Bildung

Schulen leiden unter hohem Aufwand

Für kommende Woche ist wieder Wechselunterricht mit halben Klassen in den Schulen angeordnet.
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Für kommende Woche ist wieder Wechselunterricht mit halben Klassen in den Schulen angeordnet.

Sekundarschule und Gymnasium müssen sich fast jede Woche wegen Corona neu aufstellen.

Von Markus Schumacher

Die Schulleiter Elvira Persian (Gymnasium) ...

Für Dietmar Paulig ist am 31. Juli 2021 Schluss. Dann geht der Leiter der Sekundarschule Wermelskirchen in Pension. „Ich bin immer noch jeden Tag gerne in der Schule“, sagt er, „aber dank Corona wird mir der Abschied jetzt doch leichter fallen.“ Denn die Pandemie ist für die weiterführenden Schulen eine besondere Herausforderung. Eine, die an die Substanz geht, wie nicht nur Dietmar Paulig sondern auch Elvira Persian, die Schulleiterin des Städtischen Gymnasiums, einräumt.

„Wir erfahren erst Ende der Woche, wie der Unterricht in der nächsten aussieht.“

Elvira Persian, Schulleiterin

„Wir erfahren erst Ende der Woche, wie der Unterricht in der nächsten aussieht“, betont Elvira Persian. So ahne sie auch schon, wie der heutige Abend für die Lehrer aussehen wird: „Bis 16 Uhr wird unterrichtet und dann setzen wir uns hin und organisieren die nächste Woche nach den neuen Vorgaben.“ Wenn es nach 21 Uhr wird, brauche sie auch noch Bescheinigungen für die Kollegen aus Remscheid, denn dort gilt dann eine Ausgangssperre. Persian: „Wo ich diese Bescheinigungen herbekomme, weiß ich auch noch nicht. . .“

... und Dietmar Paulig (Sekundarschule) müssen also wieder alles neu organisieren.

Momentan, in dieser Woche, läuft an den beiden Schulen Präsenzunterricht für die Abschlussklassen, Distanzunterricht für die anderen Klassen und eine Notbetreuung. Für die Teilnahme am Präzensunterricht ist ein negativer Selbsttest vonnöten. „Wir haben genug Tests da“, berichtet Paulig, „die Schüler haben ein Lehrvideo dazu gesehen und kommen gut klar. Viel mehr, als einmal mit dem Wattebäuschen tätig zu werden, ist es ja auch nicht.“

Es gebe nur vereinzelte Eltern, die den Test für ihre Kinder verweigerten. „Diese Kinder müssen dann eben zu Hause bleiben“, sagt Paulig.

Auch am Gymnasium sei es weniger als eine Handvoll, die keinen Test wollen, sagt Persian. Es sei ein großer, organisatorischer Aufwand. Und jetzt habe das Land auch noch den Anbieter der Selbsttests gewechselt: „Die neue Testflüssigkeit muss von den Lehrern mit zehn Tröpfchen ins die Pufferfläschen gefüllt werden“, erläutert die Schulleiterin, „bei 23 Kindern in einer Klasse brauchen die drei Pufferfläschen.“

Dann bleibe ein Fläschen mit sieben restlichen Testflüssigkeiten übrig: „Wir haben dafür jetzt in einem Raum ein Regal eingerichtet mit den Fächern ,Noch 1 Test, Noch 2 Tests, Noch 3 Tests . . .´ aus denen wir uns dann beim nächsten Mal bedienen“, schildert Elvira Persian. In dieser Woche besuchen die Jahrgangsstufen „Q1“ und „Q2“ das Gymnasium. Mit den zwei Kindern aus der Notbetreuung sind es 264 Schüler. Große Gruppen werden geteilt, so dass der erforderliche Abstand in den Kursräumen gewahrt werden kann. Die Schülerinnen und Schüler der Q2 erhalten Unterricht nur noch in ihren Abiturfächern nach Stundenplan. Es besteht eine grundsätzliche Testpflicht mit wöchentlich zweimaligen Tests für Schüler, Lehrkräften und weiteres Personal. Jeder, der sich auf dem Schulgelände aufhält, hat eine medizinische Maske zu tragen. Die darf nur in den Pausen zur Aufnahme von Speisen und Getränken abgenommen werden, wenn der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten wird.

An der Sekundarschule wird der Präsenzunterricht für den Jahrgang 10 mit halben Klassen organisiert. Beide Schulleiter wünschten sich ein Ende der Pandemie – wie wohl so ziemlich jeder andere auch. Und so lange Corona weiter wüte, wäre ihnen schon mit mehr Verlässlichkeit geholfen: „Es wäre schon ein Gewinn, wenn wir eine verlässliche Situation bekämen, auf die wir uns einstellen könnten. Und nicht jede Woche wieder etwas völlig anderes“, äußert sich Dietmar Paulig. Damit spricht er auch Elvira Persian aus dem Herzen. Doch beide wissen, dass es noch so manche Verordnung von Bund und Ländern geben wird. So ist für kommende Woche vom Land Wechselunterricht angeordnet worden. Das möchte aber Bürgermeisterin Marion Lück verhindern. | Kasten | Standpunkt

Hintergrund

Mit einem dringenden Schreiben wandte sich gestern Bürgermeisterin Marion Lück an Landrat Stephan Santelmann. Sie bittet darum, dass die Wermelskirchener Schulen entgegen der Landesverordnung am kommenden Montag doch nicht in den Präsenzunterricht zurückkehren sondern im Distanzunterricht verbleiben dürfen. Der Inzidenzwert in Wermelskirchen liege seit Tagen über 200, daher sei sie mit den Schulleitungen einer Meinung, dass Wechselunterricht nicht verantwortlich umgesetzt werden könne.

Standpunkt: Man lernt eben nie aus

Von Markus Schumacher

markus.schumacher@rga.de

Lehrer hätten vormittags recht und nachmittags frei, hieß es früher. Das bildet aber wohl schon lange nicht mehr die Wirklichkeit ab. Es scheint eher so, dass der Beruf immer stressiger wird. Und unter Corona-Bedingungen kommt noch ein ganzer Batzen Arbeit oben drauf. Bei der Recherche wussten die beiden Schulleiter Elvira Persian (Gymnasium) und Dietmar Paulig (Sekundarschule) zum Beispiel noch nicht, wie der Unterricht in der kommenden Woche aussieht.

Distanz? Präsenz? Nein, Wechselunterricht lautete später die neue Anordnung des Landes. Heute und morgen muss das nun wiederum neu organisiert werden. Mittlerweile können die Wermelskirchener Schulen schon auf eine gewisse Erfahrung zurückgreifen. Doch das Thema Schnelltest war für sie vorige Woche auch noch komplettes Neuland. Und als man das Hantieren mit Wattestäbchen und Lösungen gerade sicher beherrschte, wurde es schon wieder in Teilen obsolet. Denn plötzlich gab es ein neues Testverfahren. Man lernt eben nie aus. Schon gar nicht als Schulleiter während einer Pandemie.

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