Pandemie

Schnelltest-Stellen werden rege genutzt

Beigeordneter Stefan Görnert war am Montag der Erste, der von Alina Römmler getestet wurde. Archivfoto: Doro Siewert
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Beigeordneter Stefan Görnert war am Montag der Erste, der von Alina Römmler getestet wurde. Archivfoto: Doro Siewert
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Allein im Testzentrum gab es 500 Besucher diese Woche – Kreis will am Montag über Lockerungen beraten.

Wermelskirchen. Wie das in Wermelskirchen mit eventuellen von Schnelltests abhängigen Lockerungen gehandhabt wird, stand am Freitagabend noch nicht fest. Wie Birgit Bär, Krisenstabssprecherin des Rheinisch-Bergischen Kreises auf Nachfrage mitteilte, wollen die Kreisverantwortlichen sich erst am Montag dazu beraten. Wie das Land Nordrhein-Westfalen in seiner aktuellen Version der Coronaschutzverordnung vom Freitag mitteilt, gelten ab kommenden Montag ganz neue Regeln. Zwar soll ab einer Sieben-Tages-Inzidenz von über 100 an drei Werktagen in Folge, wieder der Lockdown wie vor dem 8. März gelten.

Dank der intensivierten Test-Strategien könnten sich die Kreise und kreisfreien Städte allerdings etwas mehr Freiheiten einräumen: Sie können dann zum Beispiel das Einkaufen in Gartencentern oder Buchläden an ein vorliegendes tagesaktuelles negatives Testergebnis koppeln. „Diese Entscheidungen sind jetzt so aktuell, dass wir uns erst einmal Bedenkzeit darüber erbitten“, sagt Birgit Bär.

In Wermelskirchen wären die Bedingungen für eine Schnelltest basierte Öffnung an der einen oder anderen Stelle gut. Denn immerhin gibt es seit voriger Woche ein großes Schnelltest-Zentrum im Foyer des Rathauses, betrieben von der Lebenshilfe; zudem insgesamt drei Apotheken, die in speziell dafür eingerichteten Räumen Testungen durchführen.

Alina Römmler, die als Projektleiterin seit vorigen Montag im Testzentrum im Bürgerzentrum arbeitet, berichtet, dass das Angebot gut angenommen werde. „Wir hatten diese Woche rund 500 Besucher, davon ein positives Testergebnis“, berichtet sie. Für die kommende Woche gebe es schon viele Anmeldungen. „Klar, die Leute wollen an Ostern vielleicht den einen oder anderen Verwandtenbesuch machen“, vermutet Römmler. Verwundert hätte es sie ein wenig, „dass viele noch gar nicht wussten, dass das Angebot einmal in der Woche für sie kostenlos ist.“ Und es spielt auch keine Rolle, aus welcher Stadt man kommt.

Auch Lebenshilfe-Geschäftsführer Axel Pulm ist zufrieden mit der Resonanz der ersten Woche. „Wir haben zwar noch mehr Kapazitäten, könnten sicher über 1000 Menschen in der Woche dort testen, aber für den Anfang war das schon ordentlich.“ Kommende Woche soll ein dritter Pavillon im Foyer des Bürgerzentrums aufgebaut werden, denn auch Axel Pulm erwartet einen größeren Ansturm vor den Osterfeiertagen.

Apothekerin: Negativer Test ersetzt nicht die Umsicht

Eine Bitte hat er: „Wenn möglich sollten sich die Besucher online bei uns anmelden. Das ist am einfachsten für die Abwicklung und geht am schnellsten. Wir möchten aber bewusst auch das Angebot aufrecht erhalten, sich telefonisch anmelden zu können. Und natürlich weisen wir auch keinen ab, der ohne Anmeldung vor der Tür steht“, unterstreicht Axel Pulm. „Die Leute müssen dann nur etwas Geduld mitbringen.“ Das Ergebnis gibt es etwa eine Viertelstunde nach dem Abstrich via E-Mail.

Mit jeweils drei Mitarbeitern ist die Lebenshilfe täglich im Bürgerzentrum vor Ort. Pulm: „Wir freuen uns, dass wir noch einige neue Mitarbeiter dafür einstellen konnten.“

Auch Apothekerin Ulla Buhlmann (Bergische Apotheke) bietet seit voriger Woche kostenlose Antigen-Schnelltests an. Und auch bei ihr haben schon viele Menschen vorbeigeschaut. „Ich bin ganz froh, dass ich ein Ladenlokal nutzen darf, dass neben mir vor einigen Wochen gerade frei geworden ist“, sagt sie. Die Pharmazeutin möchte mit ihrem Angebot das des Schnelltest-Zentrums ergänzen. „Zu mir kommen auch viele ältere Menschen, die mit den digitalen Medien nicht so viel anfangen können. Hier bei mir können sie auf ihr Ergebnis warten.“

Buhlmann möchte allerdings an die Bürger appellieren, dass ein negativer Schnelltest keine Garantie dafür sei, dass der Getestete sich noch nicht mit dem Virus infiziert hätte. „Deshalb ersetzt der Test natürlich nicht die Umsicht“, sagt sie. | Standpunkt

Hintergrund

Das Schnelltest-Zentrum im Foyer des Bürgerzentrums ist montags, mittwochs, freitags von 10 bis 18.30 Uhr; dienstags und donnerstags von 7 bis 17.30 Uhr sowie samstags von 9 bis 14 Uhr geöffnet.

Anmelden kann man sich unter www.testzentrum-wermelskirchen.de oder telefonisch unter Tel. (02196) 710126. Das Ergebnis erhalten die Besucher nach dem Abstrich per E-Mail.

Standpunkt: Sinnvoll, aber chaotisch

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Im Grunde sind die neuen Regelungen in der aktuellen Coronaschutzverordnung des Landes NRW sinnvoll. Beziehen sie doch endlich das Instrument mit ein, das uns schon seit Monaten zur Verfügung steht: den Antigen-Schnelltest. Mit ihm kann man zumindest für einige Stunden relativ sicher sein, dass man in dieser Zeit niemanden infizieren kann. Das könnte, selbst bei immer noch zu hohen Inzidenzen, zumindest einige wenige zusätzliche Freiheiten ermöglichen. Allerdings lässt die Kommunikation dessen, was da entschieden wurde, seitens des Landes einmal mehr zu wünschen übrig. Hat doch am Freitagabend noch kaum jemand richtig realisiert, was jetzt „eigentlich geht und was nicht“. Totaler Lockdown bei einer Inzidenz von 100? Oder doch Öffnungen, verbunden mit den Antigen-Schnelltests? Fakt ist: Das entscheiden die Kreise und kreisfreien Städte selbst. Der Rheinisch-Bergische Kreis will das am Montag tun. Konsequenz ist dann wohl, dass am Montag noch alles geschlossen bleibt. So genau weiß das aber wohl niemand. Und das ist die eigentliche Misere.

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