Soziales Jahr

Sambia sorgt für eine neue Perspektive

Max Stark lebt seit fast zwei Monaten in Sambia: „Ich merke schon, wie sich mein Blick auf die westliche Kultur verändert.“
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Max Stark lebt seit fast zwei Monaten in Sambia: „Ich merke schon, wie sich mein Blick auf die westliche Kultur verändert.“

Max Stark verbringt ein soziales Jahr als „Kurzzeitler“ in einer Initiative in Kabwe – aus Überzeugung.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Max Stark hat gerade einen Augenblick Pause. Gleich geht es zurück in den kleinen landwirtschaftlichen Betrieb am Rande von Kabwe, gleich neben der Schule. Aber jetzt sitzt der Wermelskirchener vor dem Computer-Bildschirm und winkt gut gelaunt in seine rund 7600 Kilometer entfernte Heimat. „Ich bin angekommen“, sagt der 18-Jährige. Und damit meint er nicht nur Sambia, sondern auch das neue Leben jenseits der vertrauten Kultur. Das hatte er sich gewünscht, als er Anfang September in das Flugzeug Richtung Afrika stieg.

„Meine Eltern hatten die Idee, dass ich ein soziales Jahr mache“, erzählt er. Also habe er sich zumindest mal mit dem Thema beschäftigt. Er recherchiere, sah sich um und begeisterte sich für den Gedanken, seinen Einsatz ein Jahr lang in den Dienst einer guten Sache zu stellen. Viele seiner Freunde hatten sich nach dem Abitur für „Work and Travel“ entschieden. „Mir gefiel aber die Idee, ein Jahr lang zurückzugeben“, sagt er, „wir haben so viel und sind so gesegnet.“

Sein Onkel, der in einer Gemeinde in Berlin arbeitet, stellte den Kontakt zur Initiative „Life Trust Sambia“ her. Max Stark nahm Kontakt auf. Damals wusste er nicht viel über das Land im südlichen Afrika. Aber er schrieb eine Bewerbung, recherchierte, schaute Dokus – und wurde angenommen.

Am 10. September saß er im Flugzeug Richtung Sambia. Fast drei Stunden dauerte danach noch die Fahrt in den Norden des Landes. „Da habe ich einen ersten echten Eindruck von diesem Land bekommen“, sagt er. Am Rande der Straße hatten die Menschen ihre Marktstände aufgebaut. Draußen herrschten 35 Grad. „Bis heute rütteln mich diese Bilder immer wieder wach“, sagt er, „es scheint eine andere Welt zu sein.“ Er sei noch dabei, diese Kultur zu verstehen. Es gebe so viel zu lernen.

Blick auf die westliche Kultur hat sich schon verändert

Das gilt auch für das Leben in Kabwe. In einem Compound, einer Art Siedlung am Rande der Stadt hat die christliche Entwicklungshilfeorganisation „Life Trust Sambia“ einen Ort geschaffen, an dem Kinder kostenlos zur Schule gehen können. „Sie bekommen eine warme Mahlzeit und eine Schuluniform“, erzählt Max Stark. 550 Kinder aus armen Familien erhalten hier den Zugang zu Bildung. Gleich nebenan hat die Initiative zwei weitere Projekte gestartet und fast 50 Arbeitsplätze für Einheimische geschaffen: eine Schneiderei, in der die Schulkleidung entsteht, und einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb.

Neben seinen Einsatzzeiten in der Schule arbeitet er vor allem beim „Farming“. Er habe dort eigene Projekte bekommen: Gerade werde versucht, das Futter für die Hühner selber herzustellen. „Das macht mir total Spaß“, sagt er, „und die Zusammenarbeit mit den vielen einheimischen Kollegen gefällt mir gut.“

Dabei hat der 18-Jährige auch eine Entdeckung gemacht: „Wir Menschen sind gar nicht so verschieden. Wir sehen die Dinge oft gleich.“ Und so hofft er, mit der Zeit, Freundschaften zu schließen und so auch die bisher fremde Kultur besser verstehen zu lernen. Seine Liebe zum Maisbrei „Nshima“ jedenfalls hat er schon entdeckt.

Für vorerst acht Monate hat er sich für die Arbeit im Projekt verpflichtet.

Mit ihm im Einsatz sind sechs andere „Kurzzeitler“, wie die jungen Leute im sozialen Jahr in der Initiative genannt werden. Sie leben in Wohngemeinschaften und an den Wochenenden unternehmen sie gemeinsam Ausflüge in die Region. Sie haben darüber hinaus auch Reisen geplant. „Wo ich schon mal hier bin, möchte ich gerne die Victoriafälle sehen“, sagt er, „und die Big Five.“ Kaum an einem anderen Ort der Welt lassen sich Elefant, Nashorn, Kaffernbüffel, Löwe und Leopard antreffen. „Und wir haben einen Urlaub in Tansania gebucht“, erzählt Max Stark und ergänzt dann: „Sansibar“.

Für vorerst acht Monate hat er sich für die Arbeit im Projekt verpflichtet. Wenn er möchte, kann er dann um vier weitere Monate verlängern. „Ich merke schon, wie sich mein Blick auf die westliche Kultur verändert“, sagt er. In Kabwe komme es vor, dass es einen ganzen Tag keinen Strom gebe, einen ganzen Monat kein fließendes Wasser. „Ich gehe davon aus, dass mich diese Zeit hier verändert“, sagt Max und dann ergänzt er: „Es ist verblüffend: Obwohl die Menschen hier sehr arm sind, wirken sie auf mich viel glücklicher.“

Hintergrund

Max Stark hat im Sommer sein Abitur am Städtischen Gymnasium in Wermelskirchen gemacht. Nach Sambia wolle er studieren oder eine Ausbildung machen. „Das ist offen“, sagt er, „auch deswegen ist es gut, dass ich für die Entscheidung jetzt ein Jahr Zeit habe.“

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