Erlebnispädagogik

Schüler werden im Team stark

Schwanenschüler der Klasse 3a wurden gestern zu kleinen Architekten. In Zusammenarbeit mit Erlebnispädagogen wird so der Zusammenhalt gestärkt.
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Schwanenschüler der Klasse 3a wurden zu kleinen Architekten. In Zusammenarbeit mit Erlebnispädagogen wird so der Zusammenhalt gestärkt.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Schwanenschule kooperiert mit Erlebnispädagogen, um das Gemeinschaftsgefühl zu fördern.

Wermelskirchen. Tom kann sein Verhalten ziemlich gut reflektieren. „Ich weiß, dass ich gern der Anführer in einer Gruppe bin und es schlecht haben kann, wenn andere die Bestimmer sind“, sagt der neunjährige Schwanenschüler. „Aber daran arbeite ich.“ Gelegenheit dazu hatte er jetzt bei einer gemeinsamen Aktion seiner Klasse. Denn die Schwanenschule kooperiert seit Anfang des Jahres mit Erlebnispädagogen des Kletterparks K1 in Odenthal. Die Gruppe für Erlebnis- und Waldpädagogik nennt sich „Landstreicher“ und kommt aus Kürten. Sie arbeiten jetzt auch mit Dritt- und Viertklässlern der Schwanenschule, um deren Teamfähigkeit zu stärken.

Ein wichtiger Ansatz, wie Klassenlehrerin Susanne Meyer bestätigt. Sie war gestern mit ihrer Klasse dabei. „Wir merken, dass die Kinder nach der Corona-Zeit sehr viel Nachholbedarf haben, was die Teamarbeit angeht“, sagt die Pädagogin. „Das zeigt sich vor allem beim Arbeiten im Unterricht; da ziehen sich viele zurück und lernen eher allein.“ Meyer führt das auf die lange Zeit des Homeschooling zurück.

„Wir können das absolut bestätigen. Die Kinder haben Nachholbedarf – und wir haben entsprechend viel zu tun“, sagt Jürgen Schnepper von den „Landstreichern“, der gestern eine Horde von Nachwuchsarchitekten ausbildete. Gemeinsam mussten die Kinder ein Bauwerk errichten. „Da gibt es dann meist einen Teamchef, der die anderen ein bisschen anweist“, erklärt Schnepper. „Aber im Grunde geht es darum, im Team zu arbeiten. Denn es funktioniert anders einfach nicht. So sind die Aufgaben konzipiert.“

Das haben auch Laila (8), Lilly (9), Younis (9) und Tom erfahren. „Meine Freundin und ich wollten bei einer Aufgabe einfach allein weitermachen, weil wir dachten, dass wir das besser können“, erzählt Laila. „Aber das hat eben nicht geklappt. Wir mussten es in der Gruppe machen.“

Und jeder und jede von ihnen fand eine andere Station am besten. Tom erinnert sich daran, wie er mit seiner Gruppe Bälle durch spezielle Röhren bugsieren musste. Younis beeindruckte, wie er mit verbundenen Augen unter Anleitung eines Klassenkameraden Balance-Übungen machte. Und Lilly fand gut, sich mit einer ganzen Gruppe von Kindern auf riesige Skier schnallen zu lassen, die sich auch nur lenken ließen, wenn die Gruppe an einem Strang zog.

Das Teambuilding-Seminar, das die Klasse 3b der Schwanenschule bereits vorige Woche absolvierte, wirkt bis heute nach. „Wir haben sogar fest eingeplant, einzelne erlebnispädagogische Elemente mit der Klasse zu wiederholen“, sagt Klassenlehrer Ralf Schmidt.

Wir haben die Investition keinen Tag bereut.

Tobias Niemann, stellvertretender Schulleiter

Von „durchweg positiven Erfahrungen“ der Kollegen und vor allem der Schülerinnen und Schüler berichtet auch der stellvertretende Schulleiter der Schwanenschule Tobias Niemann. „Das Projekt haben wir mit einem Corona-Zuschuss finanziert, den die Schulen vom Land bekommen haben. Und wir haben diese Investition noch keinen Tag bereut. Die Schüler profitieren absolut davon – und wir als Schule letztlich auch.“

Im neuen Schuljahr soll es noch einmal ein Event mit den Erlebnispädagogen von K1 und den Lehrern der Schwanenschule geben. „Darauf sind wir natürlich auch schon gespannt“, sagt Ralf Schmidt. „Denn auch für uns können solche Aktionen ja nur von Vorteil sein.“

Konzept

Erlebnispädagogik ist per Definition eine handlungsorientierte Methode und will durch exemplarische Lernprozesse junge Menschen vor physische, psychische und soziale Herausforderungen stellen, um sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Das sollte Schule machen

anja.siebel@rga.de

Lange Zeit waren sie Alleinkämpfer, unsere Schülerinnen und Schüler in Deutschland. Denn bedingt durch die Corona-Pandemie mussten sie gezwungenermaßen zuhause lernen, sich mit Online-Unterricht und Homeschooling durchbeißen. Dass das bei den meisten Spuren hinterlassen hat, zeigt sich heute vielfach, wie die Lehrer berichten. Im Unterricht wird sich weniger ausgetauscht, Gruppen- und Teamarbeiten fallen zusehends schwerer als noch vor der Corona-Zeit. Umso erfreulicher, dass es Aktionen wie die Teambuilding-Tage der Schwanenschule zusammen mit dem Kletterpark K1 gibt. Wer die Schülerinnen und Schüler dabei beobachtet, der bekommt ein Gefühl davon, wie viel Spaß es ihnen macht. Und wer sich hinterher mit ihnen unterhält, der bemerkt auch, was es gebracht hat. Sie lernen ihre Stärken kennen, erfahren aber auch etwas über ihre kleinen Schwächen. Eine tolle Aktion, von der es hoffentlich Nachahmer gibt.

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