Unterstützung

Schlaganfallhilfe trotzt der Corona-Zeit

Brigitte Hallenberg vor dem Büro an der Remscheider Straße, in dem viele Ehrenamtler aktiv sind. Foto: Schlaganfallhilfe
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Brigitte Hallenberg vor dem Büro an der Remscheider Straße, in dem viele Ehrenamtler aktiv sind.

Vorsitzende Brigitte Hallenberg setzt auf ein engagiertes Team von Helfern.

Von Jennifer Preuß

Die Selbsthilfegruppe Schlaganfall ist Brigitte Hallenbergs Lebenswerk. Als sie vor fast 14 Jahren damit anfing, Betroffene und Angehörige zusammenzubringen, hätte sie nie geahnt, wie groß das Ganze werden würde. Damals waren es 20 Menschen, die das Thema Schlaganfall miteinander verband. „Mittlerweile haben wir 65 Vereinsmitglieder. 300 bis 400 Menschen betreuen wir im Jahr“, erzählt die Wermelskirchenerin, für die das Ehrenamt ein Vollzeitjob ist.

Sie macht es gerne und aus Überzeugung. Sie selbst hat zwar keinen Schlaganfall erlitten, bekam aber tragischerweise hautnah mit, was die Krankheit bedeutet und für welche Einschnitte sie sorgt. Ihre ersten beiden Ehemänner haben einen Schlaganfall erlitten. Brigitte Hallenberg hat sich damals sehr viel Wissen zum Thema angeeignet. „Ich weiß, wie schwer es ist, sich dieses Wissen selbst erarbeiten zu müssen“, sagt sie, die ihr Wissen mit Betroffenen in und um Wermelskirchen teilen will. „Das Schlaganfallbüro soll eine Anlaufstelle für Sorgen und Probleme sein. Hier trifft man auf jemanden, der weiß, wovon man spricht.“

„Ich möchte, dass das alles auch ohne mich weitergehen kann.“
Brigitte Hallenberg, Vorsitzende Schlaganfallhilfe

Auch während der Pandemie sind Brigitte Hallenberg und ihr Team immer für Schlaganfall-Patienten und ihre Familien da – nur anders als sonst. Die regulären Treffen der drei Selbsthilfegruppen können derzeit nicht stattfinden. Das Risiko wäre zu groß, schließlich haben die Gruppenmitglieder mit ihrer gesundheitlichen Vorgeschichte ein hohes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf.

Also werden alle digitalen Möglichkeiten ausgeschöpft, um miteinander vernetzt zu bleiben und sich auszutauschen. Wer dringend auf Hilfe angewiesen ist und sich das Problem nicht digital lösen lässt, für den sperrt Brigitte Hallenberg natürlich die Tür des Schlaganfallbüros auf. „Unsere Gruppe ist eine große Familie“, sagt die Wermelskirchenerin. „Wir nehmen jeden mit offenen Armen auf.“ Im neuen Jahr will sie mit den Treffen online gehen. Solange die Kontaktbeschränkungen gelten, sollen sich die Betroffenen vor den Bildschirmen treffen können.

Dafür teilt sie die Gruppen in Kleingruppen auf, damit niemand in der Videokonferenz untergeht. Dass das mit einem höheren zeitlichen Aufwand für sie selbst einhergeht, sieht sie entspannt. Brigitte Hallenberg wird gerne gebraucht. Sie geht in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit auf und genießt die Wertschätzung. Und doch: „Ich werde im Januar 66 Jahre alt. Ich möchte, dass das alles auch ohne mich weitergehen kann“, sagt Brigitte Hallenberg.

Nach und nach will sie sich aus den Aktivitäten der Selbsthilfegruppe und des Schlaganfallbüros zurückziehen. Damit dies klappen kann, braucht es Nachfolger, die das Ehrenamt mit der gleichen Freude weiterführen.

Brigitte Hallenberg ist zuversichtlich. Bereits 2020 wurden elf Männer und Frauen über das Schlaganfallbüro zu Schlaganfall-Helfern ausgebildet. Im neuen Jahr findet die dritte Schulung statt, zu der sich Interessierte noch anmelden können. In 40 Unterrichtsstunden lernen die Schüler das Krankheitsbild kennen und wie man den Patienten helfen kann. „Im neuen Jahr wird es eine Mischung aus Online- und Präsenzunterricht. Auch ein Besuch in der Stroke-Unit in der Sana Klinik ist vorgesehen“, berichtet Brigitte Hallenberg.

Die Teilnahme an der Schulung ist kostenfrei. Die Vorsitzende hofft, dass der eine oder andere Schlaganfall-Helfer dem Schlaganfallbüro erhalten bleibt. Viele der bisherigen Teilnehmer kamen von außerhalb oder brauchten die Qualifikation für ihren Hauptberuf. „Von der zweiten Schulung sind zwei bei uns hängengeblieben.“ Das ist dennoch Grund genug für die 65-Jährige, engagiert weiter zu machen. Jeder zusätzliche Mitstreiter, der beim Thema Schlaganfall als Multiplikator wirkt, ist ein Gewinn.

Hintergrund

Das Schlaganfallbüro, Remscheider Straße 10 in Wermelskirchen, ist bis einschließlich 25. Januar 2021 geschlossen. Im Anschluss ist es nach aktuellen Planungen dienstags in der Zeit von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Telefonische Beratung wird ebenfalls angeboten unter Tel. (0 21 96) 7 37 92 84.

Standpunkt: Beispielhaftes Engagement

Von Anja Carolina Siebel

Was die Schlaganfallhilfe Bergische Land um deren Vorsitzende Brigitte Hallenberg leistet, ist beispielhaft. Seit Jahren sind Hallenberg und ihr Team für Menschen da, die, meist aus heiterem Himmel, von einem Schlaganfall betroffen sind.

anja.siebel@rga-online.de

Und deren Angehörige. Die sind nämlich verständlicherweise meist völlig überfordert von der erschreckenden, neuen Situation mit jemandem, der häufig körperlich eingeschränkt und für den im Grunde nichts mehr so wie vor diesem Ereignis ist. Von den psychischen Folgen, die die Erkrankung meist mit sich bringt, ganz zu schweigen. Brigitte Hallenberg hat sich vor einigen Jahren Unterstützung gesucht. 

Weil sie es allein einfach nicht mehr schaffte, die Familien zu besuchen und ihnen Halt und Rat in der ersten schweren Zeit zu geben. So hat sich ein engagiertes Team zusammengefunden, das selbst in der Corona-Zeit, etwas verändert zwar, aber ebenso motiviert, für die Menschen da sein kann. Das ist absolut zu würdigen. Dass die Schlaganfallhilfe mehrfach für ihren Einsatz ausgezeichnet wurde, ist absolut gerechtfertigt. Die Region braucht diese Hilfe dringend.

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