Rehazentrum für Kinder und Klinik für traumatisierte Soldaten

Schloss Haniel soll im Frühjahr öffnen

Baustelle an Schloss Haniel: Momentan wird ein modernes Heizhaus errichtet. Ab 2023 soll hier Betrieb herrschen.
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Baustelle an Schloss Haniel: Momentan wird ein modernes Heizhaus errichtet. Ab 2023 soll hier Betrieb herrschen.
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Aktuell entsteht ein modernes Heizungshaus.

Von Susanne Koch

Wermelskirchen. Die Bagger schaufeln und graben. Die Betonplatte für das Heizhaus wird bald gegossen. „Wir sind mit der Erstellung des Heizhauses in den nächsten Wochen fertig“, sagt Stephan Boehme, Vorstandsmitglied der Stranger and Friends Real Estate GmbH. „Wir werden Schloss Haniel dann mit Holzpellets heizen.“ In die noch bestehende Ölheizung sei nie investiert worden. „Sie ist energietechnisch eine Katastrophe.“

Es hatte gedauert, bis der neue Eigentümer des ehemaligen Tagungshauses Maria in der Aue mit der Naturschutzbehörde den Standort für das neue Heizungshaus geklärt hatte. „Die Genehmigung haben wir jetzt“, erzählt Stephan Boehme. „Ich gehe davon aus, dass wir unser Rehazentrum für Kinder und die Fachklinik für seelisch kranke Menschen und traumatisierte Soldaten im ersten Quartal 2023 öffnen können.“ Aber so ein altes Gebäude sei auch eine Herausforderung. „Beim Umgraben haben wir beispielsweise Beton im Boden gefunden“, sagt das Vorstandsmitglied. „Wir gehen davon aus, dass es in den frühen 1920er Jahren dort hingegossen wurde.“

Das ehemalige Tagungshotel, das von der Erzdiözese Köln betrieben wurde, wurde jetzt von einem auf zwei Gebäude neu ins Grundbuch eingetragen – das Kinderhaus mit 50 Zimmern und das Haus für traumatisierte Soldaten mit weiteren 50 Zimmern.

Das Kinderhaus, wo adipöse Kinder und Jugendliche gemeinsam einen neuen Lebensstil einüben sollen, ist bereits fertiggestellt. „Wir verhandeln noch mit dem Rentenversicherungsträger“, sagt Stephan Boehme. Im Haupthaus werde noch fleißig gearbeitet.

Das Kinderhaus soll adipöse Kinder und Jugendliche aufnehmen. Sie sollen in Einzelgesprächen, in Gruppensitzungen, durchs Kochen, aber auch durch Spielen, Toben und Sport ein anderes Körpergefühl entwickeln. Sie sollen nach dem Konzept auch noch nach der Rehabilitation weitere Ansprechpartner in Wermelskirchen finden.

Im Haupthaus – so stellen sich das die Verantwortlichen vor – sollen traumatisierte Soldatinnen und Soldaten, auch von Bündnispartnern wie der Ukraine, einen Erholungsraum finden, der ihnen hilft, ihr seelisches Gleichgewicht wiederzufinden.

Die Personalsuche hat bereits begonnen. Es sei für jede Ärztin, jeden Arzt und jede Fachkraft eine Aufgabe, diese Arbeitsstelle neu aufzubauen und an der Ausgestaltung mitzuwirken. Das gebe es heute nicht mehr so oft.

Das Tagungshaus Maria in der Aue lief vergangenes Jahr aus. Die Erzdiözese Köln verkaufte die Gebäude und das Grundstück. Seitdem sind die neuen Eigentümer daran, dass ehemalige Hotel in ein Rehabilitationszentrum und eine Fachklinik umzubauen. Am Anfang stecke man nicht im Detail und es tauchten doch eine Menge Dinge auf, mit denen man nicht gerechnet habe: „Wir sind aber guten Mutes, dass wir Schloss Haniel in den ersten drei Monaten kommenden Jahres eröffnen werden“, sagt Stephan Boehme. Die neuen Eigentümer haben dem Gebäude-Komplex wieder den historischen Namen gegeben. „Unsere Zusammenarbeit mit der Stadt Wermelskirchen läuft sehr gut“, sagt Vorstandsmitglied Stephan Boehme. „Wir fühlen uns ausreichend unterstützt.“

Die neuen Inhaber haben sich jetzt entschieden, beide Konzepte, die Behandlung von adipösen Kindern und Jugendlichen sowie die von Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen, voranzutreiben.

Historie

In den Jahren 1927/1928 ließ der Großindustrielle Karl Haniel das Schloss, genannt „Das große Haus“, nahe der Dhünn an der Grenze zu Altenberg als Jagd- und Gästehaus im barocken Stil und mit allem Komfort nach Plänen des Berliner Architekten Otto Walter für 16 Millionen Reichsmark (umgerechnet rund 55 Millionen Euro) erbauen. Ausgestattet mit einem beheizten Schwimmbad, aus Holz gefertigter Kegelbahn, großer Bibliothek, Speisesaal mit Großküche, weitläufigen Salons, einer Bar sowie einer Orgel mit 20 Registern stellte es eine besonders großartig angelegte Villa damaliger Großindustrieller dar.

Standpunkt von Susanne Koch: Was wird umgesetzt?

susanne.koch@rga.de

Wir haben derzeit die (fast) einmalige Chance, von der Umwandlung eines lange gut funktionierenden Tagungshotels in eine Gesundheitseinrichtung mitzubekommen. Und das Spannende: Immer wieder ändert sich etwas im Konzept, kommen neue Aspekte auf den Tisch. Am Anfang wurde das ehemalige Tagungshotel als neues Rehabilitationszentrum für adipöse Kinder und Jugendliche beworben. Das Konzept macht auch Sinn, denn gerade die Corona-Pandemie hat dazu beigetragen, dass Kinder und Jugendliche sich nicht so sportlich betätigt haben, wie es eigentlich notwendig wäre. Und das zweite Konzept kam direkt im Anschluss, eine Fachakutklinik für Menschen mit einem posttraumatischen Belastungssyndrom sollte gegründet werden. Nun hat der neue Eigentümer die beiden Gebäude geteilt ins Grundbuch eintragen lassen. Mit dem Ziel, eventuell beide Konzepte zu verwirklichen. Man darf gespannt sein, was aus Schloss Haniel wird.

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