Sekundarschule

Schuldebatte erhitzt die Gemüter

Ab Montag startet im Schulausschuss die öffentliche Debatte um die schulische Zukunft der Stadt. Symbolfoto: Armin Weigel/ dpa
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Ab Montag startet im Schulausschuss die öffentliche Debatte um die schulische Zukunft der Stadt.

Für den Vorstoß der Grünen haben einige Fraktionen wenig Verständnis – sie halten ihre Meinung noch zurück.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Es habe in der Schuldebatte eine klare Vereinbarung gegeben, sagt Oliver Platt (Bürgerforum). Politik und Verwaltung hätten sich nach der vorangegangenen Schulausschusssitzung am 20. Dezember darauf geeinigt, zunächst den frisch aufgelegten, 150-seitigen Schulentwicklungsplan sowie die Ergebnisse der Elternbefragung zu studieren – und in der Ausschusssitzung am kommenden Montag offene Fragen zu klären. „Mir erschließt sich nicht, warum die Grünen sich nicht daran gehalten haben und mit ihren Fragen und Bedenken jetzt schon an die Öffentlichkeit gegangen sind“, sagt Oliver Platt. „Das schafft unnötige Unruhe in die Sache, die wir nicht gebrauchen können. Aus Sicht des BüFo hätte es gereicht, den Montag abzuwarten. „So sehr drängt die Zeit ja nicht.“

Das Thema sei „viel zu komplex“, als dass man jetzt schon klare Präferenzen äußern könne, sagt Platt: „Vor allem, was Details wie die Raumplanung angeht.“

Schulausschussvorsitzender Jochen Bilstein ist etwas milder gestimmt, möchte den Ergebnissen des nächsten Schulausschusses aber ebenfalls nicht vorgreifen. „Was wir jetzt schon sagen können, ist, dass wir keinesfalls wollen, dass Schülerinnen und Schüler für bestimmte Schulzweige die Stadt verlassen müssen, wie das beispielsweise bei einer Realschule ohne Hauptschulzweig der Fall sein könnte“, sagt der Pädagoge. Eine Gesamtschule sei für die SPD denkbar. „Die Kosten dürfen wir aber dabei keinesfalls aus den Augen lassen“, unterstreicht Bilstein. „Man muss ja bedenken, dass die Baukosten von Monat zu Monat weiter steigen, weil beispielsweise Materialien teurer werden. Es ist für eine Stadt wie Wermelskirchen schon ein gewaltiger Unterschied, ob nun für 25 oder für 65 Millionen Euro gebaut wird.“

Die Wermelskirchener CDU kommt am heutigen Samstag zu ihrer Klausurtagung zusammen und wird das Thema dann „intensiv besprechen“, kündigt der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Schneider auf Nachfrage an. „Wir haben ja am 20. Dezember praktisch erst detaillierte Einblicke in den Entwicklungsplan und die Ergebnisse der Befragung bekommen. Und hatten auch bisher keine Möglichkeit, uns untereinander darüber abzustimmen.“

Frommenkord: „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit“

Etwas mehr Zeit erbittet sich auch Marco Frommenkord (FDP). Am Donnerstag trafen sich die Liberalen zu ihrer Fraktionssitzung – und hätten sich dort, so Frommenkord, geeinigt, den Schulausschuss für das Besprechen weiterer Fragen abzuwarten. „Ich bin der Meinung, Gründlichkeit sollte vor Schnelligkeit gehen“, kommentiert er auch den Vorstoß der Grünen. Frommenkord weist noch einmal darauf hin, dass es der FDP bei der Elternbefragung wichtig gewesen wäre, nicht nur die Eltern von Dritt- und Viertklässlern, sondern auch die jüngerer Kinder ins Boot zu holen: „Die werden ja schließlich eher betroffen sein, wenn es zu Änderungen kommt.“

Henning Rehse (Freie Wähler) betont: „Man darf da kein Wunschdenken an den Tag legen. Es geht um viele Aspekte, die wir alle berücksichtigen müssen: den Elternwillen beispielsweise, die Baulichkeit und schließlich natürlich auch die Finanzen.“ Auch Rehse spricht von einer hohen Komplexität in der Debatte um die Zukunft der Sekundarschule, die in Wermelskirchen möglicherweise schon bald zur Gesamtschule werden könnte. Er glaubt indes nicht, dass die Schule so groß werden muss, wie die Grünen sie sich wünschen, also fünf- oder sechszügig. „Ich rechne damit, dass vielleicht 25 Prozent der Wermelskirchener sich für die Gesamtschule entscheiden werden.“

In der Ausschusssitzung am kommenden Montag soll es erst einmal um die Raumplanung am Weyersbusch und die Frage gehen, wie und mit welchen Mitteln dort in der Zukunft Unterricht stattfinden könnte. In einer Folge-Sitzung am Donnerstag, 20. Januar, werden dann die schulischen Aspekte von den Ausschussmitgliedern diskutiert, also zum Beispiel die Schulform und deren mögliche Zügigkeit.

Hintergrund

Die Zukunft der Sekundarschule steht schon länger auf dem Prüfstand. Vor knapp zwei Jahren war zum ersten Mal deutlich geworden, dass sich die Anmeldezahlen immer mehr verringert haben. Über 30 Prozent der Schüler besuchen inzwischen eine weiterführende Schule außerhalb Wermelskirchens – und nur 8 Prozent der Eltern würden sich laut Befragung heute noch für die Sekundarschule entscheiden. Laut Schulentwicklungsplan wäre als neue Schulform eine Gesamtschule ratsam.

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