Anlaufstelle

Schlaganfallhilfe eröffnet Kindergruppe

Brigitte Hallenberg ist Vorsitzende der Schlaganfallhilfe Bergisches Land und betreut bisher zwei Selbsthilfegruppen. Foto: Roland Keusch
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Brigitte Hallenberg ist Vorsitzende der Schlaganfallhilfe Bergisches Land und betreut bisher zwei Selbsthilfegruppen.
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Betroffene Familien sollen eine Anlaufstelle vor Ort bekommen

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Kinder und Schlaganfall. Das passt eigentlich nicht zusammen. „Es gibt auch zum Glück nicht sehr viele Kinder, die davon betroffen sind, aber es gibt sie eben. Auch in unserer Region“, sagt Brigitte Hallenberg.

Die Vorsitzende der Schlaganfallhilfe Bergisches Land erlebt immer wieder, wie hilflos Familien einer solchen Erkrankung gegenüberstehen, auch und gerade, wenn sie den Nachwuchs betrifft. „Schlaganfälle“, sagt Brigitte Hallenberg, „verorten die meisten ja bei Senioren. Dabei kann das wirklich in jedem Alter passieren.“ Sogar im Mutterleib kann das ungeborene Baby einen Schlaganfall erleiden, beispielsweise durch einen unerkannten Thrombus.

„Nach der Diagnose sind viele erstmal hilflos.“

Brigitte Hallenberg, Vorsitzende Schlaganfallhilfe

„Dann wundern sich die Eltern beispielsweise, warum das Kind nur eine Körperhälfte bewegt“, berichtet Brigitte Hallenberg. Danach beginne häufig eine Odyssee, bis die endgültige Diagnose vorliege. „Und auch danach sind viele Familien hilflos“, weiß die Vorsitzende der Schlaganfallhilfe. „Denn was macht man dann, welche Hilfsangebote kann man in Anspruch nehmen, wohin kann man sich akut wenden? Das wissen die meisten Betroffenen ja auf Anhieb gar nicht.“ Aufgrund einiger Nachfragen in der jüngsten Vergangenheit entschied sie sich mit ihrem Team, eine Schlaganfallgruppe für Kinder und deren Angehörige zu gründen. Die soll sich am 2. Oktober das erste Mal treffen. Hallenberg: „Wir möchten die Atmosphäre in der Kindergruppe bewusst locker halten; es darf gespielt und getobt werden, wir grillen oder sitzen mal am Lagerfeuer.“

Wichtig sei es sowohl für die Kinder als auch für deren Eltern und Geschwister zu sehen, dass sie mit der Erkrankung nicht allein seien, „dass es noch andere Familien gibt, denen es ähnlich geht.“

Mit der Gruppe für Kinder sind es dann drei Selbsthilfegruppen, die die Schlaganfallhilfe Bergisches Land Betroffenen und deren Angehörigen anbietet: eine für Patienten unter 60, eine für Senioren und nun eben auch die Kinder- und Familiengruppe. „Es gibt einige Mitarbeiter meines Teams, die sich jetzt schon längere Zeit mit dem Thema Schlaganfall bei Kindern beschäftigt haben und breit informiert sind“, unterstreicht Brigitte Hallenberg.

Im Herbst 2018 bezog die Schlaganfallhilfe ihr Büro an der Remscheider Straße. Und seitdem ist nicht nur das Team um Brigitte Hallenberg stetig gewachsen. Menschen, die selbst von Schlaganfall und seinen Folgen betroffen sind, aber vor allem Angehörige finden an den Öffnungstagen den Weg zu den Beratern, um Hilfe für das alltägliche Leben, bei Anträgen und Behördengängen zu suchen. Oder sich einfach in einer der Selbsthilfegruppen auszutauschen. „Das Miteinander von Gleichgesinnten kann bei einer solchen Erkrankung helfen“, weiß die Vorsitzende, deren bereits verstorbener Mann Matti vor Jahren einen Schlaganfall erlitt. Seitdem engagiert sie sich für Erkrankte und Angehörige.

Vor Jahren stemmte Brigitte Hallenberg die Beratung der Familien, in denen die Krankheit von einem Tag auf den anderen das Leben veränderte, noch ausschließlich allein. „Das wurde aber irgendwann zu viel. Unser Radius reicht inzwischen weit über die Stadtgrenzen hinaus.“ So berichtet sie von Beratungen, die in Wuppertal oder dem Oberbergischen Kreis anstehen. „Es gibt im Umkreis keine vergleichbare Beratungsstelle. Da sind wir schon ganz schön gefordert“, sagt Brigitte Hallenberg. Und es gibt vor allem kein Beratungsangebot für Kinder. Hallenberg: „Da sind die nächsten in Bonn oder im Sauerland.“

Umso mehr freuen sich sie und ihre Mitarbeiter, zum Teil selbst Schlaganfallpatienten, dass sie nun die Kindergruppe eröffnen dürfen. Hallenberg: „Wir würden uns freuen, wenn sich Menschen, die Unterstützung suchen, bei uns melden würden. Wir sind jederzeit da und helfen.“

Selbsthilfegruppen

Die Selbsthilfegruppe für Kinder und ihre Familien trifft sich erstmals am Samstag. 2. Oktober, von 11 bis 14 Uhr in den Räumen Königstraße 102 (neben dem Wermelskirchener Krankenhaus). Die anderen beiden Selbsthilfegruppen treffen sich dort jeweils einmal im Monat mittwochs von 15 bis 17 Uhr.

Mehr Informationen erteilt die Schlaganfallhilfe unter Tel. (0 21 96) 7 37 92 84 (Anrufbeantworter).

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Längst dürfte bekannt sein, dass Schlaganfälle nicht nur ältere Menschen betreffen. Vielmehr kann jede Altersgruppe erkranken. Brigitte Hallenberg setzt sich seit vielen Jahren für Betroffene aus der Region ein. Und das ist ihr hoch anzurechnen. Denn meistens trifft ein Schlaganfall die Familien völlig unerwartet und sie wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen und welche Hilfen sie erwarten können. Was auch die meisten nicht wissen: Zwar sind viele Betroffene nach Krankenhausaufenthalt und Rehabilitation äußerlich wieder hergestellt, haben keine sichtbaren Behinderungen davongetragen. Aber in ihren Alltagsabläufen sind sie oft dauerhaft eingeschränkt. Da hilft der Austausch in einer Selbsthilfegruppe mit anderen Betroffenen oft sehr. Und gerade wenn Kinder erkrankt sind, ist es für Familien heilsam, sich auszutauschen. Dass Hallenberg und ihr Team diese Möglichkeit anbieten, wird sicher von vielen dankbar angenommen. Wie groß der Bedarf inzwischen ist, kann man gut am großen Zulauf messen, den das Schlaganfallbüro seit seinem Start im Jahr 2018 erfährt. Das ist wertvolle Unterstützung.

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