Schmied: Handwerk passt ins Eifgen-Konzept

Juan Manual Herrera Luzón zeigt ein Schreiben der Stadtverwaltung und sagt: „Mein Mietvertrag ist unbefristet. Er gilt für beide Objekte, Eifgen 8 und 9, mit Gelände.“ Foto: Stephan Singer
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Juan Manual Herrera Luzón zeigt ein Schreiben der Stadtverwaltung und sagt: „Mein Mietvertrag ist unbefristet. Er gilt für beide Objekte, Eifgen 8 und 9, mit Gelände.“

Juan Manual Herrera Luzón macht der Stadt Vorwürfe – Es würden falsche Eindrücke vermittelt

Von Stephan Singer

Um seine Schmiede im Eifgental werde er kämpfen. „Das ist mein gutes Recht“, sagt Juan Manual Herrera Luzón. Der Betreiber der Silvia-Schmiede als Mieter der städtischen Objekte Eifgen 8/9 wehrt sich gegen die Stellungnahme der Stadtverwaltung anlässlich der von Bürgern initiierten Unterschriften-Aktion zur Einreichung einer Petition zum Erhalt der Schmiede. Vonseiten der Stadt würden laut Luzón vollkommen falsche Eindrücke vermittelt.

Der 62-Jährige betont: „Wenn das Areal rund um das ehemalige Freibad mit einem Konzept entwickelt werden soll, passe ich da doch mit meiner Schmiede bestens rein – die Voraussetzungen sind doch schon da.“ Und weiter: „Ich bin kein Schmarotzer.“ So wolle er sich keinesfalls darstellen lassen: „Ich zahle meine Miete, ansonsten wäre die Räumungsklage der Stadt, gegen die ich Widerspruch eingelegt habe, vor Gericht ja wohl auch erfolgreich gewesen.“

Dass er tatsächlich eine Zeit lang keine oder eine verringerte Miete gezahlt habe, sei verabredet gewesen, betont der Schmied. Ein entsprechendes Schreiben vom 10. November 2009, das vom damaligen Leiter des Amtes für Gebäudewirtschaft unterzeichnet ist, liegt vor. Darin erlässt die Stadt bis auf Widerruf die Miet- und Nebenkosten. Juan Manual Herrera Luzón erläutert die Gründe: „Beide Gebäude waren aufgrund des Zustandes nicht nutzbar. Unter anderem hatte sich der Boden in der Schmiede abgesenkt.“ Er habe dann die Reparaturen übernommen, da die Stadt aufgrund Geldmangel nicht konnte oder nicht wollte.

„Alles, was ich mit meiner Schmiede geben kann, ist doch mehr wert als das Objekt.“

Juan Manual Herrera Luzón

„In der Schmiede habe ich zehn Zentimeter Beton mit Stahlmatte aufgetragen“, beschreibt der Schmied. Seit dann der damalige Technische Beigeordnete die Mietzahlung wieder einforderte, zahlte er die Miete, erinnert Luzón. Er habe Wände und Decken verkleidet und verputzt sowie viele Arbeiten mehr verrichtet, um Eifgen 8/9 nutz- und bewohnbar zu machen. „Das wurde alles besprochen. Die Vertreter der Stadtverwaltung haben immer alles fotografiert – somit müsste im Rathaus alles vorliegen“, sagt Juan Manual Herrera Luzón.

Diese Ansicht bezieht der Schmied im Gespräch mit unserer Redaktion auch auf den Vorwurf, seine installierte Hebebühne sei ein Verstoß gegen die im Mietvertrag vereinbarte Nutzung und den Denkmalschutz. „Die Hebebühne war von Anfang da, der Denkmalschutz kam später. Und auch bei der Einrichtung des Denkmalschutzes wurde alles fotografiert“, sagt Luzón. „Die Hebebühne befindet sich räumlich abgetrennt von der Schmiede in einem Nebenraum. Sie ließe sich zudem recht einfach abbauen.“ Daraus einen gerichtlichen Streitwert von 5000 Euro zu machen, sei schon arg übertrieben. „Ich schraube schon immer aus Hobby an alten Autos. Die Behauptung, ich würde nicht schmieden, sondern gewerbsmäßig Autos reparieren, ist dagegen geschäftsschädigender Rufmord“, meint Luzón: „Die Stadt hat nichts und sucht Gründe, mich loszuwerden.“

Zum gegen ihn angestrengten Verfahren wegen Diebstahl kommentiert der Schmied: „Als der Bewohner aus der Wohnung im ehemaligen Freibad ausgezogen ist, habe ich ihn gefragt, ob ich die paar Pflastersteine haben könnte. Der Nachbar hatte damit eine provisorische, kleine Terrasse gelegt und stimmte zu.“ Er habe damit einen bis dato eigentlich vorgesehenen Fluchtweg unterhalb der Fenster der Schmiede gelegt. „Bis zu diesem Zeitpunkt lagen dort Rohre offen, beim Klettern aus dem Fenster wäre das für jeden zur Stolperfalle geworden – das hat die Stadt nicht gekümmert“, schüttelt Luzón den Kopf: „Ich habe also etwas Gutes gemacht – und nichts geklaut. Die Platten sind ja sogar auf städtischem Grund geblieben.“

Juan Manual Herrera Luzón beschreibt seine Sicht auf eine Entwicklung im Eifgental: „Alles, was ich mit meiner Schmiede geben kann, ist doch mehr wert als das Objekt. Ich gebe eine 900 Jahre alte Handwerks-Tradition. Mit Hammer, Härterei und Schweißerei habe ich alles, um eine Schwertklinge komplett fertigzumachen.“ Das sei immaterielles Kultur-Erbe, für das die Stadt sogar Fördergelder bekommen könne. „Nach meinen Tod bleiben alle Maschinen da. Ich müsste bis dahin nur jemanden ausbilden können, der das Handwerk fortführt. Verbunden mit einem Museum liefere ich einen hochwertigen Diamanten, die Stadt hat das Schleifpapier dafür.“

Seine aktuelle wirtschaftliche Situation beschreibt Juan Manual Herrera Luzón mit den Worten „Es ist knapp“. Daran habe die Corona-Pandemie großen Anteil: „Beispielsweise Burschenschaften, die zu meinen regelmäßigen Kunden zählen, können sich nicht treffen und bestellen deshalb auch nichts.“

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