Corona

Schulen: Stadt soll sich um Raumluft kümmern

In Klassenräumen herrscht oft dicke Luft. Das soll sich jetzt möglichst ändern. Symbolfoto: Christian Beier (Archiv)
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In Klassenräumen herrscht oft dicke Luft. Das soll sich jetzt möglichst ändern
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CO2-Ampeln könnten anzeigen, wann das Öffnen der Fenster nötig ist.

Von Anja Carolina Siebel

Die CDU sorgt sich um die Belüftung der Klassenzimmer. In einem Antrag, den die Fraktion in den Stadtrat brachte, beauftragen die Ortspolitiker die Verwaltung, den Einsatz der Geräte, die anhand von Farbsignalen die Luftqualität in einem Raum anzeigen, zu prüfen. Der Rat stimmte einstimmig dafür.

„Wir müssen jetzt schauen, was das Ganze kostet und wie wirksam es ist“, sagt der Technische Beigeordnete Thomas Marner auf Nachfrage dazu.

Zeitgleich wolle die Stadt den Einsatz sogenannter Luftreiniger prüfen. Deren Funktion besteht einfach ausgedrückt darin, qualitativ schlechte Luft durch bessere zu ersetzen. Und: Im Hinblick auf die Corona-Pandemie sollen die Geräte das Infektionsrisiko durch Aerosolpartikel in Räumen minimieren.

Die entstehenden Kosten für die Stadt sollen dabei zweitrangig sein. Sofern die Wirksamkeit erwiesen ist. „Es gibt Studien, die dem Einsatz von Luftreinigern gegenüber kritisch sind“, erklärt Marner. „Das müssen wir prüfen lassen.“

Sollte aber die Wirksamkeit gegeben sein und zu genehmigende Kosten anfallen, hat der Rat beschlossen, auch eine Dringlichkeitsentscheidung zu treffen. „Das Thema ist zu wichtig, als dass wir jetzt bis zur nächsten Sitzung damit warten“, sagte beispielsweise Stefan Janosi (Grüne).

Der Einsatz der Ampeln und Luftreiniger in weiteren öffentlichen Einrichtungen sei ferner zu prüfen, heißt es in dem CDU-Antrag. Zum Infektionsschutz und zur Fortführung eines geregelten Schulbetriebs sei es notwendig, alle Möglichkeiten der Infektionsvorsorge zu prüfen. Dies gelte besonders vor der anstehenden Heizperiode im Herbst und Winter, wenn das vorgeschriebene Lüften schwierig werden könne.

Die Ausstattung mit geeigneten CO2-Ampeln, die mit Hilfe von Farbsignalen anzeigen würden, wann Lüften im Klassenraum notwendig sei, könnte laut CDU eine „schnell umsetzbare Möglichkeit“ sein. Eine Prüfung erlaube anschließend Rückschlüsse auf die Umsetzbarkeit für andere Schulen und Einrichtungen.

Marion Klein, Leiterin der Grundschule Am Haiderbach, sieht in den CO2-Ampeln eine Chance. „Natürlich wäre das für uns eine Orientierungshilfe. Allerdings frage ich mich, was wir tun sollen, wenn die Ampel ein rotes Signal zeigt und wir trotzdem nicht ausreichend lüften können.“ Denn: Sogenanntes Querlüften, das den Pädagogen von der Landesregierung empfohlen wird, ist nicht überall möglich. Klein: „Es gibt schlicht nicht überall zwei Fensterfronten bei uns.“

Wegen der Unfallgefahr dürfen die Fenster nur gekippt werden

Ein weiteres Problem, das auch Thomas Marner anspricht: „Es ist wegen der Unfallgefahr verboten, in Klassenräumen die Fenster komplett zu öffnen, während Schüler im Raum sind. Sie dürfen dann nur gekippt werden.“

An der Sekundarschule würden die CO2-Ampeln auch zumindest Interesse wecken. „Und zwar nicht nur in Corona-Zeiten“, sagt Schulleiter Dietmar Paulig. Er selbst lüftet die Klassenräume während der Pausen öfter mal gründlich durch. „In schlecht belüfteten Räumen lernt es sich schließlich auch schlechter.“

Weniger Probleme mit schlechter Luft haben Schüler und Lehrer an der Katholischen Grundschule. Schulleiterin Andrea Steinz ist froh, dass das Schulgebäude über großflächige Fensterfronten verfügt. „Natürlich müssen wir schauen, wie das zur kälteren Jahreszeit wird“, sagt sie. „Aber dann haben wir immer noch die Möglichkeit, die Kinder mit Jacken oder Schals auszustatten, wenn wir kurz durchlüften müssen.“

Wann die CO2-Ampeln, beziehungsweise die Belüftungsgeräte tatsächlich in den Klassen zum Einsatz kommen könnten, steht noch nicht fest. „Auf jeden Fall wird das Thema noch einmal auf der Tagesordnung im Ausschuss für Umwelt und Bau Anfang Dezember sein“, sagt Thomas Marner. „Dann werden wir sicher auch schon konkrete Ergebnisse haben.“

Gymnasium

Das Städtische Gymnasium Wermelskirchen besitzt bereits eine CO2-Ampel. Wie Schulleiterin Elvira Persian berichtet, wird diese auch derzeit rege eingesetzt. „Wir reichen die immer wieder rum. Und wenn in einem Raum die Luft schlecht ist, lüften wir jeweils mehr durch.“ Das System funktioniere gut und sei empfehlenswert auch für andere Schulgebäude und öffentliche Räume.

Standpunkt: Sorgenkinder

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga-online.de

Die Schulen gehören sicher zu den Sorgenkindern der Corona-Pandemie. Nicht nur, dass die Kinder und Jugendlichen während des Lockdowns im Frühjahr einen kompletten Unterrichtsausfall hinnehmen und zu Hause lernen mussten. Nun ringen die Pädagogen gemeinsam mit dem Land und den Kommunen darum, den Bildungsauftrag aufrecht erhalten zu können. Denn steigende Infektionszahlen bereiten zunehmend Sorge. In den Nachbarstädten sind bereits zahlreiche Klassen, zum Teil sogar ganze Schulen und Einrichtungen wegen einzelner Infektionsfälle zeitweilig geschlossen worden. Vorschläge wie der der CDU-Fraktion, die eine Verbesserung der Raumluft und somit die Verringerung des Infektionsrisikos zum Ziel haben, kommen deshalb gelegen. Kein Wunder also, dass der Rat zustimmte. Fakt ist aber, dass es mehr davon braucht. Und dass auch Bund und Länder eingreifen müssen. Denn eine profane Empfehlung zu lüften, wo es zum Teil nicht einmal Fensterfronten gibt, ist ein bisschen einfach. Die Schulen brauchen dringend noch mehr Unterstützung, und das können nicht allein die Kommunen stemmen.

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