Motto: „Ich schenke dir einen Tag“

Schwanenschüler erleben Wohlfühltag

„Keiner ist allein“, hieß es am Freitag in der Schwanenschule. Und alle waren mit Begeisterung dabei. Foto: Doro Siewert
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„Keiner ist allein“, hieß es am Freitag in der Schwanenschule. Und alle waren mit Begeisterung dabei.

Kinder haben in der Corona-Pandemie viel entbehren müssen – Die Lehrer wollten ihnen etwas zurückgeben.

Von Anja Carolin Siebel

Wermelskirchen. Manche von ihnen haben zum ersten Mal in ihrem Leben Datteln gegessen, andere Yoga gemacht, mucksmäuschenstill spannenden Geschichten gelauscht oder beim Zischen der Nebelmaschine Kunststücke ausprobiert. Am Freitag ging es in der größten städtischen Grundschule, der Schwanenschule, ums Wohlfühlen. Unter dem Motto „Ich schenke dir einen Tag“ durften die Kinder einfach mal Kind sein, Dinge ausprobieren, sich entspannen und Gemeinschaft erleben. „Etwas, was in der langen Zeit der Corona-Pandemie bei vielen Kindern viel zu kurz gekommen ist“, unterstreicht Schulleiterin Katrin Wagner.

Der Wohlfühltag sei eine „spontane Idee unter allen Kollegen“ gewesen, die man ganz rasch umgesetzt habe. „Wir fanden, wir müssen den Kindern, die in den letzten Monaten so viel entbehren mussten, mal etwas zurückgeben“, begründet die Schulleiterin die Entscheidung. „Und als wir anfingen, drüber zu sprechen, sprudelten auch schon die Ideen. Wir haben dann entschieden, das alles so schnell wie möglich für die Kinder zu realisieren.“

Einen ganzen Vormittag lang drehte sich alles nur um das Wohlergehen der Schüler. In Projektgruppen dekorierten sie gemeinsam Muffins, bemalten Steine, fertigten Obstspieße, machten sich „warme Komplimente-Duschen“ oder reisten mit einer spannenden Geschichte ins Weltall. „Wir haben Tänze gemacht, das fand ich am besten“, erzählt Lorena (8) begeistert.

Heute habe ich zum ersten Mal ganz vergessen, dass es Corona gibt.

Schülerin der Schwanenschule

Auf dem Schulhof wurde gemeinsam gesungen und gelacht – immer mit der Botschaft: „Niemand ist allein.“ Schulleiterin Katrin Wagner weiß, dass das keinesfalls leere Worte sind: „Die Kinder haben die Corona-Pandemie unterschiedlich gut verkraftet“, berichtet sie. „Die Familien haben ja auch unterschiedliche Voraussetzungen. Bei vielen ist der Platz zu Hause knapp, es gibt noch Geschwister und gleichwohl sich die Eltern wirklich Mühe gegeben haben beim Homeschooling, können die meisten den Unterrichtsstoff natürlich nicht so vermitteln, wie Lehrer das können.“

Auch im sozialen Miteinander habe es in den vergangenen zwei Jahren viele Einbußen für die Kinder gegeben: „Unsere Zweitklässler haben einen normalen Schulalltag ohne Hygienemaßnahmen und Unterrichtsausfälle ja noch gar nicht erleben dürfen.“ Und: „Normalerweise lernen die Kinder schon in der Kita, wie man sich in der Gruppe integriert, Rücksicht auf andere nimmt, Sozialverhalten eben. Das konnten sie vielfach jetzt nicht vermittelt bekommen; und das bemerken wir deutlich im Miteinander.“

Und das, gleichwohl das Kollegenteam alles gegeben habe, um die Familien zu unterstützen. „Viele Klassenlehrer sind in der Zeit des langen Lockdowns zu den Kindern nach Hause gefahren, um Unterrichtsstoff vor Ort zu erklären. Und wir hatten schon früh wieder die Möglichkeit, zumindest einzelnen Klassenverbänden wieder Präsenzunterricht zu geben“, ergänzt die Schulleiterin.

Das sei aber eben alles nicht dasselbe für die Kinder gewesen, wie in Gemeinschaft zu lernen, mit den Freunden auf dem Schulhof und nach Schulschluss zu spielen und zu kommunizieren – und eben Kind zu sein.

Dass vielen genau das gefehlt hat, das konnte man beim Wohlfühltag am Freitag auf dem Gelände der Schwanenschule deutlich spüren. „Beim Yoga waren Kinder, die ansonsten sehr unruhig sind, plötzlich mucksmäuschenstill, und man konnte richtig bemerken, wie sie entspannen“, berichtet Katrin Wagner. „Sie haben das alles einfach mit allen ihren Sinnen genossen.“

Auf den Punkt brachte die Stimmung vermutlich eine Schülerin, die beim Abschluss-Beisammensein auf dem Schulhof auf Katrin Wagner zukam, mit den Worten: „Heute habe ich zum ersten Mal ganz vergessen, dass es Corona gibt.“

Neue Regeln

Für Grundschüler in Nordrhein-Westfalen steht ein Kurswechsel beim Corona-Testverfahren an: Ab 28. Februar sollen sie drei Mal pro Woche einen Corona-Selbsttest zu Hause machen, wie Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstag mitteilte. Die Antigentests würden von den Schulen kostenfrei abgegeben. Die Tests könnten vor Unterrichtsbeginn oder am Vorabend zu Hause erfolgen. Eine Testpflicht besteht nur noch, wenn die Schüler nicht geimpft oder genesen sind, sieht es das neue Verfahren vor.

Standpunkt

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Sie waren die, die mit am meisten zurückstecken mussten während der vergangenen zwei Jahre: die Kinder und Jugendlichen. Sie durften ihre Freunde nicht treffen, mussten ihren Lernstoff zu Hause aufbereiten, trugen während des langen Schultages dauerhaft Masken, mussten sich unterordnen, mussten sich vielfach belastenden Testverfahren unterziehen, sich anpassen und ganz unbekannte Regeln beachten. So mancher Erst- oder Zweitklässler kennt bis heute einen normalen Schulalltag nicht. Es wird also höchste Zeit, ihnen, den Kindern, wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, sie Kind sein zu lassen und ihnen die Möglichkeiten zu bieten, die sie in ihrem kindlichen Dasein verdient haben. Die Leitung und das Kollegium der Schwanenschule haben das erkannt und mit dem Wohlfühltag am Freitag deshalb ein richtiges Zeichen gesetzt. Auch an der Waldschule haben die Grundschüler diese Woche mit dem Kinderzirkus Casselly eine unbeschwerte Zeit genießen dürfen. Völlig richtig so. Denn wir dürfen bei allen Belastungen die Kinder nicht vergessen, und ihr Recht auf Freude.

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