Aktion

Schach mit einer sozialen Komponente im Markt 57

Siegfried Newiger (l.) und Mike Hohnen spielen eine Partie Schach: Interessierte können donnerstags mitspielen.
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Siegfried Newiger (l.) und Mike Hohnen spielen eine Partie Schach: Interessierte können donnerstags mitspielen.

Siegfried Newiger hat in Dabringhausen eine neue Schachgruppe gegründet – und die wächst.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Mike Hohnen sitzt ganz konzentriert am Schachbrett. Gerade hat er seinen ersten Zug gemacht. „Ich habe bisher immer verloren“, berichtet er und lacht, „aber das macht nix. Es ist einfach schön, zusammen Schach zu spielen.“ Beim Einkaufen im Edeka-Markt in Dabringhausen hatte er den Zettel von Siegfried Newiger entdeckt – mit der Einladung zum Schachspielen im Markt 57.

„Als Jugendlicher habe ich mal Schach gespielt“, erzählt Mike Hohnen. Auch später habe sich immer mal wieder eine Gelegenheit für ein Duell ergeben. Seitdem aber ein guter Schachfreund von hier weggezogen sei, habe sich die Partie Schach aber vor allem auf das Handy verlagert.

„Es ist schon etwas ganz anderes, seinem Kontrahenten am Tisch gegenüber zu sitzen“, erklärt Mike Hohnen und trifft damit auch Newigers Philosophie. Das Schachspiel habe sich für nicht wenige Menschen – vor allem auch in den Zeiten der Corona-Pandemie – auf den Computer verlagert, weiß Siegfried Newiger. „Aber hier spielen wir gegen menschliche Intelligenz“, erklärt der Gründer der neuen Schachgruppe in Dabringhausen und grinst. Jeder ist willkommen: Wer gerne schnell spielt, findet hier ebenso einen Gegner wie diejenigen, die sich lieber etwas mehr Zeit lassen mit dem nächsten Zug.

Inzwischen kommen bis zu neun Schachspieler alle zwei Wochen in den Markt 57. „Ab sofort treffen wir uns wöchentlich“, verkündet Newiger und hat den Eindruck, dass die Gruppe noch weiter wachsen wird. Schließlich stecke im Schachspiel eine große Faszination, die viele Spieler kennen.„Man kann nicht betrügen“, sagt Newiger.

Ihm gefalle auch der psychologische Druck am Brett – jeder Spieler verhalte sich anders. Es gebe Gegner, die würden gleich angreifen. „Dann muss man selber gut verteidigen“, weiß er. Und andere Spieler seien erstmal sehr zurückhaltend, dann sei man selbst gefordert. „Es gibt einfach so viele verschiedene Kombinationsmöglichen“, weiß Newiger.

Bis zu vier Stunden sind die Spieler im Einsatz

Er selber war gerade sechs Jahre alt, als er seinen Vater und seinen Onkel sonntags beim Schachspielen beobachtete: „Ich stand daneben und durfte kein Wort sagen“, erzählt. Er sei so fasziniert gewesen, dass er keinen Zug verpasste. Und mit acht Jahren versuchte er es selbst – mit Erfolg. Siegfried Newiger begann im Dabringhauser Turnverein (DTV) Schachturniere zu spielen, später verlagerte er sein Engagement vor allem auf das Tennisspielen und den Bau der Tennisplätze. „Aber ich dachte immer: Hier in Dabringhausen muss es doch noch Menschen geben, die gerne Schach spielen.“ Also rief er den Schachtreff ins Leben, um so auch ein bisschen an alte Schachzeiten in Dabringhausen anzuknüpfen. Aber statt Vereins-Schach wünschte er sich eine lockere, unverbindliche Runde – bei einem kalten Getränk und Geselligkeit.

„Wir spielen an so einem Abend schon ein paar Partien“, erzählt er. Bis zu vier Stunden sind die Spieler im Markt 57 im Einsatz. Aber keiner sei verbissen. Ganz im Gegenteil. Es herrsche eine schöne Stimmung. „Schach hat eben auch eine soziale Komponente“, betont Sigfried Newiger.

Beim Schachtreff in Dabringhausen sind mittlerweile Spieler im Alter zwischen 10 und 88 Jahren mit von der Partie. „Alle Generationen machen mit“, freut sich Mike Hohnen, „das ist auch eine Stärke des Schachs.“ Inzwischen hat sich auch eine Frau für den wöchentlichen Treff begeistert. Sie sei eigentlich zum Fußballgucken in der Gaststätte gewesen, als sie die Schachspieler entdeckt habe. Sie fragte nach, ob sie mitspielen könne. Und Newiger lud sie gleich zur nächsten Partie ein. Frauen seien ausdrücklich willkommen, sagt er.

Dann widmen sich die beiden Männer wieder ihrem Spiel. Newiger hat ein ausrollbares Schachbrett mitgebracht und edle Holzfiguren. Er träume davon, irgendwann im Sommer eine Freizeitschachanlage hinter dem Haus errichten zu können, mit großen Figuren und einem Feld auf dem Boden. Bei einem Glas Wein oder Bier oder einem guten Essen könnten die Menschen auf der Terrasse dann den Schachspielern zusehen – oder im besten Fall gleich mitspielen.

Hintergrund

Termin: Jeden Donnerstagabend um 18 Uhr startet der Schachtreff im Markt 57 in Dabringhausen. Jeder ist willkommen.

Kontakt: Siegfried Newiger hat eine Whatsapp-Gruppe für Interessierte eingerichtet, um sie auf dem Laufenden zu halten. Wer mitspielen oder über Termine informiert werden möchte, kann sich unter Tel. (0 21 93) 53 12 16 oder per E-Mail an ihn wenden.

s.newiger@t-online.de

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