Zirkus

Schüler werden zu Artisten

Erste Schritte auf dem Drahtseil: Die Kinder der Grundschule am Haiderbach trainieren für ihren großen Auftritt.
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Erste Schritte auf dem Drahtseil: Die Kinder der Grundschule am Haiderbach trainieren für ihren großen Auftritt.

270 Kinder haben mit dem Projektzirkus Proscho ihren großen Auftritt in der Manege.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Im Zirkuszelt herrscht beste Stimmung. „Jetzt wird es spektakulär“, ruft Pascal Maatz den kleinen Löwen zu und grinst. Die sechsjährige Elena erkennt ihren Einsatz und verwandelt sich in der Manege lachend in ein Raubtier. Sie brüllt fröhlich wie ein Löwe und zückt die Krallen. Die anderen Erstklässler machen es ihr nach. Und Pascal Maatz blickt zufrieden in die Runde: „Ihr macht das wirklich toll“, stellt er fest. Schon am zweiten Tag im Zirkuszelt an der Bundesstraße in Tente zeigen die Kinder ihr neu erworbenes Können. Sie balancieren vorsichtig, verwandeln sich in Fakire und Clowns, in Raubtiere und Jongleure.

Eine Woche lang ist der Projektzirkus Proscho in Tente zu Gast – bei insgesamt 270 Schülern der Grundschule am Haiderbach. Jeden Morgen macht sich an der Grundschule in Hünger ein Bus mit den Grundschülern auf den Weg zum zweiten Standort nach Tente – und jeden Morgen braucht er ungewöhnlich lange, weil er den Weg über Solingen nehmen muss. Die Baustellenumleitung über Pohlhausen ist für den Bus einfach nicht befahrbar. Aber der Aufwand lohnt sich: „Das Zirkusprojekt tut den Kindern einfach gut“, erklärt Schulleiterin Marion Klein.

Auf der einen Seite sei es die Begegnung der vielen Schüler, von denen sich die meisten gar nicht kennen, die das Schulleben aber sehr bereichert. Neue Freundschaften entstehen – weit über Klassengrenzen hinaus. Oft halten sie auch nach dem Projekt. „Und gleichzeitig gewinnen die Kinder während des Zirkusprojekts auch Selbstbewusstsein“, weiß die Schulleiterin, „Der Beifall tut gut, und sie überwinden eigene Grenzen.“ Deswegen gehört das Zirkusprojekt in der Grundschule am Haiderbach inzwischen zu einer festen Instanz. „Unser Ziel ist es, den Projektzirkus alle vier Jahre nach Tente einzuladen“, sagt Marion Klein. So könne jedes Kind während seiner Schullaufbahn einmal davon profitieren. „Aber es ist natürlich auch immer eine Frage der Finanzierung“, sagt sie. 

Das Klassenzimmer verwandelt sich zum Zirkuszelt

In diesem Jahr hat es geklappt: Das große Zelt hat seinen Platz in Tente gefunden. Die Kinder sind jeden Morgen in verschiedenen Gruppen unterwegs – die einen trainieren im Zelt, die anderen im Mehrzweckraum oder der Turnhalle. Die andere Hälfte der Kinder widmet sich unterdessen im Klassenraum dem Thema Zirkus. „Für jedes Kind gibt es jeden Tag Zeit sowohl beim Zirkustraining als auch im Klassenraum“, erklärt die Schulleiterin.

Am Freitag, 21., und Samstag, 22. Oktober, stehen vier Aufführungen im Zirkuszelt für Eltern, Großeltern und Freunde auf dem Programm. „Bis dahin haben wir noch viel zu tun“, sagt Pascal Maatz und lacht. Möglichst selbstständig sollen die Grundschüler ihre Nummern auf die Bühne bringen. Dafür gibt es während des Trainings ausreichend Anleitung.

Tatjana balanciert am Dienstagmorgen konzentriert über das Drahtseil – während Michelle Maatz ihr gut gelaunt Mut macht. Elena versucht sich als Raubtier an einem Sprung durch den Reifen und freut sich über den Spaß, den Raubtierdompteur Pascal Maatz mit den Kindern macht. „Ich mag den Zirkus“, freut sich die Sechsjährige und strahlt. Und das Mädchen neben ihr nickt.

Bei den Raubtieren haben ausschließlich Erstklässler zusammengefunden. In allen anderen Gruppen arbeiten die Kinder altersübergreifend. „Das ist natürlich auch eine Herausforderung“, sagt Pascal Maatz. Aber er hat die Erfahrung gemacht, dass im Laufe der Woche jedes Kind seinen Platz unter der Kuppel des Zirkuszelts findet.

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