Bei der Ausgabe der Weckmänner hatten die WiW-Helfer sowie Bäcker Uli Hermann alle Hände voll zu tun. Wie der Bäcker berichtete, hatte er allein am Martinstag 1100 Weckmänner gebacken, 600 davon für den Marketingverein. „Die letzten habe ich um 15 Uhr aus dem Ofen geholt“, sagte Uli Hermanns. Insgesamt seien es in der Woche 3500 Stück mit einer Größe bis zu 80 Zentimeter gewesen: „Im Moment stehe ich morgens um zwei Uhr in der Backstube und komme nicht vor 20 Uhr ins Bett“, beschrieb Hermanns die Hoch-Zeit seines Handwerks: „Die Weihnachtsbäckerei läuft schon länger auf Hochtouren und bis zu den Festtagen geht das jetzt so weiter – Ausschlafen gibt es erst im Januar.“

 Als gelungene Sache bezeichneten Julia Reintjes und Martin Frey den Martinszug mit anschließendem Zusammenkommen unter dem Naturweihnachtsbaum. Die Eheleute aus Burg waren mit ihren Kindern Nele (sechs Jahre) und Henry (drei Jahre) erstmals mit von der Partie: „Super – das hat uns sehr gut gefallen.“ Mit zwei Pflanzstäben sowie batteriebetriebenen LED-Lichterketten hatte Julia Reintjes zuvor zwei Laternenstäbe für die Geschwisterkinder gebastelt: „Ich musste improvisieren. Ich war zwar extra noch in mehreren Geschäften, aber nirgends gab es Laternenstäbe zu kaufen.“

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