Schüler erkunden Brennstoffzellenbus

Die Klasse 7c des Städtischen Gymnasiums in Wermelskirchen gemeinsam mit ihren Lehrern sowie Thorsten Schmalt (4. v. l.) und RVK-Geschäftsführer Eugen Puderbach. Foto: Peter Klohs
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Die Klasse 7c des Städtischen Gymnasiums in Wermelskirchen gemeinsam mit ihren Lehrern sowie Thorsten Schmalt (4. v. l.) und RVK-Geschäftsführer Eugen Puderbach. Foto: Peter Klohs

Die Klasse 7c des Gymnasiums ist im Umweltschutz aktiv

Von Peter Klohs

Um Punkt 10 Uhr fuhr der Brennstoffzellenbus der RVK (Regionalverkehr Köln GmbH) am gestrigen Morgen vor dem Städtischen Gymnasium in Wermelskirchen vor. 25 Schüler haben schon ungeduldig darauf gewartet. „Die Klasse 7c ist zum Thema Umweltschutz außergewöhnlich aktiv“, berichtet Klassenlehrer Franz Gottschalch. „Die Schüler haben sich schon für ‚Friday For Future‘ engagiert und haben beschlossen, auch außerhalb der Schule zu diesem Thema tätig zu sein. Dann kam die RVK auf uns zu. Dieser Termin wurde sehr schnell gefunden.“

Da kommt die Präsentation eines umweltfreundlichen Brennstoffzellenbusses natürlich gerade recht. „Der ist so neu“, sagt RVK-Aufsichtsratmitglied Thorsten Schmalt, „das kann man riechen. Zumindest dann, wenn man keine Maske tragen muss.“ Aber das müssen die Insassen des Busses natürlich. Nach einer kleinen Fahrt durch die Stadt wird der Betriebshof an der Braunsberger Straße angesteuert. Auf dem Monitor im Vorderteil des Busses läuft ein kleiner Film: „Wie wird dieser Bus in Corona-Zeiten gereinigt?“

„Wir könnten hier in Wermelskirchen nicht mit Elektrobussen arbeiten.“

Thorsten Schmalt, RVK-Aufsichtsratmitglied

Man hört keine Motorgeräusche (Schmalt: „Es ist totenstill.“), und wenn der Bus einen steileren Berg hinauffährt, kann man die Kraft ahnen, die ihn vorwärts trägt. „Der Bus ist kräftemäßig gedrosselt“, verrät Eugen Puderbach, Geschäftsführer der RVK, „mit dem können Sie ohne Probleme auf dem Nürburgring fahren.“ Man glaubt es sofort.

Der Tank des Busses ist auf dem Dach, weshalb eine stetige und strenge Höhenkontrolle nötig ist. „Wenn der Bus einmal wirklich irgendwo vordonnert, dann ist das nicht so lustig.“ Auf dem Betriebshof vermittelt Jens Conrad, Projektmanager der RVK, den meist zwölfjährigen Schülern die komplizierte Technik.

Die Kurzform geht so: In der Brennstoffzelle reagiert der gasförmige Wasserstoff mit Sauerstoff aus der Luft zu Wasser. Elektrischer Strom entsteht auf diese Art, die den Bus bewegt und bremst. „Deshalb nennt man ein solches Fahrzeug korrekt Brennstoffzellenhybridbus.“ Für Zwölfjährige ist das schon eine komplexe Materie.

Conrad erklärt die Vorzüge von Wasserstoff beim mobilen Buseinsatz: Das Fahrzeug ist leichter als herkömmliche Busse, die Betankungszeit ist gering und das Volumen des Tankinhalts ebenso. Und die Brennstoffzelle habe einen großen Vorteil im Vergleich zum E-Motor: „Wir könnten hier in Wermelskirchen nicht mit Elektrobussen arbeiten“, sagt Thorsten Schmalt. „Wenn der mit Schülern voll besetzt ist, kommt der manche Steigungen gar nicht hoch. Der Brennstoffzellenbus sehr wohl.“

Offizielle Vorstellung der Busse findet kommende Woche statt

Nach dem Vortrag und einer kleinen Stärkung wird die Bustankstelle besichtigt, die mit einer herkömmlichen Tankstelle nicht viel gemeinsam hat. Und dann geht es wieder zurück zum Gymnasium. Wie RVK-Geschäftsführer Eugen Puderbach erläutert, war Wermelskirchen unter den europäischen Pionieren, die diese modernen Busse einsetzen.

„Neben Amsterdam waren wir die Ersten“, sagt er stolz. „Im Jahre 2010 kamen die ersten Prototypen auf den Markt, Kostenpunkt annähernd 1,8 Millionen Euro pro Stück. Jetzt sind wir in der vierten Busgeneration und sind bei einem Preis von 625 000 Euro angekommen. In zwei bis drei Jahren etwa – dann wird die sechste Busgeneration am Start sein – sollte der Preis für einen solchen Bus, der natürlich zu 100 Prozent emissionsfrei ist, bei etwa 450 000 Euro liegen, auf jeden Fall unter einer halben Million.“

Natürlich sei das viel Geld, ergänzt Thorsten Schmalt, „aber die Umwelt kostet viel Geld. Wenn wir nicht damit anfangen, dann macht es keiner. Dann fahren wir in zehn Jahren alle noch Dieselbusse. Nein, danke.“

Die offizielle Vorstellung der Brennstoffzellenbusse wird in der kommenden Woche stattfinden. Eugen Puderbach hofft, dass der Betrieb im Laufe des September losgehen kann. „Damit unsere treuesten Kunden“ – womit er die Schüler meint – „absolut emissionsfrei und umwelttauglich befördert werden können.“

Neuer Bus

Fahrzeuge, die völlig schadstofffrei unterwegs sind und anstatt Abgase nur Wasserstoff ausstoßen, sind für den RVK (Regionalverkehr Köln GmbH) keine Zukunftsvision mehr, sondern Realität. 35 Wasserstoffbusse im Fuhrpark der RVK bedeuten dank einer Investition von über 13 Millionen Euro die größte Brennstoffzellen-Hybridbus-Flotte Deutschlands.

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