Initiative

Schlaganfallhilfe bezieht Büro an der Eich

Stefan Stricker (links, Deutsche Schlaganfallhilfe) sowie Ute Baehr, Brigtte Hallenberg und Stefan Zwanzig-Müller in den neuen Räumen. Foto: Doro Siewert
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Stefan Stricker (links, Deutsche Schlaganfallhilfe) sowie Ute Baehr, Brigtte Hallenberg und Stefan Zwanzig-Müller in den neuen Räumen.

167 Quadratmete fassen die neuen Räume – und es gibt sieben neue Schlaganfallhelfer.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Dass sie künftig mit ihrem Team auf 167 Quadratmetern arbeiten und von Schlaganfall betroffene Menschen beraten kann, das hätte sich Brigitte Hallenberg, Vorsitzende der Schlaganfallhilfe Bergisches Land, noch vor wenigen Monaten nicht träumen lassen. Aber jetzt ist es soweit: Die Initiative kann am 20. Dezember eine große Grundstücksfläche an der Eich (ehemals VR-Bank) beziehen.

Es war ein großer Schock gewesen für Brigitte Hallenberg und Ute Behr vom Vorstand, als sie im Somer erfuhren, dass die Büro-Räume der Initiative an der Remscheider Straße aufgekauft worden waren. Und dass der neue Besitzer das Gebäude in Kürze abreißen will. „Da stand erstmal die Frage: Können wir überhaupt weitermachen mit dem Schlaganfall-Büro“, schildert Brigitte Hallenberg die Sorge, die sie und ihr Team hatten. Erst vor drei Jahren hatten sie das Büro an der Remscheider Straße bezogen und seitdem dort wertvolle Arbeit für Betroffene geleistet.

„Wir sind überall rumgelaufen, haben nachgefragt“, erzählt Hallenberg. Hilfe kam dann schließlich von der Stadtverwaltung: Florian Leßke vom Stadtmarketing schlug dem Team vor, sich doch die Räume an der Eich einmal anzuschauen. Hallenberg: „Wir waren erstmal skeptisch. Das war ja alles so groß. Vorher hatten wir knapp 50 Quadratmeter; jetzt weit über 100.“

Aber es gibt Fördermittel für die Schlaganfallhilfe: Die Stadt hat die Räume angemietet und erlässt sie der Initiative um Brigitte Hallenberg für einen günstigeren Mietpreis. Und: Die Stadtsparkasse hat sich mit einer größeren Summe an der Förderung beteiligt. „Dafür sind wir sehr dankbar“, unterstreicht die Vorsitzende.

Am 20. Dezember rücken die Möbelwagen an und der Umzug von der Remscheider Straße zur Eich kann starten. Im vorderen Bereich der ehemaligen Bank entsteht eine Sitzgelegenheit und die Möglichkeit, sich mit Flyern zu informieren. In der Mitte des großen Raumes sollen einige Schreibtische stehen, an denen die Menschen beraten werden können. Es gibt zudem ein Vorstandsbüro, in dem auch der Chor proben soll, sowie einen Raum, den die Behindertenberatung der Stadt nutzen wird.

„Noch ist alles so neu und aufregend, dass wir es kaum glauben können“, beschreibt Brigitte Hallenberg ihre Empfindungen.

Zurzeit finden die Treffen der Selbsthilfegruppen nicht statt. Hallenberg: „Das haben wir immer so gemacht, dass wir im Dezember und Januar pausiert haben. Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen und des Umzugs kommt uns das jetzt auch entgegen.“ Im Februar soll es dann wieder losgehen – und dann soll auch das neue Büro offiziell eröffnet werden.

Eröffnung des neuen Büros soll im Februar sein

Starten werden die Ehrenamtler dann mit einem größeren Team. Sieben neue Schlaganfallhelfer konnten nämlich gestern im Bürgerzentrum ihre Zertifikate entgegennehmen. Sie sind damit nun befähigt, Schlaganfallbetroffene und deren Angehörige fachkundig zu beraten. Einer von diesen neu ausgebildeten Helfern ist Stefan Zanzig-Müller.

Er erlitt 2015 einen Schlaganfall. „Das hat mich ganz plötzlich getroffen“, sagt der Remscheider Zwanzig-Müller, der jetzt auch im Vorstand der Initiative mitarbeitet. Ihm ist es wichtig, den Betroffenen auf Augenhöhe zu begegnen – und nach außen zu vermitteln, dass man die Folgen eines Schlaganfalls Betroffenen nicht unbedingt ansehen muss. Sie ermüden zum Beispiel oft schneller als gesunde Menschen und sind nicht mehr so belastbar wie vor dem Ereignis. „Wenn ich am Schreibtisch sitze, sieht man mir auch nicht an, dass ich mit Spätfolgen zu kämpfen habe.“ Brigitte Hallenberg und Birgit Bär sind dankbar über solche Helfer: „Als Angehöriger kann man da nicht so mitreden“, betont Ute Baehr.

Neue Helfer

Die neuen Schlaganfallhelfer, die am Freitag ihre Zertifikate entgegennahmen, sind: Kirstin Blätgen, Yvonne Gonzalez, Jennifer Gräf, Marika Kleinhesseling, Manuela Korell, Melina Rockenberg, Stefan Zwanzig-Müller.

Sie werden künftig bei der Schlaganfall-Initative mitarbeiten und Betroffene und Angehörige aktiv beraten und begleiten.

Standpunkt

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Ein Schlaganfall betrifft nur ältere Menschen.“ Diese These gehört längst der Vergangenheit an. Denn sie stimmt schlicht nicht. Viele Betroffene, die sich bei der Schlaganfallhilfe Bergisches Land regelmäßig treffen und engagieren, sind unter 60 Jahre alt. Manche sogar im jugendlichen Alter. Für sie war der Schlaganfall meist ein Ereignis, das sie und ihre Angehörigen aus heiterem Himmel getroffen hat. Entsprechend groß ist dann die Hilflosigkeit, wenn es darum geht, mit der neuen Situation umzugehen. Brigitte Hallenberg und ihr Team von der Schlaganfallhilfe engagieren sich seit Jahren für Menschen in genau dieser Situation. Und das tun sie mit Hingabe und hohem zeitlichen und persönlichen Aufwand. Das ist nicht selbstverständlich und ihnen hoch anzurechnen. Wie schön, dass sich Jahr für Jahr weitere Ehrenamtler aufmachen, um sich zu Schlaganfallhelfern ausbilden zu lassen. Zum Teil sind sie selbst betroffen und können so aus der Sicht des Patienten mit den Betroffenen und angehörigen auf Augenhöhe sprechen und sie kompetent beraten. Hoffentlich wächst diese Initiative stetig und konstruktiv weiter.

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