Scheitern ist nur ein kleiner Teil von mir

Eine Geistliche macht sich Gedanken

Anke Schäfer, Pfarrerin am Leibniz-Gymnasium in Remscheid-Lüttringhausen

Eine junge Frau fällt zweimal durch das Abitur, ein Arbeitsloser findet keinen neuen Arbeitsplatz, eine Familie rutscht in Hartz IV, ein ehemaliger Straftäter lebt auf der Straße, weil er es nicht schafft, wieder in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Schnell sind wir dabei, zu urteilen: „Ach, das ist eine gescheiterte Existenz!“ Da wir Menschen dazu neigen, Dinge absolut zu setzen, gelten andere in unseren Augen schnell als komplett gescheitert.

Hoffentlich haben Sie noch nie über sich selbst hören müssen: „Das ist eine gescheiterte Existenz!“ Denn diese Worte sind vernichtend. Sie sagen: „Mensch, du liegst am Boden. Du bist kaputt. Du stehst nie wieder auf. Du hast dein ganzes Leben in den Sand gesetzt.“ In Psalm 139,16 spricht der Beter: „Deine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.“

Gott hat schon seit der Zeit ein Auge auf uns, als unsere Eltern noch gar nicht wussten, dass es uns überhaupt geben wird. Gott kennt uns besser, als wir selbst uns kennen. Er weiß, dass Scheitern zu unserem Leben dazu gehört. Aber er sagt nicht vernichtend: „Mensch, du bist eine gescheiterte Existenz, du stehst nie wieder auf!“ Gott sagt liebevoll und barmherzig: „Mensch, ich nehme dich genauso an, wie du bist, mit allem, was dir gelingt und womit du scheiterst.“

Das Scheitern gehört zu unserer menschlichen Existenz dazu. Wir kommen nicht darum herum, hin und wieder mehr oder weniger kräftig auf die Nase zu fallen, aber wir scheitern niemals als ganzer Mensch. Unser Scheitern betrifft – Gott sei Dank! – nicht unsere gesamte Existenz, sondern immer nur einen kleinen Teil unseres Ichs.

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